Kaiseraugst

Nach dem Brand keinen Laden mehr: Metzger Rickenbacher geht neue Vertriebswege

Roland Rickenbacher vor dem geschlossenen Laden.

Roland Rickenbacher vor dem geschlossenen Laden.

Nachdem sein Laden bei einem Brand zerstört worden war, setzt Roland Rickenbacher vorerst auf Catering. Auch Lieferdienst befindet sich im Aufbau. Die Solidarität gebe ihm Mut, sagt Rickenbacher.

Roland Rickenbacher hat anstrengende, teils zermürbende Wochen hinter sich. Anfang Juli brach im Gebäude an der Dorfstrasse 39 ein Brand aus. Zerstört wurden mehrere Wohnungen – und auch Rickenbachers Dorfladen im Erdgeschoss.

«Gebrannt hat es zwar nur in den oberen Stockwerken. Das Löschwasser ist aber überall eingedrungen», sagt Rickenbacher. Der Laden ist seither geschlossen, eine Wiedereröffnung nicht in Sicht. Auch nicht in einem Provisorium.

«Wir haben intensiv nach passenden Räumlichkeiten gesucht. Bisher aber leider vergebens», sagt Rickenbacher. Auch eine Containerlösung wurde geprüft, hat sich aber als zu teuer erwiesen. Bis auf Weiteres bleibt der Laden daher geschlossen. «Wir hoffen, dass vielleicht doch noch irgendwo ein Türchen aufgeht», so Rickenbacher.

Brand in Kaiseraugst

Brand in Kaiseraugst – Der Dachstock des Hauses stand in Flammen.

Im Moment setzt er ganz auf sein zweites Standbein, den Partyservice – wobei dieses Geschäftsfeld coronabedingt derzeit natürlich auch nur beschränkt läuft. Grossanlässe fehlen. Aber: «In den vergangenen Tagen sind mehrere Anfragen eingegangen. Wir konnten so einige Termine abmachen und auch schon die ersten Events beliefern», sagt Rickenbacher. «Das hat uns gutgetan, sowohl finanziell als auch mental.» Es sei ein wunderschönes Gefühl gewesen, wieder unter Menschen zu sein, sie bewirten zu dürfen, die positiven Rückmeldungen zu hören. «Dieser direkte Kontakt zu den Menschen hat uns gefehlt. Der Dorfladen war schliesslich auch ein sozialer Treffpunkt», sagt Rickenbacher.

Grosse Solidarität von der Bevölkerung

Rickenbachers spüren viel Solidarität vonseiten der Bevölkerung und ihrer Kunden. So dürfen sie etwa die Küche im Kirchgemeindehaus sowie die Schulküche zur Vorbereitung ihrer Cateringanlässe nutzen. «Dafür sind wir sehr dankbar. Der Rückhalt, den wir von vielen Seiten spüren, gibt uns Mut für die Zukunft», sagt Roland Rickenbacher. Das Arbeiten sei im Moment zwar «ziemlich kompliziert». Viele Gerätschaften wurden beim Brand zerstört oder beschädigt, andere waren komplett verschmutzt und mussten zunächst gereinigt werden. Das allein dauerte mehrere Tage. Und nun ist alles in Dutzende Kartonschachteln verpackt. «Es dauert manchmal gefühlt ewig, bis ich einen Schwingbesen gefunden habe», sagt Rickenbacher mit einem Lachen. Aber er betont: «Es macht nach dieser schwierigen Zeit einfach Spass, wieder arbeiten zu können.»

Lieferdienst ist derzeit im Aufbau

Rickenbachers versuchen, nach vorne zu schauen. Derzeit sind sie parallel zum Partyservice im Aufbau eines Lieferdiensts. Kundinnen und Kunden können ab sofort allerlei Fleischspezialitäten sowie Käsefondue in diversen Sorten nach Hause bestellen.

Das Sortiment soll laufend erweitert werden und bald auch hausgemachte Spezialitäten wie Spätzli, Hamburger oder Sauerkraut umfassen. Ein entsprechender Flyer soll in den kommenden Tagen im Dorf verteilt werden. Und immerhin: Von den Liegenschaftsbesitzern hat Rickenbacher die mündliche Zusage, dass nach dem Wiederaufbau des Gebäudes an der Dorfstrasse wieder eine Ladenfläche entstehen soll. Der Zeithorizont ist allerdings noch völlig offen.

Autor

Nadine Böni

Nadine Böni

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