Frick
Nach 40 Jahren ist Willi Schraner von der Bühne nicht mehr wegzudenken

Willi Schraner ist passionierter Schauspieler. Sein Erfolgsritual: Ein Bier nach der Aufführung. Seiner neusten Rolle im Stück «s’Gäld liggt uff dr Bangg» opfert er seinen Schnauzer – allerdings erst am Tag vor der Premiere.

Sarah Serafini
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Auch ein Profi kennt das Lampenfieber: Nach 40 Jahren Bühnenerfahrung ist Willi Schraner trotzdem vor jedem Auftritt aufs Neue nervös. sar

Auch ein Profi kennt das Lampenfieber: Nach 40 Jahren Bühnenerfahrung ist Willi Schraner trotzdem vor jedem Auftritt aufs Neue nervös. sar

Sarah Serafini

Seit 40 Jahren steht der in Frick aufgewachsene Willi Schraner auf der Bühne. Hunderte von Textstellen musste er fürs Theater schon auswendig lernen. Und trotzdem gibt es sie immer wieder: einzelne, verflixte Worte, die er sich einfach nicht merken kann.

Da hilft nur, den Text abzudecken, aufzusagen, zu wiederholen und sich Eselsbrücken auszudenken. Das zeigt, dass auch Profis büffeln müssen. Während den Proben zu seiner neusten Rolle repetierte er seine Passagen jeden Morgen nach dem Aufstehen und memorierte sie am Abend vor dem Zubettgehen.

Doch auch wenn er den Text im Schlaf aufsagen könnte, nervös ist Schraner trotzdem vor jedem Auftritt aufs Neue. Und so wird es auch am 8. November wieder sein, wenn die Komödie «s’Gäld liggt uff dr Bangg» im Basler Theater Fauteuil Premiere feiert.

An Spieltagen hat Schraner einen genauen Tagesablauf. In seiner Basler Wohnung steht er um acht auf, duscht und trinkt danach Kaffee im Hotel Europe. Dort liest er eine Stunde lang sämtliche Zeitungen.

Danach erledigt er, was zu erledigen ist und geht später zum Mittagessen in die Kantine der Firma, wo er bis vor sechs Jahren neben der Schauspielerei als Laborist arbeitete. Zu Hause legt er sich für ein kurzes Schläfchen hin, um 16 Uhr wirft er einen letzten Blick auf den Text. Um 19 Uhr fährt er ins Fauteuil und bereitet sich auf seinen Auftritt vor.

«Wie habe ich das bloss gemacht?»

Damit Schraner nach dem Spiel wieder aus der Rolle kommt, geht er nach jedem Auftritt in den Sperber, eine Bar vis à vis des Theaters Fauteuil. «Dort trinke ich ein bis zwei Bier. Manchmal mit Gesellschaft, manchmal aber auch ganz alleine.» Diese Auszeit brauche er, damit er runterfahren könne. In der Bar zu sitzen und kurz zu verweilen, ist in den 30 Jahren als Schauspieler im Fauteuil ein Ritual geworden.

Neben den schönen Momenten auf der Bühne gibt es aber auch die schweren. Manchmal mache das Publikum nicht mit, sagt Schraner. Dann dringe man nicht durch, erreiche die Leute nicht. «Das ist mühsam», so Schraner. Schlimm sei es auch, wenn man trotz Krankheit auf die Bühne muss.

Dass ein Schauspieler ausfällt, weil es ihm nicht gut geht, komme nicht infrage. «Geht der Vorhang auf, so beginnt das Spiel, ob mit oder ohne Grippe», sagt er. Auch hart fand Schraner die Zeit, vor seiner Pensionierung, als er neben der Schauspielerei noch als Laborist gearbeitet hat. «Heute frage ich mich: Wie habe ich das bloss gemacht?»

Dass Schraner für die Schauspielerei weit gehen würde, bewies er schon als 25-Jähriger. Damals rief er sein grosses Idol, den bekannten Schauspieler Alfred Rasser zu Hause an und fragte, ob er ihn treffen könne. Daraufhin lud ihn Rasser zu einem Tee ein.

Der junge Schraner fragte ihn, ob er nicht eine Rolle für ihn habe. Offenbar hinterliess er bei Rasser einen bleibenden Eindruck: Zwei Jahre später erhielt er von diesem einen Auftrag. Das war der Startschuss für eine lange gemeinsame Zeit auf der Bühne und eine Freundschaft, die er noch heute zur Familie des verstorbenen Rassers unterhält.

Grosse Opfergabe

Schraner ist ein Vollblut-Schauspieler – das merkt man dem rundlichen, kleinen Mann an. Für seinen Job opfert er demnächst sogar etwas, das ihn seit seinem 20. Lebensjahr treu durchs Leben begleitet hat: seinen Schnauzer.

Die Gesichtsbehaarung ist Schraners Markenzeichen. Umso mehr schmerzt es ihn, dass nun an diese Stelle eine glatt rasierte Oberlippe tritt. Da Schraner in «s’Gäld liggt uff dr Bangg» einen Minderjährigen spielen muss, wäre ein Schnauzer aber gar unpassend.

Obwohl die Proben für das Stück seit Mitte September laufen, wird Schraner den Moment der Schnauz-Rasur so lange wie möglich herauszögern: «Erst am Tag vor der Premiere werde ich zur Klinge greifen.»

S’Gäld liggt uff dr Bangg im Theater Fauteuil. Premiere am 8. November um 20 Uhr

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