Museen
So bereiten sich die Fricktaler Museen auf den Neustart nach dem Lockdown vor

Bleibt der Bundesrat bei seiner Ankündigung, dürfen die Museen am 1. März wieder öffnen. Das freut die Museumsbetreiber im Fricktal sehr. Dennoch werden nicht alle ihre Türen bereits Anfang März wieder öffnen ‒ aus triftigem Grund.

Thomas Wehrli
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Da waren Museumsbesuche noch möglich: Ariane Dannacher und Hannes Burger (Mitte) bei der Vernissage der Ausstellung im Museum Schiff im Oktober.

Da waren Museumsbesuche noch möglich: Ariane Dannacher und Hannes Burger (Mitte) bei der Vernissage der Ausstellung im Museum Schiff im Oktober.

Charlotte Fröse / Aargauer Zeitung

Darauf warten die Museumsbetreiber im Fricktal sehnlichst: Ihr Museum endlich wieder betreiben zu dürfen und Besucher empfangen zu können. Coronabedingt sind aktuell sämtliche Museen in der Schweiz geschlossen. Letzte Woche kündigte der Bundesrat jedoch an, Museen ebenso wie Zoos und Läden im ersten Öffnungsschritt wieder öffnen zu wollen. Der definitive Entscheid, was am 1. März wie wieder aufsperren kann, wird für Mittwoch erwartet.

Für Hannes Burger, Präsident des Museumsvereins Laufenburg, sind es «überaus gute Nachrichten, dass es nun endlich weitergeht». Das Museum Schiff ist seit dem 20. Dezember geschlossen. Er verspricht:

«Wenn wir dürfen, machen wir sofort wieder auf.»

Das heisst für das Museum Schiff: Am 3. März kann ‒ so der Bundesrat bei seiner Ankündigung bleibt ‒ die aktuelle Ausstellung wieder besichtigt werden.

Bilder über Laufenburg

«Bilder erzählen Geschichten», heisst die aktuelle Ausstellung. Gezeigt werden Aquarelle aus Laufenburg von drei Künstlern. Er wisse von vielen, dass sie die Ausstellung gerne besichtigen möchten, sagt Burger. Die Ausstellung sei in der kurzen Zeit, in der sie seit Oktober offen war, «super angekommen». Deshalb ist für Burger auch klar: «Die Ausstellung wird verlängert.» Ursprünglich war sie bis im April vorgesehen.

Burger selber, der die museumsfreie Zeit mit «viel Wandern» und dem Bemalen von Fasnachtsplaketten gefüllt hat, will in den nächsten Wochen vermehrt im Museum präsent sein. Der ehemalige Stadtrat sagt:

«Ich möchte den Besuchern spontane und kostenlose Führungen in Kleingruppen durch das Museum ermöglichen.»

Dies als Entschädigung dafür, dass das Museum über zwei Monate geschlossen war.

Den Lockdown spürt das Museum Schiff auch bei den Einnahmen. Die Besichtigung ist zwar kostenlos, doch viele Besucher geben am Schluss einen Obulus. «Wir haben das Glück, auch sonst auf treue Spender zählen zu dürfen», sagt Burger. Und auf treue Besucher: Viele besichtigen jede Ausstellung im «Schiff». Der Nachholbedarf - oder besser: Nachsehbedarf dürfte denn auch gross sein: Aktuell haben erst rund 250 Besucher die Ausstellung gesehen ‒ nicht einmal ein Viertel so viele wie normalerweise.

Sauriermuseum ist bereit für den Neustart

Gross ist die Vorfreude auch beim Sauriermuseum in Frick, dass es bald weitergeht. «Wenn wir können, öffnen wir am 7. März zum ersten Mal wieder», sagt Andrea Oettl vom Sauriermuseum in Frick. Natürlich sei es nicht schön gewesen, das Museum geschlossen halten zu müssen. «Aber wir waren nicht untätig», fügt Oettl schmunzelnd an.

Andrea Oettl, Leiterin Sauriermuseum Frick.

Andrea Oettl, Leiterin Sauriermuseum Frick.

Thomas Wehrli / Aargauer Zeitung

Wie das Schutzkonzept nach dem Neustart aussehen wird, hängt vom Entscheid des Bundesrates ab. Kommt wieder die 10-m2-Regel, so dürfen 20 Personen das Sauriermuseum gleichzeitig besuchen. Oettl sagt:

«Wir haben das Glück, dass wir Ein- und Ausgang separieren können. Das nimmt viel Konfliktpotenzial weg.»

In den letzten zwei Monaten erreichten die Museumsleiterin auch immer wieder Anfragen von Schulklassen, ob sie das Museum nicht doch besichtigen könnten. Das Argument: Wir kommen mit einer Klasse, die auch sonst immer zusammen ist. Oettl musste die Anfragen ablehnen. Nun hofft sie, «dass uns Schulklassen ab März wieder besuchen dürfen». Denn gerade für Schüler ist ein Besuch bei den Ungetümen der Urzeit nicht nur lehrreich, sondern immer auch ein spezielles Faszinosum.

Rehmann-Museum bereitet sich auf neue Ausstellung vor

Speziell ist die Situation für das Rehmann-Museum in Laufenburg. Hier ging am Sonntag die aktuelle Ausstellung «Wunderkammer Souvenir - auf Reisen mit Carl Walter Liner» still zu Ende. Statt knapp fünf Monate konnten die Werke coronabedingt nur zweieinhalb Monate besichtigt werden.

Tyrone Richards (rechts), Kurator des Rehmann-Museums, im Gespräch mit Besuchern an der Vernissage zur Ausstellung, die am Sonntag still zu Ende ging.

Tyrone Richards (rechts), Kurator des Rehmann-Museums, im Gespräch mit Besuchern an der Vernissage zur Ausstellung, die am Sonntag still zu Ende ging.

Peter Schütz / Aargauer Zeitung

Natürlich habe man sich überlegt, ob man die Ausstellung verlängern wolle, sagt Geschäftsführerin Patrizia Solombrino. Aber zum einen gibt es in der aktuellen Coronasituation ohnehin kaum Planungssicherheit. Zum anderen wäre eine Verlängerung organisatorisch schwierig geworden: Die nächsten beiden Ausstellungen sind bereits in Vorbereitung.

«Deshalb haben wir entschieden, die Ausstellung wie geplant abzubauen.»

Der Entscheid fiel zudem schon vor drei Wochen - zu einer Zeit also, als in Sachen «Corona - wie weiter?» in der Schweiz noch weniger klar war, als es heute ist.

Als kleine Kompensation für all jene, welche die Ausstellung gerne besichtigt hätten, hat Kurator Tyrone Richards drei kurzes Podcasts realisiert, in denen er die Zuschauer mit auf Liners schöpferische Reisen nach Paris, Italien, Spanien, Griechenland und nach Nordafrika nimmt. Die Podcast hat das Museum auf der Website veröffentlicht.

Vorbereitungen für neue Ausstellung laufen

Derzeit laufen im Rehmann-Museum bereits die Vorarbeiten für die neue Ausstellung «Müssen wir da durch?». Gezeigt werden Werke des jungen Aargauer Künstlers Roman Sonderegger. Eröffnet wird die Ausstellung am 26. März. Eine klassische Vernissage mit vielen Gästen kann es coronabedingt nicht geben. Wie die Eröffnung gefeiert wird, steht laut Solombrino noch nicht fest. Eine Möglichkeit wäre eine Art Tag der offenen Türe, damit sich der Besucherstrom besser verteilt.

Noch nicht öffnen kann am 26. März aller Voraussicht nach Erwins Bistro im Rehmann-Museum; der Bundesrat will die Gastronomie erst in einem zweiten Schritt öffnen. Solombrino sagt:

«Wir sind froh, wenn das Bistro dann auch wieder öffnen kann, denn es ist Teil des Museums.»

Es generiere ein zusätzliches Publikum, das sonst fehle.

Das Bistro befindet sich künftig nicht mehr im ersten Stock, sondern im Parterre, direkt beim Eingang. Dies vereinfache die Arbeitsabläufe, erklärt Solombrino. Zudem könnten so auch Gäste, die das Museum nicht besichtigen wollen, einfacher bewirtet werden.

Fricktaler Museum hat ohnehin Saisonpause

Wenig tangiert hat der zweite Lockdown das Fricktaler Museum in Rheinfelden - es ist im Winter jeweils ohnehin geschlossen. Aus gutem Grund: «Das Museum ist nicht geheizt», sagt Kathrin Schöb Rohner, die das Museum operativ leitet.

Die Ausstellungen im Fricktaler Museum ‒ im Bild die Vernissage zur Ausstellung 2018 ‒ stossen immer auf grosses Interesse.

Die Ausstellungen im Fricktaler Museum ‒ im Bild die Vernissage zur Ausstellung 2018 ‒ stossen immer auf grosses Interesse.


Horatio Gollin / Aargauer Zeitung

Die neue Saison startet am 27. März. Gezeigt wird neben der Dauerausstellung wie geplant weiterhin die Sonderausstellung «Rheinfelden - Unter Strom! Vom Dreiland in die Welt». In diesem Sinne bleibt zu hoffen, dass die Museen ab März wirklich wieder unter Strom stehen.

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