Möhlin
Politschwergewicht Fredy Böni verlässt die politische Bühne: «Die 16 Jahre als Gemeindeammann vergingen wie im Flug»

Er hat im Dorf vieles bewegt. Das attestieren ihm auch seine politischen Gegner. Im Interview blickt Gemeindeammann Fredy Böni zurück auf die schönen, schwierigen und lustigen Momente – und sagt, warum er sich mehr Solidarität in der Gesellschaft wünscht.

Thomas Wehrli
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Fredy Böni ist seit 2006 Gemeindeammann von Möhlin. Von 1995 bis 2005 sass er zudem für die SVP im Grossen Rat.

Fredy Böni ist seit 2006 Gemeindeammann von Möhlin. Von 1995 bis 2005 sass er zudem für die SVP im Grossen Rat.

Bild: Roland Schmid

Mit Fredy Böni (65) verabschiedet sich Ende Jahr eines der ganz grossen Politschwergewichte von der politischen Bühne. Der SVP-Politiker steht Möhlin, der mit über 11'000 Einwohnerinnen und Einwohnern zweitgrössten Gemeinde im Fricktal, seit 2006 vor. Von 1995 bis 2015 sass er zudem im Grossen Rat. Böni hat viel für sein Dorf getan, hat vieles bewegt. Das attestieren ihm auch seine politischen Gegner.

Der Abschied: Abtretende Gemeinde- und Vizeammänner

Ende Jahr endet die vierjährige Amtszeit der Gemeinderätinnen und Gemeinderäte. Zahlreiche verdiente Exekutivmitglieder treten dann von der politischen Bühne ab. Sie haben in den letzten Jahren viel für ihr Dorf geleistet. Die AZ möchte sie mit einer Artikelserie würdigen. Bisher erschienen: Christian Fricker (Vizeammann Frick)Thomas Treyer (Gemeindeammann Herznach) und Meinrad Schraner (Vizeammann Laufenburg).

Als leidenschaftlicher Segler weiss er aber auch: Manchmal steht man im Gegenwind. Das war für ihn nie ein Problem – solange der Umgang fair blieb. Nicht immer war dies der Fall, einige Angriffe auf ihn waren unterirdisch und bisweilen landeten auch Morddrohungen in seinem Briefkasten. Böni hat festgestellt: «Das Klima ist in der Schweiz in den letzten Jahren rauer geworden. Man zielt heute viel öfter direkt auf die Person.» Keine gute Entwicklung.

«Meine» Einwohnerinnen und Einwohner

«Viele Einwohnerinnen und Einwohner finden unser Dorf cool und beteiligen sich privat oder über unsere weit über 100 Vereine aktiv am Dorfgeschehen.»

Meine erste Erinnerung an das Amt

«Ich habe sehr viele spannende und abwechslungsreiche Begegnungen und Projekte erlebt. Die 16 Jahre als Gemeindeammann vergingen dabei wie im Flug.»

Mein schönstes Erlebnis als Gemeindeammann

«Es sind zwei. Erstens die grosse 1.-August-Feier 2007 mit der Festrednerin Sonja Bata im Bata-Park anlässlich zur Feier des 80-jährigen Bestehens der Firma Bata in Möhlin. Zweitens: Zehn Jahre später, am 27. Juni 2017, erlebte ich einen Hühnerhautmoment bei der Unterzeichnung des Städtepartnerschaftsvertrages mit der Stadt Zlin, der Mutterstadt des Bata-Konzerns.»

Mein lustigstes Erlebnis als Gemeindeammann

«Es gab sehr viele lustige Momente. Meistens erlebte ich aber die lustigsten Momente an der Fasnacht mit zahlreichen Schnitzelbänken, die über mich geschrieben wurden.»

Mein schwierigster Moment als Gemeindeammann

«Die Auseinandersetzung und der Umgang rund um das Thema ‹Wachstum›.»

Meine grösste Herausforderung als Gemeindeammann

«Das war meine Aufgabe als Projektverantwortlicher und Gesamtleiter der sehr spannenden und anspruchsvollen Totalrevision der Bau- und Nutzungsordnung für unsere grosse Gemeinde in den Jahren 2009–2011.»

Mein grösster Erfolg als Gemeindeammann

«Das waren die aktiven Begleitungen vieler Zusammenschlüsse beispielsweise von der Gemeindepolizei zur Regionalpolizei, von den drei ZSO-Organisationen zum Bevölkerungsschutz ZSO/RFO, von der Spitex Möhlin zur Spitex Fricktal AG, von den Heizzentralen Möhlin zum Wärmeverbund Möhlin AG, von der Feuerwehr Möhlin zur Feuerwehr Möhlin-Zeiningen und vom Forstbetrieb Möhlin zum Forstbetrieb Region Möhlin.»

Meine grösste Niederlage als Gemeindeammann

«Die Testplanung beim Entwicklungsschwerpunkt Bahnhof Nord Möhlin konnte leider nicht durchgeführt werden. Damit wurde die Chance eines möglichen Standorts der Mittelschule Fricktal vergeben.»

Mein Eindruck vom (politischen) Fricktal

«Durch die langjährige, aktive Vorstandstätigkeit bei der Regionalplanung lernte ich alle Gemeinden im Fricktal sehr gut kennen. Auffallend dabei war, dass bei vielen Projekten das obere und untere Fricktal nicht gleich ticken. Wenn es aber um Anliegen des gesamten Fricktals ging, wie beispielsweise um die Ansiedlung bei der Mittelschule, dann hielten die Fricktaler zusammen.»

Mein Wunsch für die ­Gemeinde

«Mein Wunsch ist, dass sich unsere Einwohnerinnen und Einwohner weiterhin sehr wohlfühlen in meinem Dorf, dass sich meine Gemeinde weiterhin zukunftsorientiert entwickelt und dabei die Verantwortung als zehntgrösste Gemeinde unseres Kantons weiterhin wahrnimmt.»

Mein Wunsch für die Gesellschaft

«Mein Wunsch wäre, dass sich unsere Gesellschaft nicht noch weiter zur Ich-Gesellschaft entwickelt, sondern sich wieder verstärkt an unseren Grundwerten wie Solidarität und Rücksichtnahme orientiert!»

Mein Wunsch an meinen Nachfolger

«Ich wünsche ihm viel Glück und Erfolg in den zahlreichen kommenden Projekten. Weiter wünsche ich ihm das nötige Fein- und Fingerspitzengefühl im Umgang mit unseren 11'200 Einwohnerinnen und Einwohnern und dass er der Gemeinde weiterhin Sorge trägt.»

Mein Weihnachtswunsch

«Die Gesundheit ist unser höchstes Gut. Meistens merkt man es aber erst dann, wenn es uns oder unser Umfeld persönlich betrifft. Deshalb wünsche ich mir und uns allen gute Gesundheit und hoffe, dass wir diese schreckliche Pandemie bald einmal überstanden haben.»

Mein letzter Tag als Gemeindeammann

«Die Amtszeit endet formell bekanntlich am 31. Dezember, aber die Amtsübergabe findet bereits vor den Weihnachtstagen statt. An meinem letzten Tag werde ich mich persönlich von meinen Mitarbeitenden verabschieden.»

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