Möhlin
Die SVP verliert einen Sitz, die FDP fliegt ganz raus: Das wird im Gemeinderat jetzt anders

Mit den Wahlen vom Sonntag erhält der Möhliner Gemeinderat ein neues Gesicht. Drei der Amtsinhaber sind parteilos, einen Sitz verloren hat die SVP, gar nicht mehr vertreten ist die FDP. Dafür sitzt mit Markus Fäs neu ein SP-Mann auf dem Ammannsessel. Einen Kurswechsel befürchten die bürgerlichen Parteien jedoch nicht.

Nadine Böni
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Mit Markus Fäs sitzt dem Möhliner Gemeinderat neu ein SP-Mann als Ammann vor. Was wird sich dadurch ändern?

Mit Markus Fäs sitzt dem Möhliner Gemeinderat neu ein SP-Mann als Ammann vor. Was wird sich dadurch ändern?

Claudio Thoma (13. November 2018)

Mit Lukas Fässler sitzt noch ein SVP-Vertreter im Möhliner Gemeinderat. Den Sitz des abtretenden Ammanns Fredy Böni aber konnte die Partei nicht halten – und das nicht ganz unerwartet, wie Désirée Stutz, Präsidentin der Ortspartei, offenbart. «Wir wussten bereits im Vorfeld der Wahlen, dass es in der aktuellen Lage und mit der aktuellen politischen Stimmung sehr schwierig werden würde, den Sitz zu verteidigen», sagt sie. Das «unabhängig von der Person Stephan Müllers», der für die SVP kandidiert hatte.

Désriée Stutz, Präsidentin SVP-Ortspartei Möhlin.

Désriée Stutz, Präsidentin SVP-Ortspartei Möhlin.

Zvg / Aargauer Zeitung

«Natürlich bedauern wir den Verlust des Sitzes», so Stutz. Vor allem sei es schade, dass «nun niemand mehr im Gemeinderat sitzt, der sich im Aargauer Schulrecht gut auskennt.» Einen Kurswechsel im Gemeinderat erwartet Stutz hingegen nicht – obwohl mit Markus Fäs ein SP-Mann die Nachfolge von Fredy Böni als Ammann antritt. Stutz sagt:

«Es ist kein Geheimnis, dass die Parteilosen im Gemeinderat auch die bürgerlichen Grundwerte mittragen.»

Gemeint sind Thomas Freiermuth und die am Sonntag neu gewählten Hans Metzger und Loris Gerometta. Letztere haben eine Vergangenheit als SVP-Mitglieder. «Die Mitglieder des Gemeinderats betreiben sowieso nicht in erster Linie Parteipolitik. Sie arbeiten vor allem für das Wohl der Gemeinde», sagt Stutz. Sie erwartet aufgrund der «derzeitigen Sach- und Themenlage» zwar nicht, dass der neu zusammengesetzte Gemeinderat demnächst grosse neue Projekte anreisse. Aber:

«Die Neuen sind jetzt in der Pflicht und müssen sich beweisen – sowohl Gemeindeammann Markus Fäs als auch die beiden neuen Gemeinderäte.»

Während die SVP gefasst reagiert, überwiegt bei der FDP am Tag nach der Schlappe für ihren Kandidaten Karl Eiermann die Enttäuschung. Er wurde nicht nur nicht als Ammann gewählt, sondern verpasste auch die Wiederwahl in den Rat. «Wir nehmen das zur Kenntnis und akzeptieren das», sagt Ortsparteipräsident Martin Frana.

FDP agiert künftig aus der Opposition

Eiermanns Verdienste – Frana nennt etwa die Oberstufenerweiterung im Steinli als Beispiel – seien im Wahlkampf «vielleicht zu wenig wahrgenommen» worden. Ob es ein Schritt zu viel gewesen sei, Eiermann auch als Ammann zu portieren, mag Frana nicht beurteilen:

Martin Frana, Präsident der FDP-Ortspartei Möhlin.

Martin Frana, Präsident der FDP-Ortspartei Möhlin.

Nadine Böni / Fricktal
«Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt, um über die Strategie zu diskutieren.»

Ziel der Ammann-Kandidatur sei es gewesen, eine «echte bürgerliche Alternative» zu Markus Fäs zu bieten. «Das halte ich nach wie vor für legitim. Möhlin hat sich über Jahrzehnte mit einer bürgerlichen Führung gut entwickelt», so Frana. Nun gelte es für die FDP die Situation zu analysieren. Klar ist: Die Ortspartei ist ab der kommenden Amtsperiode nicht mehr im Gemeinderat vertreten, agiert künftig also aus der Opposition. Klar sei aber auch, dass «wir nach wie vor interessiert sind an einer positiven Entwicklung im Sinne und Geist der Bürgerinnen und Bürger», so Frana.

«Wir werden uns weiterhin engagieren und einbringen.»

Engagieren und einbringen – es sind Stichworte, die auch auf die SP Möhlin zutreffen. «Wir möchten neue Akzente setzen und eine neue Basis für die Dorfpolitik schaffen», sagt Werner Erni, Präsident der Ortspartei. Es sei nicht das Ziel, dass kein Stein auf dem anderen bleibe, aber:

Werner Erni, Präsident SP-Ortspartei Möhlin.

Werner Erni, Präsident SP-Ortspartei Möhlin.

Zvg / Aargauer Zeitung
«Die politische Stimmung im Dorf war zuletzt angespannt bis gehässig. Das möchten wir ändern.»

Erni ist hin- und hergerissen, was die neue Konstellation mit drei parteilosen Gemeinderäten und der FDP in der Opposition angeht. Er sieht darin einerseits einen Nachteil, weil «nicht alle wesentlichen Kräfte vertreten sind». Andererseits sei durchaus möglich, dass durch diese Wahlen und die neue Konstellation auch einige «festgefahrene Strukturen gelöst werden», so Erni. «Die Karten wurden nun sicher neu gemischt und jeder muss seine Aufgabe finden – das ist auch eine Chance.»

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