Möhlin
Die Gemeinde erschliesst das umstrittene Baugebiet Leigrube – will aber nur die Hälfte davon verkaufen

Über Jahre sorgte die Zukunft des Areals Leigrube in Möhlin für hitzige Diskussionen. Nachdem 2017 eine Auszonung abgelehnt worden war, geht es nun um die Erschliessung des Baugebiets. Über 4,6 Millionen Franken sind dafür an der kommenden Gemeindeversammlung traktandiert. Die Gemeinde will ihren Landanteil danach aber nicht sofort komplett verkaufen – dahinter steckt ein Trick.

Nadine Böni
Drucken
Teilen
Ab kommenden Sommer soll das Baugebiet Leigrube erschlossen werden.

Ab kommenden Sommer soll das Baugebiet Leigrube erschlossen werden.

Zvg / Aargauer Zeitung

Fredy Böni huscht ein breites Grinsen über das Gesicht. Das ist selbst mit Maske deutlich zu erkennen. Dem Möhliner Gemeindeammann gefällt der Ausdruck «Griff in die Zaubertrickkiste». Zauberer ist in diesem Fall sein Ratskollege und Vizeammann, der Möhliner Finanzminister Lukas Fässler. Und beim Trick geht es um das lange umstrittene Baugebiet Leigrube.

Doch der Reihe nach. Im November 2017 war klar, dass die Leigrube – zuvor jahrelang Zankapfel von Befürwortern und Gegnern einer Überbauung – endgültig in der W1-Zone verbleibt. Eine Auszonung wurde an der Gmeind damals abgelehnt, das Referendum nicht ergriffen.

Gemeinde und private Grundeigentümer tragen Kosten

Nun folgt der nächste Schritt: die Erschliessung. An der kommenden Gemeindeversammlung vom 24. Juni traktandiert der Gemeinderat dafür einen Bruttokredit in Höhe von 4,645 Millionen Franken. Wobei der Nettoanteil für die Gemeinde gut 2,8 Millionen Franken beträgt, aufgeteilt in den Grundeigentümerbeitrag (knapp 1,7 Millionen Franken) und die Rest-Investitionskosten für Strassenbau, Abwasserbeseitigung und Wasserversorgung (gut 1,1 Millionen Franken). Gut 1,8 Millionen Franken tragen die privaten Grundeigentümer.

Das erforderliche Baugesuch für die Erschliessungsanlagen liegt noch bis am 31. Mai öffentlich auf – und Fredy Böni sagt an der Medienkonferenz am Mittwochnachmittag:

«Stand jetzt sind noch keine Einwendungen eingegangen.»

Geplant ist eine Ringstrasse durch das Gebiet mit zwei Anschlusspunkten an die Pilatusstrasse und einem Anschlusspunkt an die Leigrubenstrasse. Der Anschlusspunkt zur Leigrubenstrasse sowie die Kreuzung Pilatus-/ Leigrubenstrasse sollen als Kreisel gestaltet werden.

Einnahmen in Millionenhöhe – und ein Trick

Diese Erschliessung ermöglicht laut Planungsbericht rund 50 Einzelparzellen. Die Gemeinde ist in Besitz einer – nach Abzug der anteilsmässigen Fläche für Strassen und Fusswege – 12'408 Quadratmeter grossen Parzelle. Das ergäbe rund 20 Parzellen, so Böni.

Womit wir beim eingangs erwähnten Griff in die Trickkiste wären. Die Gemeinde rechnet nämlich, auch aufgrund bekannter Landverkäufe, mit einem Verkaufspreis von mindestens 1200 Franken pro Quadratmeter. Dies entspricht einem Landwert von mindestens 14,9 Millionen Franken. Böni sagt:

«Bei einem Verkauf der gesamten Parzelle würde eine sehr grosse Geldsumme anfallen.»

Mit dieser könnten gestaffelt Darlehen zurückgezahlt werden, müssten aber – zumindest vorübergehend – auch Anlagemöglichkeiten gesucht werden. In Zeiten des Negativzinses keine rosigen Aussichten, wie Böni erklärt:

«Somit würden zwischenzeitlich jährliche Negativzinsen in Höhe von jeweils über 100'000 Franken anfallen.»

Kein Wunder, hat sich der Gemeinderat in den vergangenen Monaten vertieft mit dem Thema beschäftigt – und zauberte Lukas Fässler mit seiner Abteilung Finanzen schliesslich eine Lösung aus dem Hut: Nur die Hälfte der gemeindeeigenen Parzelle soll verkauft, die andere Hälfte im Baurecht abgegeben werden.

Bereits erste Anfragen für Bauparzellen

Der Verkauf würde so rund 7,7 Millionen Franken in die Kassen der Gemeinde spülen. Durch die Baurechtsvergabe könnten zudem jährliche Einnahmen in Höhe von rund 110'000 Franken generiert werden. Böni:

«Wir sind überzeugt, dass das aus heutiger Sicht und in Abwägung aller relevanten Aspekte die beste Variante für die Gemeinde ist.»

Das Bauland zumindest scheint gefragt: Obwohl die gemeindeeigenen Grundstücke noch nicht einmal ausgeschrieben wurden, sind bei der Gemeinde schon Anfragen dafür eingegangen. Fredy Böni stellte diesbezüglich in Aussicht, dass vor einer Vergabe Zuschlagskriterien definiert würden. Möglich wäre so etwa eine Beschränkung auf Personen mit einer direkten Verbindung zum Dorf.

Aktuelle Nachrichten