Möhlin
Bauer ärgert sich über Baustellenverkehr über Felder: «Gleichzeitig darf ein Landwirt kaum mehr irgendwo einen Pfahl einschlagen»

Das Gebiet Leigrube in Möhlin soll in den kommenden Jahren bebaut werden. Der Baustellenverkehr soll dabei nicht durchs Dorf, sondern über die Leigrubenstrasse zu- und abgeleitet werden. Der Kanton hat dazu bereits die Einwilligung erteilt. An der Gemeindeversammlung in Möhlin sorgte der temporäre Ausbau der Strasse aber für Diskussionen.

Nadine Böni
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Die Umgestaltung der Einmündung von der Landstrasse in die Leigrubenstrasse sowie der temporäre Ausbau Letzterer sorgten an der Gmeind für Diskussionen.

Die Umgestaltung der Einmündung von der Landstrasse in die Leigrubenstrasse sowie der temporäre Ausbau Letzterer sorgten an der Gmeind für Diskussionen.

Nadine Böni (25. Mai 2022)

Ganz nach Plan lief diese erste Gemeindeversammlung als Möhliner Ammann für Markus Fäs nicht. Er wolle sich zurückhalten und «seinen» Gemeinderäten die Präsentation ihrer Geschäfte sowie die Leitung der allfälligen Diskussionen dazu überlassen, hatte er im Vorfeld angekündigt. Anders also als Vorgänger Fredy Böni, der die Gemeindeversammlungen gerne nutzte, um auch seine Sicht der Dinge zu den Traktanden zu erklären.

Nur eben: Ganz nach Plan lief das bei Fäs nicht – allerdings unfreiwillig und notgedrungen. Denn Gemeinderat Loris Gerometta hatte sich kurzfristig krankheitsbedingt entschuldigen lassen. Und so war es dann doch an Fäs, dessen Traktandum zu präsentieren. Wobei er dies souverän und ruhig erledigte.

Kreuzung soll sicherer werden

Das Thema: Der Abzweiger von der Landstrasse zum Gebiet Leigrube, das in den kommenden Jahren bebaut werden soll. Von Seiten der Anwohnerinnen und Anwohner angrenzender Quartiere waren in den vergangenen Wochen und Monaten Befürchtungen zum Baustellenverkehr und der Verkehrssicherheit an den Gemeinderat herangetragen worden.

Markus Fäs, Gemeindeammann Möhlin.

Markus Fäs, Gemeindeammann Möhlin.

Zvg / Aargauer Zeitung

Abklärungen durch ein Fachbüro hätten zudem ergeben, dass der Baustellenverkehr gescheiter über die Leigrubenstrasse in die Landstrasse geleitet wird, so Fäs. Dazu soll die Strasse temporär mit Ausweichbuchten versehen und die Einmündung in die Landstrasse – heute sehr spitzwinklig – neu gestaltet werden. Fäs:

«Die Einmündung ist seit Jahrzehnten ein heikler Punkt. Immer wieder kommt es zu Unfällen oder gefährlichen Situationen. Primäres Ziel ist deshalb, die Sicherheit zu erhöhen.»

Beantragt wurde an der Gmeind ein Kredit in Höhe von 305’000 Franken, wobei die Kosten für die Ausweichbuchten zu Lasten der Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer im Gebiet Leigrube gehen.

Landwirt ärgert sich über Strassenausbau

Die verantwortlichen Stellen beim Kanton haben zu beiden Massnahmen bereits ihre Einwilligung erteilt. Zu einer Einwendung gegen die Umgestaltung des Abzweigers habe ausserdem in einer Verhandlung eine grundsätzliche Einigung erzielt werden können, so Fäs.

Der Gemeindeammann hatte das Traktandum im Vorfeld der Versammlung als mögliches Pièce de Résistance identifiziert. Und tatsächlich: Die Pläne sorgten unter den Anwesenden für Diskussionen. Ein Landwirt etwa machte seinem Unmut Luft:

«Hier wird ein Baugebiet über landwirtschaftlich genutztes Land erschlossen. Gleichzeitig darf ein Bauer kaum mehr einen Pfahl irgendwo auf einem Feld einschlagen.»

Fäs betonte daraufhin, dass es sich bei den Ausweichbuchten um eine temporäre Massnahme handle und der Kanton sich die Entscheidung «bestimmt nicht leicht gemacht» habe. «Letztlich war es eine Güterabwägung, die zu Gunsten dieser Lösung ausgefallen ist», so Fäs.

Der Landwirt empfahl den Kreditantrag trotzdem zur Ablehnung. Die GLP wiederum stellte einen Rückweisungsantrag, weil laut Co-Präsident Remo Camenisch «noch zu viele Fragen offen sind». Dieser blieb allerdings chancenlos. Letztlich wurde der Kreditantrag von den 135 anwesenden Stimmberechtigten mit grossem Mehr gegenüber 17 Nein-Stimmen gutgeheissen.

Der Ammann ist zufrieden mit der ersten Gmeind

Auch der beabsichtigte Austritt aus dem Teilbereich Logopädie des Gemeindeverbands Soziale Dienste sorgte für Diskussionen – wurde letztlich aber mit grossem Mehr gegenüber wenigen Nein-Stimmen genehmigt.

Diskussionslos gingen hingegen die beiden Kreditabrechnungen sowie die Rechnung 2021 durch. Letztere schliesst mit einem Ertragsüberschuss von vier Millionen Franken. «Ein erfreuliches Ergebnis», wie Vizeammann Lukas Fässler sagte.

Ganz ähnlich tönte es wenig später auch bei Markus Fäs, nachdem er die Versammlung nach etwas mehr als eineinhalb Stunden geschlossen hatte: «Ich habe mich auf die erste Gmeind als Ammann gefreut, hatte aber auch etwas Respekt. Nun bin ich froh, ist alles gut gegangen und dankbar für das Wohlwollen, das ich gespürt habe.»