Mittelschule
Die meisten Mittelschüler im Fricktal wohnen in und um Rheinfelden – gibt das den Ausschlag bei der Standortwahl?

Der Kampf um den Standort der Mittelschule Fricktal ist lanciert. Rheinfelden steigt mit dem «Engerfeld» ins Rennen – und punktet damit, dass rund 40 Prozent der Schüler aus dem Städtchen oder au den umliegenden Gemeinden kommen.

Thomas Wehrli
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Rheinfelden geht mit einem Areal neben dem bestehenden Schulzentrum im Engerfeld ins Rennen.

Rheinfelden geht mit einem Areal neben dem bestehenden Schulzentrum im Engerfeld ins Rennen.

Gerry Thönen / Aargauer Zeitung

Die Mittelschule kommt ins Fricktal – die Frage ist nur: Wohin? Der Regierungsrat hat letzte Woche die Anhörung gestartet (AZ vom Samstag). Drei Standorte stehen zur Wahl: Frick, Stein und Rheinfelden. Die AZ zeigt in einer dreiteiligen Serie Vor- und Nachteile der drei Standorte. Heute: Rheinfelden.

Eigentlich wollten Möhlin und Rheinfelden ja gemeinsam mit einem Areal beim Bahnhof Möhlin ins Rennen um die Mittelschule steigen. Doch die Möhliner lehnten eine Testplanung für das Gebiet beim Bahnhof im November an der Urne ab. Der Stadtrat von Rheinfelden ging über die Bücher – und switchte auf das Areal beim Autobahnzubringer um.

Strasse trennt Areal in zwei Teile

Der Autobahnzubringer ist auch eine der Schwachstellen des Standortes, denn er schneidet das Areal in zwei Teile. Sie müssen mit einer Unter- oder Überquerung miteinander verbunden werden. Dies ist laut Kanton machbar, schlägt sich aber in den Bau- und Betriebskosten nieder; die Zweiteilung stellt zudem bezüglich Schulbetrieb eine Herausforderung dar.

Die nahe Autobahn A3 sorgt zudem für Lärmimmissionen. Dass diese meisterbar sind, zeigen das Berufsbildungszentrum Fricktal und die Kreisschule unteres Fricktal, die bereits auf dem Areal heimisch sind.

Die Nähe bietet die Möglichkeit einer Kooperation, besonders im Sportbereich: Im Engerfeld fahren diese Woche die Baumaschinen auf; die Stadt baut für gut 16 Millionen Franken eine Dreifachturnhalle inklusive Tiefgarage.

Das grösste Plus von Rheinfelden sind die Schülerströme. Rund 40 Prozent der Mittelschüler wohnen in Rheinfelden und den umliegenden Gemeinden; sie können damit zu Fuss, mit dem Velo oder dem Bus zur Schule gehen. Das entlastet insbesondere die stark frequentierte SBB-Achse Brugg–Basel.

Im Schnitt sind die Schüler in 16 Minuten beim Areal

Doch auch wer mit dem Zug anreist, ist innerhalb von zwölf Minuten zu Fuss beim Areal. Die durchschnittliche Reisezeit der rund 800 Schüler, welche die Mittelschule besuchen werden, hat der Kanton auf 16 Minuten berechnet – gleich lang wie nach Stein und drei Minuten kürzer als nach Frick.

Mit Blick auf den – aus Schüleroptik nicht unwichtigen – «wo bekomme ich was»-Faktor schneidet Rheinfelden am besten ab; es bietet im Stadtzentrum die grösste Dichte an Einkaufs- und Verpflegungsangeboten. Auch bietet die Stadt zahlreiche Möglichkeiten zur Zusammenarbeit mit lokalen Institutionen, etwa aus dem kulturellen oder dem wirtschaftlichen Bereich. Hier stehen allerdings die beiden anderen Bewerber nicht zurück: In Stein bietet sich eine Kooperation mit den Firmen aus dem Life-Sciences-Bereich an, in Frick mit dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau.

Das Land in Rheinfelden liegt zwar in der Bauzone, wird aber bislang landwirtschaftlich genutzt. Mit Blick auf den haushälterischen Umgang mit dem Boden schneidet Frick besser ab; das Areal ist bereits bebaut.

Rheinfelden liegt punktemässig knapp vor Stein

Bei der Risikoabwägung schneiden alle drei Standorte etwa gleich ab. Im Fall von Rheinfelden besteht ein «gewisses Risiko, dass die Gemeindeversammlung dem Land nicht zustimmt», heisst es im Anhörungsbericht. Deshalb gelte es, analog zu Stein, möglichst früh einen entsprechenden Beschluss vom Souverän zu holen.

In der Gesamtbeurteilung, die der Kanton vorgenommen hat, holt Rheinfelden 47 Punkte – und setzt sich damit an die Spitze des Trios. Stein folgt mit 46 Punkten, Frick mit 40 Punkten.

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