Mittelschule
Die EVP spricht sich für den Kanti-Standort Stein aus – und sieht in Rheinfelden und Frick Nachteile

Bis 2029 erhält das Fricktal eine eigene Mittelschule. Derzeit läuft die Vernehmlassung zu den drei möglichen Standorten Frick, Rheinfelden und Stein. Nun spricht sich erstmals eine Partei für Stein aus: Die EVP sieht vor allem die zentrale Lage und gute Erreichbarkeit des Standorts als Vorteil – allerdings unter einer Prämisse.

Thomas Wehrli
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Vorgeschlagen als Mittelschul-Standort ist in Stein das Gebiet Neumatt Ost.

Vorgeschlagen als Mittelschul-Standort ist in Stein das Gebiet Neumatt Ost.

zvg / Aargauer Zeitung

Der Spruch des legendären TV-Moderators Robert Lembke passt, leicht modifiziert, bestens zur Politfrage des Jahres im Fricktal: Welchen Standort hättens denn gern?

Das Fricktal erhält bis 2029 eine eigene Mittelschule und der Kanton hat die Parteien und Verbände unlängst gefragt, welchen der drei Standorte – Frick, Stein oder Rheinfelden – sie präferieren. Noch bis am 26. Juni haben diese Zeit, ihre Sicht der Dinge nach Aarau zu melden.

Je eine Stimme für Frick und Rheinfelden

Inzwischen trudeln die ersten Rückmeldungen ein. Den Bergpreis für die schnellste Antwort holte sich die SP Bezirk Laufenburg. Die Tinte von Bildungsdirektor Alex Hürzeler unter dem Begleitschreiben zur Anhörung war kaum trocken, als Parteipräsident Rolf Schmid die Stellungnahme bereits verschickte. Die Bezirkspartei spricht sich, das überrascht nun wenig, «mit Vorbehalt» für den Standort Frick aus – den einzigen im oberen Fricktal.

Einige Wochen strichen ins Land, bis die zweite Stellungnahme folgte: von der GLP Fricktal. Die Grünliberalen möchten die Schulglocke im Engerfeld in Rheinfelden läuten hören.

Zentrale Lage spricht für Stein

Da dürfte es manch einem Steiner in den Ohren geläutet und er sich gefragt haben: Und wer ist für unsere Gemeinde? Das Läuten hat die EVP erhört, die sich als erste Kantonalpartei öffentlich äussert und sich für den Standort Stein ausspricht. Das Gewicht im Grossen Rat, der letztendlich über die Mittelschule entscheiden wird, ist allerdings nicht allzu hoch: Die EVP ist mit sechs Mitgliedern die kleinste Fraktion im 140-köpfigen Grossen Rat.

Für Stein spricht aus Sicht der EVP die zentrale Lage im Fricktal, welche die Kanti am ehesten zu einer Mittelschule für das ganze Fricktal mache. Die Partei lobt die Erreichbarkeit – allerdings unter der Prämisse, dass das Areal noch mit Bussen besser erschlossen wird. Zudem bietet Stein aus Sicht der EVP die besten Ausbau- und Kooperationsmöglichkeiten mit Unternehmen.

Synergiepotenzial mit Sportanlagen und Firmen

Positiv fällt für die EVP auch ins Gewicht, dass ein grosses Potenzial für Synergien mit der Leichtathletikanlage und dem Sportcenter Bustelbach, die gleich nebenan liegen, besteht. Und: Der Standort Stein ist bereits im Schulgesetz eingetragen, was eine Mittelschule hier einfacher planbar mache. Dies ist deshalb nicht ganz unwichtig, weil die Zeit drängt, denn die beiden Basel nehmen ab Mitte der 2020er-Jahre aus Eigenbedarf sukzessive weniger Fricktaler auf. Heute pendelt jedoch der Grossteil der Fricktaler Mittelschüler gegen Westen.

Und was ist mit Frick und Rheinfelden? Die beiden Standorte hält die EVP zwar auch «für potenziell geeignet», wie die Partei in einer Mitteilung schreibt. Das ruft nach einem Aber, das auch postwendend folgt.

Gegen Frick sprechen für die EVP die engen Platzverhältnisse, die «unter Umständen zu einer Teilung des Pausenraums von Oberstufenzentrum und Kanti führen könnten». Dies birgt aus Sicht der EVP ein erhöhtes Konfliktpotenzial und bietet wenig Raum für einen späteren Ausbau. Auch die Nähe zur Bahnlinie und den damit verbundenen Lärmimmissionen sieht die EVP kritisch:

«Da in Frick ein Unternehmen umgesiedelt werden muss, könnten nebst höheren Kosten zudem Verzögerungen entstehen, welche aufgrund der Dringlichkeit des Geschäfts unerwünscht wären.»

Eine andere Bahn, die Autobahn, sorgt dagegen in Rheinfelden für Lärm- und Luftemissionen, was die EVP ebenfalls nicht optimal findet. Den grössten Nachteil gegenüber Stein sieht die Partei aber im eingeschränkten Entwicklungspotenzial aufgrund des durch eine Strasse geteilten Areals. «Dieser Umstand verschärft sich umso mehr, als dass die Beanspruchung des Areals durch die Kantonsschule die bereits am Standort bestehenden Schulen in ihrem Entwicklungspotenzial beeinträchtigen könnte», befürchtet die EVP.

Damit steht es im Standortspiel derzeit, mit Blick auf die gestern begonnene Fussball-EM, 1:1:1. Fortsetzung folgt.

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