Vier Betagte, die mehrmals in der Woche ihren Tag hier verbringen, sind damit beschäftigt, Salzteig in Formen zu drücken. Zufrieden essen sie nebenbei selbst gebackenen Kuchen, lachen und scherzen mit Astrid Schreiber, der Tagesstätte-Leiterin. Sie ist seit fünf Jahren aktiv im Haus.

Astrid Schreiber redet mal laut, mal leise, dann mit vielen Gesten. Sie weiss genau, wie sie mit den jeweiligen Personen umgehen muss. Sie hat, wie alle hier, ein Namensschild an ihrer Bluse befestigt – eine rücksichtsvolle Massnahme mehr für die oft an Demenz leidenden älteren Menschen.

Drei weitere Freiwillige vom Schweizerischen Roten Kreuz (SRK) Aargau tauschen sich angeregt mit Angehörigen aus, wischen den verschütteten Sirup auf oder hören einfach nur der Frau zu, die lebhaft, aber in sich zusammengesunken von früheren Tagen erzählt. Es ist offensichtlich, dass diese Frau vergessen hat, wie alt sie ist; sie lebt in einer anderen Welt, aber das stört hier niemanden.

Wie eine Familie

Das Motto lautet: «Ist doch alles kein Problem!», sagt die Frau eines Tagesstätte-Besuchers. Das schätzen viele Angehörige. Die Atmosphäre im Haus ist familiär, es werden Beziehungen aufgebaut, Austausch steht an erster Stelle. Man merkt schnell: Hier geht es nicht um medizinische Versorgung, es geht um Wohlbefinden.

Der Morgen in der Tagesstätte wird um 9 Uhr bei Kaffee und Brot eingeläutet. Auf dem Tisch wird das Tagesthema verkündet. Momentan stehen Salzkristalle und verzierte Salzteig-Figuren neben Kaffeekanne und Kuchentellern. Das Programm am Morgen fördert, regt an und macht auch müde.

Eine Woche im Monat wird gemeinsam zu Mittag gekocht, an den restlichen Tagen liefert das Alterszentrum Bruggbach Frick das Essen. Die Mittagspause dauert bis 14 Uhr oder länger.
Auch jetzt liegt noch eine Frau auf einem der Sofas und schläft tief und fest.

Klein, aber fein

Am Nachmittag werden Spaziergänge gemacht, es wird gesungen, gebastelt. Jass-Runden gehören zum Wochenprogramm. An schönen Tagen ist der grosszügige Garten ein beliebter Rückzugsort. Mit Liegestühlen, Gemüsebeet und Bäumen liegt der lauschige Ort hinter dem Haus.

Ein Zaun grenzt das Grundstück von den Nachbarshäusern ab, hilft aber auch, die Besucher nicht aus den Augen zu verlieren. Viel Freiheit mit der nötigen Sicherheit.

Das Grüne geniessen: Der grosszügige Garten der Tagesstätte Frick lädt zum Spazieren und Verweilen ein. zvg

Das Grüne geniessen: Der grosszügige Garten der Tagesstätte Frick lädt zum Spazieren und Verweilen ein. zvg

Kurz vor 16 Uhr wird ein letzter schlafender Besucher sanft geweckt, aus dem dunklen Ruheraum geführt, um dann nach Hause gefahren zu werden. Auch die Fahrer sind Freiwillige, die zusammen mit Spenden dieses umfangreiche Angebot möglich machen.

Das Haus gehört der Benz’schen Stiftung Frick, die mit dem SRK Aargau zusammenarbeitet, und das Erdgeschoss ist, rollstuhlgängig und frei von Hindernissen, ideal für die Tagesstätte. Klein, aber fein sorgt auch hier für Wohlgefühl.

Heldentaten

Für die vier Betreuerinnen ist der Tag um 16 Uhr noch nicht vorbei; jetzt wird geputzt und vorbereitet. 24 Freiwillige gehen im Haus ein und aus. Jeweils drei Betreuer verschönern täglich den Tag von vielen älteren Menschen. Sie sind Ansprechpersonen für Besucher und Familie, entlasten Angehörige die ein paar Tage in der Woche die Pflege abgeben möchten.

Dieses Entlasten steht genauso im Vordergrund wie das absolute Wohlbefinden der Besucher. Vier bis acht Besucher empfangen die Freiwilligen täglich, sie kommen sogar von Lenzburg oder Buchs bei Aarau. «Es gibt in der Umgebung wenige Angebote, die diesem ähneln», sagen Familien, deren betagte Verwandte bereits in anderen Tagesstätten zu Besuch waren.

Richtige Heldentaten vollbringen die Betreuer in den Augen der Angehörigen. Dem freudigen Lachen und vergnügten Plaudern der Besucher nach, sehen diese das auch so.

«Freie Plätze hat die Stätte noch zu vergeben und auch über weitere Freiwillige freut sich jede gemeinnützige Organisation», sagt Astrid Schreiber und verabschiedet damit die Angehörigen und Interessierten, die an diesem Tag der offenen Tür ein paar Stunden mit den Menschen dieses speziellen Hauses geteilt haben.