Laufenburg
Lieder transportieren den Zeitgeist besser

Der Museumsverein Laufenburg wird nicht müde, die Eidgenossen-Ausstellung mit besonderen Anlässen populärer zu machen. So auch wieder am Samstagnachmittag.

Hans Christof Wagner
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Auch auf der Langhalslaute begleitete sich Kroell bei seinem Gesang.

Auch auf der Langhalslaute begleitete sich Kroell bei seinem Gesang.

Hans Christof Wagner

Die Waldstädte 1415 – bäuerliches und städtisches Leben in kriegerischen Zeiten: So heisst die aktuelle Sonderausstellung im Museum Schiff. Sie zeigt, wie vor 600 Jahren grosse Teile das Aargaus unter eidgenössische Herrschaft kamen.

Aber wie das bei Ausstellungen so ist: Die Besucherzahlen gehen nach oben, wenn mit der Schau ein besonderer Anlass verbunden ist. Das war auch am Samstagnachmittag der Fall: Nicht nur Vereinspräsident Hannes Burger und David Wälchli von der Kantonsarchäologie erläuterten die Exponate. Es gab auch Live-Musik zu hören, die den Zeitgeist von vor 600 Jahren noch eingängiger machte.

Minnesänger «Heinrich Roland«

Dargeboten wurde sie von Roland Kroell, Minnesänger und Buchautor aus Laufenburg (Baden). Geheimnisvoll stellte er sich der Gruppe am Samstag als Heinrich Roland von Louffenburg vor – Komponist, Dichter, Musiker und Theologe. Dieser soll 1390 in Laufenburg geboren und 1460 gestorben sein. Grund genug für Kroell ihn als Barden jener turbulenten Zeit zu inszenieren, die vor 600 Jahren auch die Region Fricktal/Hochrhein durcheinanderwirbelte. In jedem Raum der Ausstellung gab Kroell ein dazu passendes Lied zum Besten.

Von Kroell kennt man aufrührerische Lieder aus den Zeiten der Salpeterer-Unruhen im 18. Jahrhundert und aus der Revolution von 1848/49. Aber auch das Spätmittelalter kannte schon kritische und ironische Protestsongs, wie die Zuhörer am Samstag mitnehmen konnten.

So transportierte der «keltische Barde» akustisch das, was auch die Ausstellungsmacher im Museum Schiff antreibt: Das harte und entbehrungsreiche Leben des 15. Jahrhunderts aus der Sicht des kleinen Mannes darzustellen, der in keiner hochoffiziellen Chronik eine Rolle spielt. Und ob die Instrumente Hexenscheit oder Langhalslaute hiessen – der Sound und die Stimme Kroells zeigten auf, das auch schon die Menschen des Spätmittelalters ihre Popmusik hatten.

Schwarzwald ohne Bäume

Kroells ganz eigener Blick auf die Geschichte führte die Zeit der eidgenössischen Expansion plastisch vor Augen. Es war die Zeit, als der Südschwarzwald praktisch entwaldet dastand, da der Hunger nach Holzkohle den Kahlschlag beflügelte.

Und Laufenburg war die «Eisenstadt» (Wälchli), die von den Eidgenossen auch belagert wurde, weil es ihr zur damaligen Zeit wirtschaftlich so gut ging. Auch zu diesem Aspekt der regionalen Wirtschafts- und Sozialgeschichte hatte Kroell ein passendes Lied dabei.

Der Barde sang auch noch im zweiten Obergeschoss des Museums Schiff weiter, wohin Hannes Burger die Besucher mitnahm. Dort sind die dauerhaft gezeigten Exponate zu sehen – grossformatige Ölbilder, zeitgenössische Waffen, das neu gestaltete Trachtenzimmer und die Attraktion, die erst wenige Wochen im Besitz der Einrichtung ist: der Laufenburger Ratsherren-Becher aus dem 17. Jahrhundert.

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