Laufenburg
Er raste mit fast 160 km/h über den Benken – seinen Töff darf er aber trotzdem behalten

Mit 159 statt der erlaubten 80 km/h wurde ein 52-Jähriger auf der Benkenstrasse auf Höhe von Oberhof erwischt. Vor Gericht zeigte er sich nun reumütig und einsichtig. Mit Erfolg: Das Gericht reduzierte die beantragte Strafe – und: Der Mann darf seinen Töff auch künftig wieder fahren. Sobald er seinen Ausweis zurückhat.

Hans Christof Wagner
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Mit Tempo 159 war ein Töfffahrer auf der Benkenstrasse unterwegs. Dafür stand er jetzt vor Gericht.

Mit Tempo 159 war ein Töfffahrer auf der Benkenstrasse unterwegs. Dafür stand er jetzt vor Gericht.

Symbolbild: Jeffrey Sitthi/Moment RF

Schon gleich zu Beginn der Verhandlung am Bezirksgericht Laufenburg räumte es der Beschuldigte gegenüber Gerichtspräsident Beat Ackle unumwunden ein: «Ja, ich war zu schnell. Ich will das nicht abstreiten. Es tut mir sehr leid.»

Das «zu schnell» hiess 159 Kilometer pro Stunde statt der erlaubten 80. Abzüglich der Toleranz war der Mann damit 74 Kilometer pro Stunde zu schnell. Er war im März 2021 mit seinem 165-PS-Töff auf Höhe von Oberhof ausserorts auf der Benkenstrasse unterwegs.

Vor ihm fuhr wohl ein in seinen Augen zu langsames Auto. Das überholte der Töfffahrer und dabei massen die Polizisten Tempo 159. Der Beschuldigte versicherte vor Gericht, nicht realisiert zu haben, dass so viel auf dem Tacho stand. Er sagte:

«Ich dachte, es waren nur 100 km/h, höchstens 110 km/h.»

Ackle hielt ihm seinen eher schlechten «automobilistischen Leumund» entgegen: Immer wieder war dem Beschuldigten der Führerausweis entzogen worden. Der aber beteuerte, nie unter dem Einfluss von Drogen oder Alkohol ein Fahrzeug gelenkt zu haben. Die Massnahme, die Führerausweise zu entziehen, sei nur vorsorglich erfolgt – um ihn daran zu hindern, unter Drogen zu fahren.

Und eine Drogenbiografie hat der Beschuldigte. Er gab an, insgesamt rund 20 Jahre und «in Wellen» auch Heroin konsumiert zu haben. Schicksalsschläge hätten ihn in die Sucht getrieben: Eltern getrennt, Job verloren, gescheiterte Fussballkarriere – «ich hätte Chancen auf die Nationalliga B gehabt» – und der Bruder gestorben: Innerhalb von ein bis zwei Jahren sei sein ganzes Leben zusammengebrochen. Unter dem Einfluss des Heroins habe er sich leicht gefühlt und keine Schmerzen verspürt, sagte er aus.

Auf den Drogenentzug folgten Rückfälle

Immer wieder erfolgreicher Drogenentzug, aber auch Rückfälle: «Ich habe einfach nicht mehr zurück ins Leben gefunden. Ich fühlte mich unwohl und unter Druck.» Aber jetzt sei und bleibe er «sauber», weil er sich zum ersten Mal in seinem Leben integriert und gut fühle.

Aber eben: Die Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg wollte ihn für seine Raserei wegen besonders krasser Missachtung der Verkehrsregeln zu einer Freiheitsstrafe von 21 Monaten bedingt auf drei Jahre und zu einer Busse von 3500 Franken verurteilen. Sein Töff hätte ihm entzogen und verwertet werden sollen. Der Staatsanwalt sagte in der Verhandlung direkt zum Beschuldigten:

«Ihr Verhalten zeugt schon von einer gewissen Skrupellosigkeit. Sie hätten dadurch Unbeteiligte schwer oder gar tödlich verletzen können. Das haben Sie in Kauf genommen.»

Die Verteidigung stritt die Schuld des Mannes nicht ab, beantragte aber eine auf ein Jahr reduzierte Freiheitsstrafe bedingt auf zwei Jahre. Auf die Busse und den Einzug des Töffs solle verzichtet werden. Auch sollte die Anklagegebühr von 1950 auf 800 Franken abgesenkt werden.

Verteidigung sah keine Gefährdung

Der Mann habe einen Tempoverstoss begangen, doch sei der auf übersichtlicher und gerader Strecke und kontrolliert erfolgt. Zu keiner Zeit habe dabei eine Gefährdung bestanden, so der Anwalt. Der sagte:

«Mein Mandant hat keine Strafe von 21 Monaten verdient.»

Dazu verurteilte ihn das Bezirksgericht Laufenburg auch nicht: Es reduzierte die Strafe auf 15 Monate, beliess es aber bei der dreijährigen Probezeit. Die 3500 Franken Busse muss der Mann nicht bezahlen. Ackle sah ihn mit der Begleichung der Anklagegebühr von 1950 Franken, die bestehen blieb, «schon genug gestraft».

Seinen Töff kann er ausserdem behalten und, sofern wieder im Besitz eines gültigen Führerausweises, auch wieder fahren. In Zukunft werde er «jetzt viermal auf den Tacho schauen», ob dieser mehr als das erlaubte Tempo anzeigt, versprach der Mann.