Kunst
Aufsehenerregende Installationen im Laufenburger Rehmann Museum

Der Künstler Roman Sonderegger spielt in seiner aktuellen Ausstellung mit der Geschichte und den Gegebenheiten der Stadt. Seine Schau macht das Museum zu einem Ort der spielenden Wahrnehmungen.

Peter Schütz
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Roman Sonderegger (rechts) stellt im Rehmann Museum in Laufenburg aus. Das freut Patrizia Solombrino und Tyrone Richards (von links)

Roman Sonderegger (rechts) stellt im Rehmann Museum in Laufenburg aus. Das freut Patrizia Solombrino und Tyrone Richards (von links)

Peter Schütz

Das Rehmann Museum in Laufenburg wird zu einem speziellen Fall – dies in Anlehnung an die Werkgruppe «Gelöste Fälle» von Roman Sonderegger, der seine Kunst ab Freitag, 26. März, auf zwei Stockwerken zeigt. Die Eröffnung der Ausstellung wird ohne Ansprachen, ohne musikalische und kulinarische Begleitung, sondern als Tag der offenen Tür von 11 bis 20 Uhr stattfinden. Sonderegger selbst wird zwischen 18 und 20 Uhr anwesend sein. Das Rehmann Museum kennt er schon länger. Sein Interesse hat Kurator Tyrone Richards, mit dem er die Hochschule Luzern ‒ Design und Kunst besucht hat, geweckt. Richards sagte während einer Medieninformation zusammen mit Museums-Geschäftsführerin Patrizia Solombrino und dem Künstler:

«Mir war klar, dass ich diese Position im Rehmann Museum zeigen möchte.»

Erwin Rehmanns Werk ist Sonderegger also nicht fremd, nur sind die Vorgehensweisen der beiden Künstler unterschiedlich. Während Rehmann (1921 bis 2020) Werke für die Ewigkeit geschaffen hat, lösen sich Sondereggers Installationen nach Ende der Schau wieder in ihre Einzelteile auf. Einzelteile, die eher im Baumarkt als im Geschäft für Künstlerartikel zu finden sind: Schrauben, Schalltafeln, Holzlatten, Spanngurte, Backsteine, Seile, Kanthölzer, Dachlatten. Die Latten hat er für die Installation «Müssen wir da durch?» verwendet, welche der Ausstellung den Titel gibt. Die Latten hat er zu einem begehbaren Tunnel angeordnet, an dessen Ende die Besucher nicht in die Röhre, sondern auf das Werk «14. Mai 1914» blicken.

Roman Sonderegger stellt im Rehmann Museum in Laufenburg aus.

Roman Sonderegger stellt im Rehmann Museum in Laufenburg aus.

Peter Schütz

Aktuelle Bezüge zur Coronapandemie

Die Bewegung des Tunnels vergleicht Sonderegger mit derjenigen des Rheins, als dieser sich noch durch die Stromschnelle unterhalb der Laufenbrücke zwängte und danach wieder weitete. In der Nähe des Rehmann Museums befindet sich das am 14. Mai 1914 in Betrieb genommene Kraftwerk, an dem der Rhein gebremst wird. Sonderegger hat diesen Aspekt der örtlichen Geschichte und Gegebenheiten auf seine eigene Art in zwei zwar formal minimalistische, aber aufsehenerregende Installationen transformiert – möglicherweise sogar in die heutige Zeit, denn wer «da durch muss», denkt unweigerlich an die Coronapandemie.

Im Dialog mit Werken von Erwin Rehmann

Sonderegger, Jahrgang 1979, ist im Rehmann Museum wie an vielen Stationen davor vorgegangen. «Die meisten Arbeiten von mir gibt es nicht vor der Ausstellung», erklärte er. Gelegentlich fertigt er Entwürfe, Modelle an, «aber ob sie dann vor Ort funktionieren, weiss ich nicht». Das ist «das Risiko, das mich reizt», sagte er. Das Risiko beginnt schon im konisch nach hinten verlaufenden Gussraum, wo er genormte Schalltafeln an die Seitenwände gestellt hat. Einen Raum weiter hat er «Gelöste Fälle», bestehend aus mit Gurten zusammengehaltenen Holzbalken und Schaumstoff, in einen Dialog mit Werken von Erwin Rehmann gebracht.

Sondereggers Werke auch als Anschauungsobjekte in Physik

An den Wänden befinden sich Monotypien, unikate Drucke, die eine Gemeinsamkeit mit den Gusswerken Erwin Rehmanns haben und denen Sonderegger analog zu einer Schwertkunst der Samurai den Namen «Tameshigiri» gegeben hat. «Wie im Gussverfahren», so der Hinweis von Richards, «entscheidet sich das Gelingen oder Scheitern in einem verdichteten Moment». Sonderegger lotet Gegensätze wie schwer und leicht, gross und klein aus. Er agiert mit Kräfte- und Grössenverhältnissen und schafft so spielende Wahrnehmungen. Was dazu führen kann, dass seine Werke auch zu Anschauungsobjekten in Physik werden.

Die Ausstellung dauert bis 4. Juli. Dazu gibt es ein Begleitprogramm mit Vortrag, Künstlergespräch und Kurzführungen mit Tyrone Richards – vorausgesetzt, die Coronaverordnungen lassen sie zu.

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