Laufenburg

Kritik an Zukunftsplänen: Einwohner fordern den Erhalt des Spitals Laufenburg

Wie die Zukunft des Spitals Laufenburg aussieht, wird sich bis Ende Juni entscheiden.

Wie die Zukunft des Spitals Laufenburg aussieht, wird sich bis Ende Juni entscheiden.

Die Spitalleitung in Laufenburg befindet sich in Zeiten des Wandels und scharfer Kritik. An der Infoveranstaltung präsentierten Bürger Vorschläge – etwa mehr Patienten aus Deutschland.

Das Gesundheitszentrum Fricktal (GZF) plant Umstrukturierungen. Derzeit werden zwei Szenarien geprüft, die beide mit einem Abbau am Spital Laufenburg einhergehen. Szenario 1 sieht vor, dass künftig die stationäre Chirurgie nach Rheinfelden verlegt wird. Bei Szenario 2 verblieben in Laufenburg nur noch ein Pflegeheim und ambulante Sprechstunden. Bei Szenario 1 wird zudem abgeklärt, ob die Notfallstation in Laufenburg beibehalten wird, bei Szenario 2 ist maximal ein «Notfall light» vorgesehen.

Die Ankündigungen bewegen augenscheinlich die Menschen im oberen Fricktal. Rund 300 Personen liessen sich am Montagabend in der Laufenburger Stadthalle aus erster Hand über die Situation und die Zukunftspläne des GZF informieren. Verwaltungsratspräsidentin Katharina Hirt und CEO Anneliese Seiler präsentierten Zahlen und Entwicklungen zu den beiden GZF-Standorten Rheinfelden und Laufenburg.

Zwei Millionen Franken fehlen

Das GZF erwartet ab dem kommenden Jahr durch Tarifsenkungen und Verschiebungen von Leistungen auf Bundesebene Mindereinnahmen von zwei Millionen Franken. «Darin sind Sparmassnahmen des Kantons Aargau noch nicht eingerechnet», so Seiler. Dann legte sie Patientenzahlen vor. Während seit der Fusion im Jahr 1999 in Laufenburg die Anzahl der Patienten um 480 auf 2460 pro Jahr gestiegen sei, sei in Rheinfelden ein deutlich grösserer Anstieg um 2360 auf 6080 Patienten zu verzeichnen. Auch die Notfalleintritte liegen in Rheinfelden deutlich höher. Im vergangenen Jahr wurden in Rheinfelden gut 10'000 Notfalleintritte verzeichnet, während es in Laufenburg nur 4421 waren.

Im Plenum sorgten die Vergleiche für Kritik. «Es wird suggeriert, dass Gleiches mit Gleichem verglichen wird», sagte etwa der Laufenburger Hausarzt Markus Aellig. In Rheinfelden seien jedoch auch die Patienten der Gynäkologie und des überregionalen Brustzentrums eingerechnet. Und sein Sissler Hausarztkollege Philipp Bachmann wies darauf hin, dass alle Notfälle, die eine Bildgebung oder einen chirurgischen Eingriff erfordern abends ab 18 Uhr und an den Wochenenden ausschliesslich Rheinfelden zugewiesen werden.

In der Plenumsdiskussion stellten sich die Anwesenden deutlich hinter das Spital Laufenburg, lobten die Qualität und versuchten, die GZF-Führung von der Wichtigkeit des Spitals im Allgemeinen und der Notfallabteilung im Speziellen zu überzeugen. Insbesondere das Personal der Laufenburger Intermediate-Care- und Notfallstation machte sich für den Erhalt des 24-Stunden-Notfalls stark. Andere Redner zogen die Zahlen grundsätzlich in Zweifel – «man kann alles so steuern, dass man hier in Laufenburg zumachen muss» – oder fragten, ob denn Rheinfelden überhaupt die Kapazität habe, die stationären Patienten von Laufenburg zu behandeln.

Prävention oder Altersgeriatrie

Man müsse jetzt in neue Richtungen denken und Neues probieren, bevor man Angebote abbaue, forderten mehrere Teilnehmer. Dass die Bevölkerung sich Gedanken macht, zeigen Vorschläge aus dem Plenum: Patienten in Deutschland zu akquirieren, auf Präventionsmedizin zu setzen oder ein Kompetenzzentrum für Akutgeriatrie zu errichten.

GZF-Finanzchef Marcel von Ah erklärte, man versuche, deutsche Patienten zu gewinnen. Er wies aber auch daraufhin, dass die Tarife dort noch viel tiefer seien. «Wir haben entschieden, keine Leistungen zu deutschen Tarifen anzubieten», so von Ah, sodass nur privatversicherte Patienten denkbar seien. Bezüglich Akutgeriatrie verwies Anneliese Seiler darauf, dass die Versicherungen nur zahlen, wenn der Geriater zu 100 Prozent am Standort tätig sei. Es gebe aber kaum Geriater auf dem Markt.

Der Laufenburger Vizeammann Meinrad Schraner glaubte, aus Seilers Worten «eine gewisse Resignation» herauszuhören. «Wir brauchen das Spital», sagte er und forderte von den GZF-Verantwortlichen: «Schauen Sie, warum etwas geht und nicht, warum etwas nicht geht.» Und Ammann Herbert Weiss doppelte nach: «Ich bin überzeugt, dass es mehr als zwei Varianten gibt.» Das GZF müsse auch weitere Ideen prüfen und «alles tun für eine zukunftsfähige Lösung».

Katharina Hirt betonte: «Wir sind nicht resigniert. Wir suchen Lösungen und Alternativen. Es muss aber auch finanzierbar sein.» Man strebe die «bestmögliche machbare Lösung» für Laufenburg und das obere Fricktal an. Vielleicht gebe es tatsächlich noch weitere Szenarien, das werde sich bei den Prüfungen herausstellen. Ziel sei es, diese bis Ende Juni abzuschliessen und ein Zukunftsszenario festzulegen.

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