Klimaschutz
So will die Gemeinde Stein zur «Klimaoase» werden – und die Mega-Sommer der Zukunft erträglicher machen

Grosser Bahnhof für einen noch kleinen Baum: Schweizer und deutsche Politprominenz war im Fricktal zu Gast bei der Pflanzung einer Silberlinde. Sie ist Teil des Projekts «Klimaoase» und soll an ihrem Standort in Stein künftig für ein angenehmeres Mikroklima sorgen – auch bei Hitze und Trockenheit der kommenden Sommer.

Hans Christof Wagner
Drucken
Teilen
Griffen zu Schaufel und Giesskanne, von links Alexander Guhl, Rita Schwarzelühr-Sutter, Martin Kistler und Stephan Attiger.

Griffen zu Schaufel und Giesskanne, von links Alexander Guhl, Rita Schwarzelühr-Sutter, Martin Kistler und Stephan Attiger.

Hans Christof Wagner

An der Kreuzung Rheinbrückstrasse/Schaffhauserstrasse in Stein wächst seit dieser Woche eine Silberlinde heran. Gepflanzt wurde der Baum im Rahmen der Aktion «Klimaoase».

Bei der Pflanzung mit dabei waren Stephan Attiger, der Aargauer Landammann und Präsident der grenzüberschreitenden Hochrheinkommission, Rita Schwarzelühr-Sutter, die Umweltstaatssekretärin aus Berlin, Martin Kistler, der Landrat des Landkreises Waldshut, Bad Säckingens Bürgermeister Alexander Guhl und Beat Käser, Gemeindeammann von Stein.

Das Projekt «Klimaoase» hat zum Ziel, Bäume im öffentlichen Raum von Städten und Gemeinden zu pflanzen – um das Mikroklima zu erhöhen und die Lebensqualität in den zunehmend durch Hitze und Trockenheit leidenden Siedlungsgebieten zu steigern.

Zuschuss für den Baum in Höhe von 500 Franken

Federführend bei «Klimaoase» ist das Aarauer Naturkundemuseum Naturama, vor dessen Domizil im April 2019 die erste «Klimaoase» entstanden ist. Inzwischen sind es im Aargau laut dem Naturama-Projektverantwortlichen Thomas Baumann 13 Oasen-Gemeinden geworden. Stein ist jetzt die erste im Fricktal.

«Klimaoase» bezuschusst den Kauf des Baumes mit 500 Franken, berät bei der Sortenwahl, der Auswahl des Standorts und auf Wunsch auch bei der laufenden Pflege. Das Projektteam hält eine Liste bereit, auf der besonders trocken- und hitzeresistente Baumarten verzeichnet sind.

Für welche Art sich die jeweilige Gemeinde entscheidet, bleibt ihr überlassen. In Zusammenarbeit mit Fritz und Rosmarie Heid vom Steiner Bekleidungsgeschäft «Mikado», auf dessen privatem Grund der Baum gepflanzt wurde, fiel die Wahl auf die Silberlinde. Für Baumann eine gute Wahl. Er sagt:

«Auch wenn die Silberlinde heute noch keine einheimische Art und eher in Südosteuropa zu Hause ist, wird sie mit dem Steiner Klima in 40 bis 50 Jahren gut zurechtkommen.»

Das sei im Vergleich zu heute durch noch grössere Trockenheit und Hitze gekennzeichnet. Im Allgemeinen sei die Baumart zudem resistent gegen Staub, Abgase und Streusalz, so Baumann.

Beat Käser, Gemeindeammann von Stein (links), und Stephan Attiger, der Aargauer Landammann, bei der «Klimaoase»-Aktion.

Beat Käser, Gemeindeammann von Stein (links), und Stephan Attiger, der Aargauer Landammann, bei der «Klimaoase»-Aktion.

Hans Christof Wagner

Allerdings reiche der 500-Franken-Zustupf des Projekts nicht einmal zum Kauf des Baumes aus, wie Baumann einräumt. «Die Steiner Silberlinde dürfte zwischen 800 und 900 Franken gekostet haben», teilt er mit. Hinzu kommt die Vorbereitung des Pflanzareals: Asphalt wurde entfernt und durch einen wasserdurchlässigen Belag ersetzt. Diese Kosten hat die Gemeinde Stein selbst übernommen.

Mehr Beachtung für das Mikroklima

Begleitend zur Pflanzaktion in Stein fand auch eine in Bad Säckingen statt. Dort hat man sich für einen Ginkgo entschieden – laut Baumann auch eine gute Wahl im Hinblick auf die prognostizierten Mega-Sommer der Zukunft. Bad Säckingen kam als deutsche Stadt indes nicht in den Genuss von Schweizer Fördergeld.

Die im Rahmen der Aktion Klimaoase in Stein gepflanzte Silberlinde steht an der Kreuzung Rheinbrückstrasse/Schaffhauserstrasse.

Die im Rahmen der Aktion Klimaoase in Stein gepflanzte Silberlinde steht an der Kreuzung Rheinbrückstrasse/Schaffhauserstrasse.

Hans Christof Wagner

«Ich freue mich über diese grenzüberschreitende Zusammenarbeit», unterstrich Attiger bei der Pflanzung. Diese sie «mehr als nur ein Symbol». Komme es doch in Zukunft darauf an, gerade dem Mikroklima in Siedlungsgebieten mehr Beachtung zu schenken. Auch Guhl betonte:

«Das Kleinklima zu verbessern, ist eine der grossen Herausforderungen der Stadtplanung.»

Aktuelle Nachrichten