Staffeleggtal
Keine Lösung für Durchgangsverkehr: Die Lastwagen dröhnen weiter durch die Dörfer

Die Aargauer Regierung sieht keine Möglichkeit, die Gemeinden im Staffeleggtal vom Durchgangsverkehr zu entlasten.

Thomas Wehrli
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Viele (ausländische) Lastwagen nutzen die Staffelegg als Abkürzung, um weniger Abgaben zahlen zu müssen.

Viele (ausländische) Lastwagen nutzen die Staffelegg als Abkürzung, um weniger Abgaben zahlen zu müssen.

Chris Iseli (7.2.2018

Das Staffeleggtal stöhnt unter dem Verkehr. Bei der Zählung 2017 fuhren fast 13'000 Fahrzeuge durch das Tal, heute dürften es um die 15'000 sein. Zum Vergleich: 1987 waren es erst 5550 Fahrzeuge. Was die Anwohner dabei besonders nervt: die vielen Lastwagen, welche die Route als Abkürzung nutzen. Rund 700 Lastwagen zählte man 2017; auch diese Zahl dürfte inzwischen gestiegen sein.

CVP-Grossrat Werner Müller aus Wittnau ist diese Situation – insbesondere der Lastwagen-Transitverkehr – schon länger ein Dorn im Auge. Er fragte den Regierungsrat deshalb in einer Interpellation, ob man ein Fahrverbot für den Transit-Schwerverkehr erlassen könnte oder ob der Regierungsrat andere Möglichkeiten sieht, um die Dörfer im Tal zu entlasten.

Nun liegt die neunseitige Antwort der Regierung vor. Sie legt zwar ausführlich dar, wie die Staffeleggstrasse zu ihrer heutigen Bedeutung als wichtige Verbindungs- und Transitstrasse gekommen ist und zeigt auch, dass die Strasse Bestandteil des Versorgungsrouten-Netzes ist und im ausserordentlichen Ereignisfall für die Netzsicherheit dient – eine Lösung kann der Regierungsrat jedoch nicht anbieten.

Ein Fahrverbot für den Transit-­Schwerverkehr sei nicht möglich, urteilt die Regierung und führt als Begründung unter anderem an, dass eine Durchgangsstrasse, wie es die Strasse durchs Staffeleggtal ist, nur dann mit einer Gewichtsbeschränkung belegt werden könne, wenn eine alternative Verbindung – etwa eine Umfahrung – diese Durchgangsfunktion übernehmen könne.

Eine Umfahrung? War da nicht was? Richtig, in den 1980er-Jahren war eine Trasseefreihaltung für eine West-Umfahrung der drei Dörfer Ueken, Herznach und Densbüren in den Richtplänen eingetragen, wurde dann aber 1996 fallen gelassen. Da die Grenzwerte für eine Umfahrung – mindestens 15'000 Fahrzeuge pro Tag, 8000 davon im Durchgangsverkehr, sowie ein Schwerverkehrsanteil von mindestens acht Prozent respektive 1000 Lastwagen – laut Kanton derzeit nicht erreicht wird, sieht der Regierungsrat keine Möglichkeit, das Staffeleggtal zu entlasten.

«Es fehlen kreative Ansätze»

Die Idee von Müller, die GPS-Daten so anzupassen, dass die Routenvorschläge – ausschliesslich für den Transitverkehr – über die Nationalstrasse erfolgt, ist laut Regierungsrat ebenfalls nicht möglich. Und damit die Navigationsgeräte als schnellste Route jene über die Autobahn anzeigen würde, müsste die Geschwindigkeit auf der Strecke auf 30 bis 35 km/h reduziert werden – etwas, was niemand will.

Ausser Spesen also nichts gewesen? So einfach gibt sich Werner Müller nicht geschlagen. Er sei enttäuscht über die Antwort, sagt er zur AZ. «Es steht nicht wirklich etwas Neues drin.» Ihm fehlen «kreative Ansätze», um das Problem zu lösen. Denn dass es für die Anwohner ein Problem ist, weiss er aus Gesprächen und Mails, die er auf seine Interpellation hin aus dem Staffeleggtal erhalten hat. Es sei zwar spannend, in der regierungsrätlichen Antwort einen geschichtlichen Abriss zur Entwicklung seit 1939 zu lesen, «aber das bringt niemandem etwas».

Erwartet hatte er Lösungsansätze wie ein (zeitlich begrenztes) Fahrverbot für Lastwagen, vor allem für den Transitverkehr. Er werde nun das Gespräch mit den Gemeindeammännern im Tal suchen und das weitere Vorgehen besprechen. Müller kann sich gut vorstellen, einen weiteren Vorstoss einzureichen. Ob als Postulat oder als Motion, lässt er offen. Er verspricht: «Ich bleibe dran.»

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