Frick/Gipf-Oberfrick
Ist der Zusammenschluss der Schulen ein Vorbote für eine Gemeindefusion?

Die Oberstufen von Frick und Gipf-Oberfrick werden zusammengelegt – letztere bleibt weiterhin Schulstandort. Profitieren sollen die Gemeinden, Schüler – und Steuerzahler. Verlieren werden die Lehrkräfte, von denen es ab 2017/18 weniger braucht.

Thomas Wehrli
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Präsentierten die Idee der gemeinsamen «Oberstufe Fricktal Süd»: Regine Leutwyler (links) und Susanne Gmünder Bamert.

Präsentierten die Idee der gemeinsamen «Oberstufe Fricktal Süd»: Regine Leutwyler (links) und Susanne Gmünder Bamert.

Thomas Wehrli

Frick und Gipf-Oberfrick wollen ihre Oberstufe ab dem Schuljahr 2017/18 zusammenlegen. Das haben die beiden Gemeinderäte und Schulpflegen im Grundsatz entschieden. Die neue Schule wird «Oberstufe Fricktal Süd» heissen, umfasst Real, Sek und Bez und wird von der Gemeinde Frick geführt.

Der Oberstufenstandort in Gipf-Oberfrick soll erhalten bleiben – als Aussenstation der Schule Frick. Die Gemeinde Frick wird das Regos-Schulhaus mieten. Die Details sollen in den nächsten Monaten ausgearbeitet werden, wie Regine Leutwyler, Gemeindeammann von Gipf-Oberfrick, am Donnerstag erklärte.

Mitbetroffen von der «Schulfusion» sind die Gemeinden Wittnau, Wölflinswil und Oberhof. Sie haben einen Regos-Vertrag mit Gipf-Oberfrick und schicken ihre Sek- und Realschüler aktuell nach Gipf-Oberfrick (die Bezschüler gehen seit je in Frick zur Schule). Diese Verträge müssen in einem nächsten Schritt aufgelöst werden – das heisst: Der Souverän kann sich zur geplanten Zusammenlegung äussern.

Schüler sind zu teuer

Mit dem Schritt wollen die beiden Gemeinden einem Paradoxon vorbeugen, das in den nächsten Jahren unweigerlich auf sie zukäme: Die Oberstufe in Gipf-Oberfrick leidet seit Jahren an Schülerschwindsucht. Das liegt zum einen an den Jahrgängen, zum anderen daran, dass viele Eltern ihre Kinder wenn irgendwie möglich in die Bezirksschule schicken. Die kleinen Schülerzahlen – jene in der Real sind laut Leutwyler «sehr kritisch» – führen zum einen zu einem höheren Schulgeld.

Zum anderen bergen sie die Gefahr, dass die Gemeinde in zwei, drei Jahren die Minimalzahl unterschreitet – und der Kanton die Oberstufe schliesst. Dann müssen alle Schüler aus dem Benkental ebenfalls nach Frick. Nur: Frick platzt bei dieser Variante räumlich aus allen Nähten, in Gipf-Oberfrick dagegen steht dann ein Schulhaus leer. «Dies wollen wir verhindern und eine für die Schüler optimale Lösung schaffen», erklärte die Fricker Schul-Gemeinderätin Susanne Gmünder Bamert.

Es soll also eine Win-win-win-Situation geben: Auf der Gewinnerseite stehen die Gemeinden, die Schüler – und die Steuerzahler. Denn das Schulgeld ist in Gipf-Oberfrick derzeit laut Leutwyler «deutlich höher» (einen genauen Betrag konnte sie nicht nennen), und das störte auch die Regos-Gemeinden Wittnau, Wölflinswil und Oberhof. Sie hatten bei der Gemeinde Frick bereits eine Anfrage deponiert, ob ein Wechsel möglich wäre. Nicht zuletzt dieses Faktum brachte den Stein auch ins Rollen.

Das Schulgeld der zusammengelegten Oberstufe soll pro Stufe für alle gleich hoch und nicht höher sein, als es heute in Frick ist. Dafür soll unter anderem eine «schlanke und effiziente Organisation» besorgt sein.

Es gibt bei dieser Zusammenlegung aber auch Verlierer. So wird die neue Oberstufe weniger Lehrkräfte als heute benötigen. Wie viele Stellen verloren gehen, ist laut Gmünder ebenso offen wie die Frage, wie man das Schulhaus in Gipf-Oberfrick füllt. Diese Fragen werde man in «Phase 2» erörtern.

92 neue Wohnungen

Die Zusammenlegung der Oberstufe dient beiden Gemeinden: Gipf-Oberfrick hat nicht auf einmal ein leer stehendes Schulhaus und Frick muss «je nach Bevölkerungswachstum mittelfristig keinen oder nur in bescheidenem Rahmen neuen Schulraum realisieren», schreiben die beiden Gemeinden in einer gemeinsamen Medienmitteilung.

Wie lange der Schulraum reicht, lässt sich laut der Fricker Schul-Gemeinderätin Susanne Gmünder Bamert nicht abschätzen. Klar ist, dass Frick in den nächsten Jahren stark wächst. Derzeit sind mehrere neue Mehrfamilienhäuser im Bau oder geplant. Allein im Oberdorf (Höhe Möbel Brem) werden in den nächsten Jahren 92 neue Wohnungen entlang des Gänsackers in Etappen realisiert. Wie viele Familien mit Kindern dort einziehen, kann jedoch niemand sagen. (twe)

Genau bei solchen Detailfragen liegt auch die grösste Gefahr für das Projekt: Sie lösen Emotionen aus. Dass die Oberstufe ihre Eigenständigkeit verliert, dass die kleine Schule in einer grossen aufgeht, werden nicht alle goutieren – da hilft auch wenig, dass es eigentlich ein Fait accompli ist, vorgespurt vom kantonalen Bildungssystem.

In der Gesamtbilanz wird sich für Frick in Sachen Schülerzahlen wenig ändern: Mit der Umstellung von 5/4 auf 6/3 Jahre verlor die Oberstufe rund 200 Schüler; in Gipf-Oberfrick besuchen aktuell 115 Schüler die Oberstufe.

Bleiben zwei Fragen: Wie lange reicht der Oberstufenschulraum in Frick angesichts der prosperierenden Gemeinde (siehe Box)? Das abzuschätzen, so Bamert, «ist kaum möglich.» Und: Ist dies ein erster Schritt zur Gemeindefusion? «Nein», sagt Leutwyler, «sicher nicht.»