Wallbach
Industriezone kann durch Umzonung zu einem Wohnparadies werden

Die Stimmberechtigten in Wallbach entscheiden, ob die Industriezone der Novoplast AG umgezont und in ein neues Wohnquartier verwandelt werden kann. Die ausserordentliche Gemeindeversammlung findet am 12. April statt.

Walter Christen
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Novoplast in Wallbach
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Von der Novoplast hergestellte Produkte
Volle Konzentration bei der Produktion
Teil der zur Auslieferung bereiten Produktion der Novoplast AG in Wallbach
Produktionshalle der Novoplast AG in Wallbach
Produktionshalle der Novoplast AG
Fertigungsautomat bei der Novoplast in Wallbach
CEO Roland Kaufmann mit einem Novoplast-Produkt

Novoplast in Wallbach

Um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben, muss die Kunststoff verarbeitende Novoplast AG in Wallbach die Infrastruktur und die Produktionsanlagen modernisieren.

Eine gründliche Standortanalyse hat ergeben, dass ein Neubau im Industriegebiet von Sisseln die wirtschaftlichere und ökologischere Variante ist. Deshalb soll das bestehende Industrieareal der Novoplast in Wallbach eine Wohnzone W2 umgeteilt werden.

Auf dem Areal können 21 Einfamilien- und 12 Trideckhäuser (Häuser mit maximal 3 Wohnungen) gebaut werden. Am 12. April entscheiden die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger von Wallbach an einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung, ob die Umzonung durchgeführt werden soll.

Die Novoplast muss und will auch dann investieren, wenn die Umzonung abgelehnt wird. In diesem Fall würde das bestehende Areal industriell und gewerblich ausgebaut.

Einige der Bauten sind über 100 Jahre alt

Um auf dem globalen Markt weiterhin als Schweizer Unternehmen bestehen zu können, ist die Novoplast AG gezwungen ihre Kosten zu reduzieren. Die Anfänge des Unternehmens reichen bis ins Jahr 1945 zurück. Einige der Bauten in Wallbach sind über 100 Jahre alt und wurden damals von einer anderen Industriefirma errichtet.

Da die verschiedenen Gebäude weit auseinander liegen, will die Novoplast nun Infrastruktur und Abläufe optimieren und Produktionswege verkürzen. Zudem soll Energie verantwortungsvoller genutzt werden, sind doch nach Angaben von CEO Roland Kaufmann die Heizkosten enorm hoch.

Eine gründliche Standortanalyse hat zudem ergeben, dass der heutige Firmensitz verkehrs- und umwelttechnisch ungünstig liegt. Die Novoplast AG möchte den Standort wechseln und hat in Sisseln eine geeignete Parzelle gefunden. Das Grundstück ist Teil einer grösseren Industriezone mit direktem Autobahnanschluss.

Auf dem heutigen, 42 000 Quadratmeter grossen Novoplast-Areal in Wallbach wären 21 Einfamilien- und 12 Trideckhäuser (Häuser mit maximal 3 Wohnungen) möglich, bereits geplant vom Architekturbüro Vogel AG in Rheinfelden. Das entspricht höchstens 57 Wohneinheiten für bis zu 145 Einwohner. Die Novoplast AG übernimmt die Rückbau- und Erschliessungskosten des Geländes und übergibt der Gemeinde unentgeltlich eine vollständig erschlossene Bauzone.

Die Bevölkerung würde also um maximal 145 Einwohner wachsen. Die Gebäude auf der erwähnten Fläche ergäben eine geringe Baudichte, was dem dörflichen Charakter von Wallbach entspricht. «Aufgrund der exklusiven Lage und des hohen Wohnkomforts werden mit diesem Projekt Leute angesprochen, die sich gut ins Dorf Wallbach integrieren werden», ist sich der Novoplast-CEO sicher.

360 Fahrzeugbewegungen pro Tag

Die vom Areal der Novoplast AG verursachten Verkehrsbewegungen auf der Rheinstrasse präsentieren sich heute wie folgt: 300 Personenwagen pro Tag, 40 Lastwagen und 20 Lieferwagen.

Bei einer Umwandlung der Industriezone in eine Wohnzone W2 lässt sich der Verkehr ziemlich genau berechnen: 57 Wohneinheiten und 2 Autos pro Einheit ergeben etwa 350 Auto-Bewegungen pro Tag.

Nach der Umzonung würde sich das Verkehrsaufkommen quantitativ also wenig verändern. Der Lastwagen- und Lieferwagenverkehr verschwänden jedoch ganz aus dem Gebiet, was für die Anwohner und das gesamte Dorf eine qualitative Verkehrsverbesserung bedeuten würde.

Mehr Steuereinnahmen möglich

Während der letzten Jahre lagen die gesamten Aktiensteuern für die Gemeinde bei durchschnittlich 100 000 Franken. 145 Einwohner werfen bei etwa 2500 Franken pro Kopf (Jahr 2011) etwa 360 000 Franken Steuern ab.

Aufgrund der exklusiven Lage und des hohen Komfortstandards der neuen Siedlung dürfte das Potenzial sogar noch deutlich höher liegen. Gemäss der Studie «Metron 17.11.2010» erzwingt ein Bevölkerungswachstum von 145 Personen keine Infrastrukturanpassungen. Das heisst, es müssen weder ein weiteres Schulhaus noch ein neuer Kindergarten gebaut werden.

Durch den Standortwechsel der Novoplast gehen keine Arbeitsplätze verloren. Dank der verkehrstechnisch verbesserten Lage verlängert sich die Anfahrt der 7 Mitarbeitenden, die in Wallbach wohnen, nicht erheblich. Für den grösseren Teil der Mitarbeitenden würde sich der Arbeitsweg hingegen vereinfachen.

Durch die Realisierung des Projekts «Umzonung Areal Novoplast» würde Wallbach ein voll erschlossenes Wohngebiet an ausgezeichneter Lage zurückerhalten.

Die Industrie könnte gänzlich aus dem Dorf verschwinden. «Mit der Umzonung wäre der ruhige, dörfliche Charakter von Wallbach bestärkt und die ‹Perle am Rheinbogen› (so lautet die Internetwerbung dieser Fricktaler Gemeinde) erfährt eine qualitative Aufwertung.

Raumplanerisch und ökologisch betrachtet, ist es in der heutigen Zeit ja nicht mehr sinnvoll, dass auf bestem Wohn- und Naherholungsgebiet am Rhein ein Industriekomplex steht», erwähnte CEO Roland Kaufmann weiter.

Lehnt Wallbach die Umzonung ab, wird die Novoplast AG am jetzigen Standort in Wallbach investieren. Projektstudien zeigen, dass die modernisierte Anlage auf etwas weniger als der Hälfte des zur Verfügung stehenden Areals Platz finden würde.

Auf der frei werdenden Fläche - das wären etwa 21 000 Quadratmeter - könnte der Kunststoffverarbeiter andere Unternehmen ansiedeln: Industrie, Gewerbe, Dienstleister, denkbar wären auch Technologie- oder Gewerbeparks. Dies führte jedoch zu einem Anstieg des Industrie- und Gewerbeverkehrs. Der Verkehrszubringer - die Rheinstrasse - ist für diese Art von Verkehr heute aber nicht genügend ausgebaut. Die Konsequenz wären von der Gemeinde finanzierte strassenbauliche Massnahmen (gemäss Baugesetzes, Paragraf 33).

Die Novoplast AG beschäftigt nach Angaben von CEO Roland Kaufmann derzeit 75 Personen, davon etwa 30 bis 35 Prozent Grenzgänger aus der deutschen Nachbarschaft. Die Firma wird auch in Zukunft dreischichtig arbeiten. Die 7-Tage-Woche ist bereits in Planung, was dann auch zusätzlich noch Wochenendverkehr mit sich bringen würde.

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