Hommage

Immer wieder montags: Seit über 300 Jahren findet in Frick der Markt statt

Marktchef Fabian Friedli (rechts) im Gespräch mit Markfahrer Walter Hirschi.

Marktchef Fabian Friedli (rechts) im Gespräch mit Markfahrer Walter Hirschi.

Am kommenden Montag findet in Frick der nächste Markt statt. Ein Hommage in zehn Punkten.

Für uns als Redaktion, die wir unser Büro an der Hauptstrasse in Frick haben, sind sie die unangefochtenen Lieblings-Montage: die vier Markt-Montage. Denn erstens ist es so ruhig wie sonst nie im Büro. Nicht, dass wir nicht da wären, wo kämen wir da hin – aber draussen vor der Türe fährt kein einziges Auto durch, da die Hauptstrasse für den Markt den ganze Tag über gesperrt ist. Es ist deshalb ruhig – fast gespenstig ruhig. Und, zugegeben, spätestens am Abend vermisst man das monotone yammm-yammm der Motoren fast ein wenig.

Zweitens sind es jene Tage, an denen man sich nicht lange überlegen muss, was man zu Mittag essen will; man geht vor die Türe – und dann einfach der Nase nach. Einzige Problemstellung können die verschiedenen Duftrichtungen sein, die einen mit einem «Nimm mich!» in unterschiedliche Richtungen locken.

Drittens, dies ist der journalistische Eigennutz, fällt es nie so leicht, eine Geschichte zu machen, denn gute Gesprächspartner findet man auf dem Markt zuhauf. Der Volontär mag dies vielleicht etwas weniger, denn er wird regelmässig losgeschickt, um eine Umfrage unter den Marktbesuchern zu machen.
Immer wieder montags heisst es diesen Montag zum nächsten Mal. Die AZ hat zur Einstimmung auf den Markttag einige Zahlen, Fakten und Erinnerungen zusammengetragen.

Die Anfänge.

Die sind lange her, genau: 319 Jahre. Am 22. Januar 1701 verlieh Kaiser Leopold I. der Gemeinde das Marktrecht. Sie war damals verarmt und die Märkte sollten helfen, die finanzielle Situation zu verbessern. Nur blieb ein Problem zu lösen: Da der Gemeinde das Geld fehlte, konnte sie auch keine Marktstände kaufen. Private sprangen ein. Sie durften im Gegenzug Standgelder von den Marktfahrern verlangen. Profitiert haben aber auch die Hausbesitzer, denn sie liessen sich das Recht, auf ihrem Vorplatz einen Stand aufzustellen, abgelten.

Der Treffpunkt.

Der Markt ist nicht nur Flanier- und Einkaufsmeile, er ist auch beliebter Treffpunkt. Wenn das Wetter gut ist, strömen mehrere Tausend Fricker und Fricktaler auf den Markt. Und was macht man, wenn man sich trifft? Reden, dumme Frage. Und das kann man bekanntlich deutlich besser und länger, wenn man vor einem Kaffee oder einem Bier sitzt. Deshalb profitieren auch die Beizen entlang der Hauptstrasse von den Märkten; ihre Stuben sind voll. Die meisten Traditionsbeizen, in denen schon die Urgrosseltern zusammensassen, gibt es heute noch. Einige sind verschwunden, der «Löwen» etwa, der dort stand, wo heute das orange M prangt.

Der Widerstand.

Auf die Barrikaden stiegen die Laufenburger, als die Fricker Behörden 1782 einen Fruchtmarkt einführen wollten, denn ennet dem Berg befürchtete man einen erheblichen Ertragsausfall beim eigenen Markt. Die Laufenburger setzten sich durch.

Die Marktfrequenz.

Sie passte sich dem Bedürfnis an. Fanden am Anfang zwei Märkte pro Jahr statt, stieg die Zahl im 19. Jahrhundert auf vier an, wo sie bis heute verharrte. 4? War da nicht was? Aber sicher, der Weihnachtsmarkt, den man aber von seinem Ambiente und seinem Angebot nicht zu den «normalen» Märkten zählt. Er findet seit 1994 statt – und ist eine grosse Erfolgsgeschichte.

Der Montag.

Er war nicht von Anfang an gesetzt. In den ersten Jahren wechselte der Markttag, was sich aber als unpraktisch erwies. Seit 1820 finden die Märkte nun stets an einem Montag statt. Geändert hat sich am Markttag zwar nichts, aber am Datum des Frühlingsmarktes: Fand dieser über Jahrzehnte am zweiten Montag im Mai statt, entschied die Marktkommission vor gut zwei Jahren, ihn neu stets am Pfingstmontag, an dem die meisten frei haben, durchzuführen. Ein weiser Entscheid, wie sich zeigte – der Pfingstmontags-Markt ist bereits ein Renner.

Die Gefahr.

Man schrieb das Jahr 1927, als die Herren Politiker aus Aarau den Fricker Markt besiegeln wollten. Nicht, weil sie gegen Märkte waren, sondern weil sie angesichts des rasant wachsenden Verkehrs – wovon müssen wir denn heute sprechen? – das Sperren der Hauptstrasse Basel–Zürich, der dannzumal zentralen Verbindungsstrasse, untersagen wollten. Die Fricker, schlau wie der Fuchs, bauten kurzerhand die Umfahrungsmöglichkeiten aus und konnten so die drohende Schliessung des Marktes abwenden.

Der Wandel.

In den 300 Jahren hat sich der Markt immer wieder und auch stark gewandelt. Er musste sich wandeln, um nicht aus der Zeit zu fallen – und wird es weiter müssen. Der Online-Handel setzt den traditionellen Marktfahrern zu und verlangt nach Innovation – auch bei den Marktveranstaltern.
Ein spezielles Marktsegment ist der Modernisierung der Gesellschaft dabei schon lange zum Opfer gefallen: Der Vieh- und Schweinemarkt, der zeitweise monatlich stattfand, verlor zusehends an Bedeutung und wurde 1987 ganz eingestellt.

Die Stände.

Wie viele es sind, hängt von vielen Faktoren ab. Vom Wetter etwa, der Marktkonkurrenz oder auch von der Grösse der Trucks. Die Rechnung ist derweil simpel: Je mehr lange Gefährte anreisen, desto weniger Stände bringt man auf der gleichen Länge unter. Am Montag werden es um die 130 Stände sein, wie Marktchef Fabian Friedli sagt. Dabei wird man auch wieder viele alte Bekannte antreffen, etwa den Spielwarenstand von Walter Maienfisch, der seit vielen Jahren nach Frick kommt.

Und wie steht es um den legendären Stand mit den Musikkassetten? Für alle Jüngeren: Musikkassetten waren jene Dinger, die ein Tonband enthielten, auf dem die Tonsignale gespeichert waren – also die Vor-Vorläufer der heutigen digitalen Musikspeicherung und Streaming-Dienste. Nein, sagt Friedli, er habe aufgehört.

Die Gaumenfreuden.

Die Redaktion freut sich, wie geschrieben, auf den Markt auch, weil allerlei Gaumenfreuden warten. Wie ist es diesmal? Rund zehn seien dabei, sagt Friedli, von Asiatisch und Äthiopisch über Würste vom Grill bis zum US-Burger gibt es alles.

Der Wind.

Er machte den Marktfahrern vor einem Jahr einen Strich durch die Rechnung. Wegen stürmischen Böen musste der Fasnachtsmarkt abgebrochen werden. «Keinen Wind», wünscht sich denn auch Fabian Friedli für den Montag.

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