Mumpf

Hurra, die Schule kommt: Nach langem Suchen zeichnet sich eine Lösung fürs Oberstufenschulhaus ab

Wo heute noch Oberstufenschüler die Schulbank drücken, könnten ab 2021 Schüler der Heilpädagogischen Schule Fricktal unterrichtet werden.

Ab Sommer steht das Oberstufenschulhaus in Mumpf leer. Bisher haben sich alle Pläne für eine Weiternutzung zerschlagen. Doch nun hat sich die Stiftung MBF als Interessent gemeldet. Das Gebäude wird wohl eine Schule bleiben.

Es könnte doch noch ein Happy End geben für das Oberstufenschulhaus in Mumpf, das ab diesem Sommer leersteht. Nachdem sich alle bisherigen Pläne, das Gebäude weiter zu nutzen, zerschlagen haben und auch die Ausschreibung über Remax noch keinen Käufer mit dem nötigen Kleingeld – das Schulhaus ist für 18 Millionen Franken ausgeschrieben – gebracht hat, hat sich nun ein Interessent gemeldet: Die Stiftung MBF in Stein.

Neben ihren Aufgaben, Menschen mit Behinderung zu beschäftigen und ihnen eine Wohnstruktur zu bieten, übernimmt die Stiftung im Sommer 2020 auch die Trägerschaft der Heilpädagogischen Schule Fricktal. Die neue Schule entsteht aus einer Zusammenführung der Schulen in Frick und Rheinfelden. Die beiden Gemeinden haben die Schule bislang je als Eigenwirtschaftsbetriebe geführt. Im letzten Sommer haben sie der Zusammenführung unter dem Dach der Stiftung MBF zugestimmt.

Win-win-Situation

Astrid Zeiner, Präsidentin des Schulverbandes des Oberstufenzentrums Fischingertal, freut das Interesse der Stiftung MBF sehr. «Es ist für mich die Idealvorstellung, dass das Gebäude als Schulhaus weiterbenutzt wird», sagt sie. Zeiner spricht von einer Win-win-Situation. Das Schulhaus werde weitergenutzt – und die Schüler bekämen eine Unterrichtsstätte mit moderner Infrastruktur. «Für die Schüler ist es toll, wenn sie an einem so tollen Ort zur Schule gehen können.»

Noch ist es allerdings nicht so weit. Die Stiftung MBF prüft bis nach den Sommerferien vertieft, ob «das Schulhaus die speziellen Anforderungen, die eine Heilpädagogische Schule stellt, auch wirklich abdecken kann», sagt Jean-Paul Schnegg, Geschäftsleiter der Stiftung MBF. Vom Platz her ist es kein Problem. Aktuell besuchen rund 100 Schüler die Heilpädagogischen Sonderschulen in Frick und Rheinfelden, das Schulhaus im Mumpf hat Platz für knapp 200 Schüler. Zu viel Platz habe man aber trotzdem nicht, so Schnegg. «Der Unterricht von Menschen mit Behinderung zieht ganz andere Raumansprüche nach sich.»

Mit der Prüfung eines einzigen Standortes nimmt die Projektleitung einen Paradigmenwechsel vor. Beim Projektstart war vorgesehen, die Schule weiterhin an zwei Standorten zu führen. Allerdings zeigten sich verschiedene Probleme. So erfüllt der Standort Rheinfelden die Anforderungen bereits heute nur knapp. «Das Raumangebot bei der HPS Rheinfelden ist nicht ideal und ein Ausbau ist nicht möglich», sagt Stadtschreiber Roger Erdin. In Frick wäre ein Ausbau zwar vom Platz her möglich, wie Gemeindeschreiber Michael Widmer bestätigt. Jedoch würde dies eine mehrjährige Planungs- und Bauphase bedingen. «Damit würde die gewünschte Konzentration auf einen Standort um Jahre verzögert», so Widmer.

Synergien nutzen

Für einen Standort spricht laut Schnegg aber vor allem, dass ein solcher den Aufbau einer gemeinsamen Schulkultur vereinfache und es ermögliche, Synergien zu nutzen. Diesen Vorteil heben auch die beiden Gemeindeschreiber hervor. Dies komme letztlich den Schülern und den Lehrpersonen zugute, sagt Erdin. Für den Entscheid, eine Lösung mit einem Standort zu präferieren, haben denn auch beide Gemeinden Verständnis. «Dieser Entscheid ist für uns nachvollziehbar», sagt Widmer.

Damit blieben aber neben dem Kauf des des Oberstufenschulhauses – eine Mietlösung wird beidseits nicht angestrebt – immer noch zwei Varianten: eine Erweiterung in Frick oder ein Neubau. Gegen beides spricht die lange Planungs- und Bauzeit – Schnegg spricht von fünf bis zehn Jahren bei einem Neubau – sowie die Tatsache, dass in Mumpf ein Schulhaus, das sich zu eignen scheint, bald leersteht. «Geld für einen Neubau auszugeben, wenn gleichzeitig ein Schulhaus, das seinerzeit auch mit Steuergeldern finanziert wurde, leersteht, ist aus Sicht der Steuerzahler schwer verständlich», sagt Schnegg und schiebt nach: «Sofern es unsere Bedürfnisse erfüllt.» Auch der Kanton präferiert die Umnutzung eines bestehenden Schulhauses. Ähnlich beurteilt es Roger Erdin. «Aus unserer Sicht ist es sinnvoll, dass das frei werdende Oberstufenzentrum in Mumpf vor einem Neubau geprüft wird», sagt der Stadtschreiber.

Diese Sicht teilt Zeiner. Sie begrüsst auch, dass die Führung der Schule künftig von der Stiftung MBF wahrgenommen wird. «Es ist letztlich nicht die Aufgabe einzelner Gemeinden, eine Heilpädagogische Schule zu führen, sondern es ist eine Verbundsaufgabe.» Die Zusammenführung an einem Standort sei da die letzte Konsequenz. «Es rundet das Päckli ab.»

Ganz geschnürt ist das Päckli aber noch nicht. Dies betont Schnegg im Gespräch. «Im Moment sieht es so aus, dass Mumpf die Lösung sein könnte», sagt er. Als «recht gut» schätzt Zeiner die Chancen ein, dass die Heilpädagogische Schule ab Sommer 2021 in Mumpf beheimatet ist.

Dann wäre Mumpf auch die Heimat der rund 70 Angestellten, die aktuell für die Heilpädagogischen Schulen tätig sind. «Unser erklärtes Ziel ist es, alle Angestellten zu übernehmen», sagt Schnegg. Dies wurde bei Projektstart auch so vereinbart. «Es war und ist dem Gemeinderat sehr wichtig, dass auch bei einer Fusion der beiden HPS das vorhandene, engagierte und qualifizierte Personal weiterhin eine Anstellung hat», sagt Widmer.

Neue Schulleitung gesucht

Nicht mehr dabei sein werden die beiden Schulleitungen; sie haben sich, unabhängig voneinander, entschieden, sich nicht für die Stelle der Gesamtschulleitung zu bewerben. Das bedauern die beiden Gemeinden, haben aber Verständnis dafür. «Leider möchte unser Schulleiter diese neue Rolle und die damit verbundene Verantwortung nicht übernehmen», sagt etwa Erdin. Auch Jean-Paul Schnegg bedauert die Entscheide. «Ich hätte es mir anders gewünscht. Aber die Entscheide sind zu respektieren.»

Die Stiftung MBF macht sich deshalb auf die Suche nach einer neuen Schulleitung. Diese soll per 1. Februar 2020 eingestellt werden – also knapp ein halbes Jahr, bevor die Stiftung MBF die Schule operativ übernimmt. «Wir wollen der neuen Schulleitung Zeit geben, sich einzuarbeiten und den Übergang mitzugestalten.»

An einer Informationsveranstaltung orientierte die Projektleitung am Dienstagabend sämtliche Angestellten der Schule über den Projektstand und die Option, das Schulhaus in Mumpf zu übernehmen. «Es war ein konstruktiver Dialog», bilanziert Schnegg. Natürlich seien auch kritische Fragen gekommen – etwa zur Erreichbarkeit. Diese sei in Frick sicher besser, aber «sie ist nicht das einzige Kriterium». Die Erreichbarkeit sei aber eines der Kriterien, die bei der Detailprüfung noch genauer angeschaut würden.

Das Feedback der Angestellten, das die Projektleitung am Dienstag erhalten habe, «ist für uns wertvoll», betont Schnegg. «Es war uns wichtig, die künftigen Angestellten zu spüren – mit ihrer Freude, ihren Ängsten und ihren Fragen». Das Zusammenführen verschiedener Kulturen sei eine anspruchsvolle Aufgabe, weiss Schnegg. Hier wolle man die Angestellten von Anfang an einbinden und ihr Know-how für den weiteren Projektverlauf nutzen. Damit der Zusammenschluss zum Happy End wird – oder treffender: zum Happy Neustart.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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