Herznach
Die Hauptstrasse wird für 10,9 Millionen saniert – am grossen Problem mit dem Transitverkehr ändert das nichts

Die Hauptstrasse durch Herznach wird für 10,9 Millionen Franken saniert. Zwar wird die Verkehrssicherheit insbesondere auch für den Langsamverkehr erhöht, doch an der Verkehrsdichte und am Transitverkehr ändert das Projekt nichts. Anwohnerinnen und Anwohner stören sich aber seit Jahren daran, dass die Staffelegg von ausländischen Lastwagen als Abkürzung genutzt wird.

Thomas Wehrli
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Die Kantonsstrasse soll durch Herznach wird saniert.

Die Kantonsstrasse soll durch Herznach wird saniert.

Dennis Kalt

Auf Herznach rollt ein Grossprojekt zu: Am 9. September entscheidet der Souverän über den Kostenanteil der Gemeinde von knapp 2,8 Millionen Franken für die Sanierung und Umgestaltung der Hauptstrasse durch das Dorf.

Gesamthaft kostet das Sanierungsprojekt knapp 10,9 Millionen Franken. Eigentlich müsste die Gemeinde gemäss kantonaler Verordnung 35 Prozent der Kosten tragen; auf Ersuchen des Gemeinderates wurde der Beitragssatz aber um 20 Prozent reduziert und beträgt für alle Arbeiten, die ab 2022 anfallen, noch 28 Prozent. Der Gemeinderat schreibt in seiner Botschaft an die Stimmberechtigten:

«Zurückzuführen ist die Reduktion insbesondere auf den hohen Anteil des Transitverkehrs am Gesamtverkehr.»

13’000 Autos und 700 Lastwagen passierten 2017 pro Tag die Dörfer an der Staffeleggstrasse, inzwischen dürften es noch einmal deutlich mehr sein. Wie viele, wird sich bald weisen: Zurzeit werden die Zahlen der aktuellsten kantonalen Erhebungen ausgewertet.

Was viele Anwohnerinnen und Anwohner am täglichen Dröhnen der Motoren besonders stört: Viele der Lastwagen haben ausländische Kennzeichen. Sie benutzen die Staffelegg als Abkürzung zwischen den Nationalstrassen N3 und N1 – auch, um bei der Leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA) zu sparen.

Forderungen nach einer Reduktion der Lastwagen

Der LKW-Transitverkehr verursacht Lärm und Emissionen – und das stinkt vielen Anwohnerinnen und Anwohner gewaltig. Regelmässig kommen denn auch Forderungen auf, den Transitverkehr über die Staffelegg zu begrenzen. Grossrat Werner Müller (Die Mitte) etwa brachte ein Nachtfahrverbot für Lastwagen ins Spiel und Grüne-Grossrätin Gertrud Häseli sagte jüngst zur AZ:

«Es braucht Tempo 30 in den drei Staffeleggtal-Gemeinden.»

Das sei das einzig probate Mittel, um den Transitverkehr aus den Dörfern zu bringen, ist Häseli überzeugt. Denn nur wenn man die Strecke für den Transitverkehr unattraktiv mache, würde er auf der Autobahn bleiben. «Der Vorteil ist, dass die Dörfer so auch tagsüber entlastet werden.»

Projekt zu stark auf Transitverkehr ausgerichtet?

Von Tempo 30 oder einem Nachtfahrverbot ist im Sanierungsprojekt nichts zu lesen – und das ärgert etliche Einwohnerinnen und Einwohner. Sie stört, dass das Projekt die Bedürfnisse der Anwohnerinnen und Anwohner zu wenig berücksichtigt und stattdessen darauf ausgelegt sei, den Transitverkehr möglichst wenig zu reduzieren.

Ob dies auch Gegenstand einiger der 23 Einwendungen ist, die nach der öffentlichen Auflage im Dezember gegen das Projekt eingegangen sind, ist nicht bekannt. Klar ist laut der gemeinderätlichen Botschaft aber:

«An der Gemeindeversammlung wird tagesaktuell über den Stand der Verfahren informiert, soweit dies aus Gründen des Datenschutzes möglich ist.»

Das Projekt sieht vor, die Kantonsstrasse im gesamten, 947 Meter langen Innerortsbereich sowie 212 Meter im Ausserortsbereich zu sanieren. Dabei wird ein lärmoptimierter Belag eingesetzt. Zudem entstehen zusätzliche Geh- und Radwege.

Der Dorfkern wird gestalterisch aufgewertet und anstelle der bisherigen Linksabbiegespuren sind neu Mehrzweckstreifen vorgesehen. Im Zuge der Erneuerung werden auch die Bushaltestellen behindertengerecht gemacht.

Ein Kreisel käme zu teuer

Geprüft wurden bei der Kreuzung Alte Landstrasse/Bergwerkstrasse auch verschiedene Kreiselvarianten. Allerdings konnte keine der Varianten den Gemeinderat überzeugen und so wird das Projekt ohne Kreise ausgeführt.

Gegen einen Kreisel sprach – neben einer Verringerung der Leistungsfähigkeit und der Verkehrsqualität – der Rückstau vor dem Kreisel, die höhere Lärmbelastung durch das Abbremsen und das Beschleunigen sowie der grosse Landverbrauch.

Aber auch auf die Verkehrssicherheit für Radfahrer würde sich ein Kreisel negativ auswirken. Und: Das Projekt würde rund eine Million Franken teurer. Alles in allem überwogen die Nachteile und deshalb drehen sich die Herznacherinnen und Herznacher auch künftig nicht im Kreis.

Petition gegen Verlegung des Radweges

Dafür wird beim südlichen Dorfeingang, also für die Fahrzeuge, die von Densbüren her kommen, ein Eingangstor mit einer schiefen Mittelinsel erstellt. «Damit wird der von der Staffelegg herkommende Verkehr deutlich abgebremst», schreibt der Kanton in einem Brief an den Gemeinderat. Und:

«Dies erhöht die Verkehrssicherheit der fünf Fussgängerstreifen, die nach Beurteilung durch die Abteilung Verkehrssicherheit des Kantons bestehen bleiben.»

Saniert werden müssen auch die beiden Brücken, die den Staffeleggbach überqueren. Ein besonderes Augenmerk legten die Planer auch auf die Einfahrt des Radweges von Ueken her in die Hauptstrasse, «und an derselben Stelle wird die Weiterfahrt für die Schüler auf dem Rad-/Gehweg bis zur Unterdorfstrasse ermöglicht».

Allerdings stiess die mit der Strassensanierung vorgesehene Verlegung des Radweges an die Kantonsstrasse im März auf Widerstand. Eine Petition, die von 26 Personen unterzeichnet wurde, forderte, dass der Veloweg nicht verlegt wird. Gemeinderat und Kanton lehnten die Forderung ab und begründeten dies in einer gemeinsamen Erklärung so:

«Der Veloweg wurde bewusst direkt an die Kantonsstrasse verlegt. Mit dieser Anordnung werden die Vortrittsverhältnisse für die Velofahrenden im Einmündungsbereich des Verenaweges verbessert.»

Gemeindewerke müssen zeitgleich erneuert werden

Zeitgleich mit der Sanierung werden dort, wo es Sinn macht, auch die kommunalen Werke erneuert. So soll ein Wasserleitungsringschluss für 880’000 Franken realisiert und drei Massnahmen aus der generellen Entwässerungsplanung für 410’000 Franken umgesetzt werden.

Zudem soll ein Regenüberlauf für 264’000 Franken saniert und die Brücke beim Gemeindehaus erneuert werden. Diese ist in einem schlechten Zustand und wurde als Sofortmassnahme 2018 für den Auto- und den Lastwagenverkehr gesperrt. Hier ist noch unklar, ob die bestehende Brücke saniert oder ein Ersatzneubau realisiert wird. Die Kosten dürften sich auf maximal 77’000 Franken belaufen.