Herbstbeginn
Die Mostereien laufen so früh, wie kaum einmal – und der diesjährige Apfelmost wird wunderbar süss

Bereits Mitte August sind die ersten Mostereien angelaufen. Das ist deutlich früher als im langjährigen Durchschnitt. Grund dafür ist vor allem die lange Trockenperiode in den Monaten Juli und August. Die sorgt für eine etwas kleinere Ernte – aber auch dafür, dass die Äpfel viel Süsse entwickeln konnten.

Nadine Böni
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Auch 2018 ging es schon im August los: Bei Dieter Bürgi läuft die Mosti bereits seit einigen Tagen.

Auch 2018 ging es schon im August los: Bei Dieter Bürgi läuft die Mosti bereits seit einigen Tagen.

Nadine Böni (14. August 2018)

Das hat Ernst Schlienger noch nicht erlebt. Er betreibt in Hellikon die «Fledermosti». Und die lief in diesem Jahr am 12. August zum ersten Mal – so früh wie noch nie, seit in der historischen Mosti in Hellikon Äpfel gepresst werden.

Ähnlich tönt es bei anderen Mostereien im Fricktal. Bei Dieter Bürgi in Olsberg etwa oder auch bei Daniela Birri, die mit ihrem Mann Ruedi in Zeihen mostet. Mindestens zwei Wochen früher als im langjährigen Durchschnitt habe die Apfelernte und die Mosterei begonnen, sind sie sich einig.

Bäume lassen Früchte fallen

Überraschend kam der frühe Saisonstart für die Mostereien allerdings nicht: Auch viele andere landwirtschaftliche Kulturen waren in diesem Jahr aufgrund der Witterung früher dran – so etwa auch die Kirschen Anfang Sommer. «Wir haben deshalb damit gerechnet, dass es schon Mitte August losgehen könnte», sagt Schlienger.

Hauptgrund für den frühzeitigen Erntestart ist die lange Trockenperiode in den Monaten Juli und August. Dieter Bürgi sagt:

«Einige Bäume haben wegen der langen Trockenheit einen Teil der Früchte fallen lassen.»

Durch den vorzeitigen Fruchtfall schützen die Bäume den Rest der Ernte, da sie so ausreichend Energie für deren Versorgung aufbringen können. Einige Kundinnen und Kunden hätten in den vergangenen Tagen und Wochen denn auch Äpfel in die Mosti gebracht, die von den Bäumen gefallen waren, sagt Schlienger.

Weniger und kleinere Äpfel

In der historischen Fledermosti in Hellikon landen schon die ersten Äpfel in der Presse.

In der historischen Fledermosti in Hellikon landen schon die ersten Äpfel in der Presse.

Zvg / FRI

Der Fruchtfall hat einen Einfluss auf die zu erwartende Erntemenge. Der Schweizer Obstverband schätzt, dass schweizweit rund 74’000 Tonnen Mostäpfel und gut 5000 Tonnen Mostbirnen geerntet werden. Zum Vergleich: 2020 waren es 86’000 Tonnen Mostäpfel und -birnen, im vergangenen Jahr wegen Frost und viel Nässe im Sommer nur 67’000 Tonnen.

Hinzu kommt, dass die einzelnen Früchte weniger Flüssigkeit enthalten. Aus einer 30-Kilogramm-Harasse voller Äpfel hätten sie in vergangenen Jahren rund 25 Liter Most gepresst, sagt Ernst Schlienger. In diesem Jahr sind es etwa 20 Liter. Auch bei Birris in Zeihen sind die Äpfel nicht so ergiebig, wobei Daniela Birri sagt: «Gibt es in den kommenden Wochen genügend Regen, können die Früchte auch noch etwas ziehen.»

Noch etwas Zeit zum Reifen

Immerhin: Auf die Qualität des Mosts hat dies keinen Einfluss. Die Trockenperiode hat allerdings auch hier Auswirkungen. Die vielen Sonnenstunden haben einen positiven Einfluss, wie der Schweizer Obstverband schreibt:

«Das Mostobst ist aromatischer und süsser als in anderen Jahren.»

Das können die Fricktaler Mostereien teilweise so bestätigen: «Die Äpfel konnten eine wunderbare Süsse entwickeln, die auch im Most zu schmecken sein wird», sagt etwa Dieter Bürgi. Etwas anders tönt es bei Daniela Birri in Zeihen. «Die Äpfel hatten teilweise gar nicht genügend Zeit, um richtig zu reifen», sagt sie. Sie wünscht sich deshalb, dass die Früchte noch ein paar Tage oder Wochen reifen können – «dann wird es ein tolles Mostjahr».