Der Vorwurf ist happig: Im Pflegewohnheim Föhrengarten in Eiken soll so wenig Pflegepersonal arbeiten, dass die Bewohner beispielsweise nicht tagsüber, sondern erst am Abend geduscht und gebadet werden können. Die Nachtschicht habe diese Aufgabe jeweils übernehmen müssen, sagt eine Pflegerin gegenüber der «Schweiz am Wochenende». Sie ist seit einiger Zeit krankgeschrieben und möchte nicht namentlich genannt werden. Eine weitere Angestellte – auch sie ist derzeit krankgeschrieben und will anonym bleiben – sagt: «Mehreren Mitarbeitern wurde in den letzten Monaten gekündigt. Es hiess, man müsse sparen.» Andere seien krankgeschrieben, weil sie den Druck nicht mehr ausgehalten hätten.

Beide Frauen arbeiten bereits seit mehreren Jahren im «Föhrengarten». Lange Zeit gerne, wie sie betonen. Die Probleme hätten erst begonnen, als die Föhrengarten GmbH im vergangenen Jahr in eine AG umgewandelt worden sei. Der Personalmangel habe unter anderem auch zur Folge gehabt, dass Bewohner mit Beruhigungsmitteln ruhig gestellt wurden oder unter Infektionen litten, schildert die Pflegerin die Zustände im «Föhrengarten» aus ihrer Sicht. Kurz: «Es ist eine gefährliche Pflegesituation.» Die Heimleitung widerspricht.

Kanton verfügte Aufnahmestopp

Solche drastischen Worte wählt man beim kantonalen Departement für Gesundheit und Soziales (DGS) nicht. Auf die Frage, ob der Kanton gegenüber dem «Föhrengarten» Massnahmen verfügt habe, spricht die stellvertretende Leiterin Kommunikation des DGS, Anja Kopetz, aber doch von einem «Personalengpass»: «Aufgrund des Personalengpasses wurde ein Aufnahmestopp verfügt, bis die Personaldotation wieder eine Vollbelegung zulässt.»

Man sei aufgrund der aktuellen Umstände – ein Wechsel auf Heimleiterebene sowie Änderungen bei der Trägerschaft – in engem Kontakt mit den verantwortlichen Stellen des Heims, so Kopetz weiter. «Die Trägerschaft hat das DGS schon vor einigen Monaten von sich aus kontaktiert.» Von Bewohnern oder Angehörigen seien dagegen beim Kanton keine Meldungen eingegangen, sagt Anja Kopetz. Sie betont, dass das DGS regelmässig «die Stellendotation sowie weitere bewilligungsrelevante Kenngrössen» prüfe. Für das laufende Jahr sei im «Föhrengarten» ausserdem ein reguläres Audit geplant. Solche Audits finden in allen Heimen alle vier Jahre statt. Generell werden dabei die im Rahmen des Qualitätsreportings gemachten Angaben überprüft. Hinzu kommen laut Kopetz bei Bedarf zusätzliche Betriebsbesuche respektive Inspektionen.

Und wie reagiert man im «Föhrengarten« selber auf die Schilderungen und Vorwürfe? Heimleiterin Christine Hunziker, die erst seit drei Wochen im Amt ist, spricht nicht von einem Aufnahmestopp. «Wir überprüfen die Aufnahme von neuen Bewohnern aufgrund der Qualifikation der Mitarbeitenden», so Hunziker. In einem konkreten Fall habe sie gemeinsam mit dem Kanton entschieden, einen Patienten mit sehr hoher Pflegebedürftigkeit nicht aufzunehmen. Im «Föhrengarten» wohnen gemäss der Heimleiterin derzeit 20 Personen. Die Anzahl der Mitarbeitenden entspreche den Qualitätsvorgaben des DGS. «Die Personalsituation ist geregelt», sagt Hunziker.

Heimleitung ist befremdet

Zu den Vorwürfen der beiden Mitarbeiterinnen, wonach die Bewohner unter den Zuständen leiden, sagt die Heimleiterin: «Meine Einschätzung der Situation entspricht nicht diesen Vorwürfen.» Sie habe bislang auch nie davon gehört. «Es befremdet mich sehr, wenn Mitarbeitende das Berufsgeheimnis missachten und nicht direkt mit den Verantwortlichen Kontakt aufnehmen, um solche Fragen zu klären.»