Frick

Heilpädagogische Schule: Eltern wehren sich gegen den neuen Standort

Die HPS in Frick soll im Sommer 2021 geschlossen werden.

Die HPS in Frick soll im Sommer 2021 geschlossen werden.

Mit einen Antrag wollen Eltern für den Erhalt des Schul-Standorts Frick kämpfen – Gemeindeammann Daniel Suter sagt, es gebe kein Zurück.

Es rumort weiter an der Heilpädagogischen Schule (HPS) in Frick. Viele der 46 Eltern können und wollen sich nicht damit abfinden, dass die Schule im Sommer 2021 geschlossen und ins ehemalige Oberstufenzentrum nach Mumpf verlegt wird.

So hat es die Stiftung MBF entschieden, die im Sommer 2020 die Trägerschaft der HPS in Frick und Rheinfelden von den beiden Gemeinden übernimmt und die neue HPS Fricktal ein Jahr später in Mumpf konzentrieren will.

Gegen die Übernahme der Trägerschaft durch die Stiftung MBF haben die Eltern nichts. Viele Eltern halten aber den Standort für völlig ungeeignet und den Schulweg für gefährlich. Sie befürchten eine Isolation respektive Separation der Kinder und werfen den Gemeinden implizit auch Wortbruch vor.

Denn in der Botschaft zur Gemeindeversammlung im Juni 2018 hiess es bei beiden Gemeinden: «Die beiden Schulstandorte sollen vorerst bestehen bleiben.»
Die Eltern wollen das nicht einfach so hinnehmen. Auf Facebook ruft Teresa Urso im Namen der Eltern der HPS-Schüler die Fricker dazu auf, an die Gemeindeversammlung zu gehen.

Hier wollen die Eltern einen Antrag stellen, dass der Standort Frick erhalten bleibt. Denn viele Eltern seien extra wegen der HPS nach Frick gezogen. «Wir Eltern von 46 Schülern haben keine Chance», heisst es im FacebookEintrag. Man brauche deshalb die Unterstützung aller, «die unsere Meinung teilen».

Gibt es überhaupt die Möglichkeit, den Entscheid noch zu kehren? Ja, sagt Martin Süess, Leiter Rechtsdienst bei der Gemeindeabteilung des Kantons. Grundsätzlich könne die Gemeindeversammlung einen von ihr gefällten Beschluss in Wiedererwägung ziehen. Dazu gebe es zwei Möglichkeiten.

«Die Stimmberechtigten können einerseits unter dem Traktandum ‹Verschiedenes› einen sogenannten Überweisungsantrag stellen», so Süess. Stimme die Versammlung diesem Antrag zu, habe der Gemeinderat das Geschäft an der nächsten Versammlung zu traktandieren.

«Anderseits können die Stimmberechtigten auch eine Initiative auf Wiederwägung ergreifen.» Komme diese durch die Unterschrift von 10 Prozent der Stimmberechtigten zustande, müsse diese der Gemeindeversammlung zur Beschlussfassung vorgelegt werden.

Daniel Suter weiss um die rechtliche Möglichkeit, sieht aber allein schon aus praktischen Gründen keine Möglichkeit, auf den Entscheid zurückzukommen. Es sei nicht möglich, neun Monate vor dem Start der neuen Schule aus dem Projekt auszusteigen.

«Das würde auch gegen Treu und Glauben gegenüber der Stiftung MBF verstossen, die im Vertrauen auf den Gemeindeversammlungsbeschluss umfangreiche Vorleistungen getätigt hat.» Dann spricht Suter Klartext: «Es gibt aus meiner Sicht kein Zurück.»

HPS Frick wäre bei einem Alleingang nicht gesichert

Die Zusammenführung der beiden Schulen in Mumpf im Sommer 2021 fällt laut Suter zudem in den alleinigen Kompetenz- und Verantwortungsbereich der Stiftung MBF. «Die Fricker Gemeindeversammlung kann diese Entscheide nicht beeinflussen.» Bis Ende Juli 2020 habe die Einwohnergemeinde Frick den Auftrag vom Kanton für die Führung der HPS.

«Per August 2020 wird dieser vom Kanton an die Stiftung MBF übertragen.» Wie die Gemeinde Frick heute unterstehe künftig die Stiftung MBF bei der Führung der HPS der Aufsicht des Kantons. Dieser hat dem neuen Standort grundsätzlich zugestimmt.

«Der Gemeinderat und die Schulpflege arbeiten zusammen mit der Stiftung MBF und der Stadt Rheinfelden mit grossem Engagement daran, dass für die Schülerinnen und Schüler keine Nachteile entstehen», versichert Suter.

Er mahnt, dass die HPS in Frick bei einem Alleingang nicht gesichert wäre. Beide Schulen, also jene in Rheinfelden und Frick, seien klein und insbesondere die Weiterführung der Werkstufe deshalb nicht gesichert.

Mit der Zusammenlegung der Schulen könne die erforderliche Mindestgrösse für die Zukunft erreicht werden. «Damit kann das übergeordnete Ziel gesichert werden, dass im Fricktal auch mittel- und langfristig eine Heilpädagogische Schule erhalten bleibt.»

Suter rechnet vor, dass der Bestand der Fricker Schule zum Zeitpunkt der Gemeindeversammlung im Sommer 2018 nur mit zehn Zuweisungen aus dem Bezirk Rheinfelden erreicht werden konnte. «Das Risiko, dass die Fricker HPS die erforderliche Mindestgrösse aus eigener Kraft nicht erreicht, war und ist real.»

Suter versteht den Unmut der Eltern. Die HPS in Frick liege zentral und befinde sich nahe der Regelschule. Die Lage des neuen Standorts in Mumpf berge im Vergleich dazu Nachteile. Den impliziten Vorwurf der Eltern, wortbrüchig zu werden, weist Suter zurück und weist auf das «vorerst» in der Formulierung hin. «Dies entsprach dem damaligen Stand der Verhandlungen zwischen der Stadt Rheinfelden, der Stiftung MBF und der Gemeinde Frick.»

Die Zusammenführung erfolge drei Jahre später. In der Projektbearbeitung habe sich rasch gezeigt, dass die Führung und die Kommunikation, aber auch logistische Belange wie die Verpflegung einer fusionierten HPS bei nur einem Standort deutlich einfacher umgesetzt werden können. «Dieses Bewusstsein bestand im Sommer 2018 noch nicht», betont Suter.

Er relativiert auch etwas die Aussage, dass viele Eltern extra wegen der HPS nach Frick gezogen seien. Im Frühsommer 2018, als das Geschäft vor den Souverän kam, «wohnten von 47 Schülerinnen und Schülern nur gerade 9 in Frick».

Suter erinnert zudem daran, dass für Schüler, die den Schulweg nicht selbstständig mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewältigen können, schon heute ein Transportdienst mit einem Schulbus bestehe. «Dies wird auch unter der Führung der Stiftung MBF so sein.»

Die beiden Schulleitungen gehen

Viele Eltern sind auch unglücklich, dass die beiden Schulleitungen die Zusammenführung zu einer Schule nicht mitgestalten wollen und gekündigt haben. Mehrere Heilpädagogen gehen ebenfalls nicht mit. Damit verlieren die Kinder einen Teil ihrer Bezugspersonen, was gerade bei Kindern mit besonderen Bedürfnissen schwer wiegt.

«Wir bedauern es, dass vom bestehenden, sehr kompetenten und engagierten Team nicht alle in der neuen Organisation mitmachen», sagt Suter. «Dass es bei Zusammenschlussprojekten zu personellen Veränderungen kommt, ist jedoch nichts Aussergewöhnliches.» Er verweist zudem auf den neu gewählten Schulleiter, Urs Jakob. Der Stiftung MBF sei es gelungen, «einen kompetenten Schulleiter für die HPS Fricktal zu gewinnen».

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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