Gesundheit
«Es reicht, an einer Hecke vorbeizugehen»: Wo das Risiko für einen Zeckenstich im Fricktal besonders hoch ist

In den Waldungen zwischen Wallbach und Möhlin oder entlang des Rheins zwischen Etzgen und Rheinsulz ist die Gefahr besonders gross, von einer Zecke gestochen zu werden. Doch auch in den Siedlungsgebieten lauern die Parasiten. Expertinnen und Experten empfehlen eine Impfung – vor allem als Schutz vor einer gefährlichen Krankheit.

Dennis Kalt
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Durch ihren Stich können Zecken Krankheitserreger, die etwa zu Borreliose oder FSME führen, übertragen.

Durch ihren Stich können Zecken Krankheitserreger, die etwa zu Borreliose oder FSME führen, übertragen.

Stephan Jansen / Keystone

Wer auf die Risikokarte für Zecken des Bundesamts für Gesundheit schaut, sieht vor allem eines: rot. So empfiehlt das Amt denn auch allen Menschen in den meisten Regionen – Ausnahme sind die Kantone Genf und Tessin – ab sechs Jahren, sich gegen die sogenannte Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) impfen zu lassen. Dies mit gutem Grund: Die durch Zecken übertragene Krankheit kann im schlimmsten Fall zu einer tödlich verlaufenden Hirnhautentzündung führen.

Gemäss der Liga für Zeckenkranke Schweiz fühlen sich die Blutsauger dort, wo es Flüsse, Feuchtigkeit und Mischwald hat – und Wirte wie Tiere oder Menschen – besonders wohl. Wenig verwunderlich also, dass das Fricktal mit seinen vielen Bächen und Flüssen, dem Rhein und seinen acht Naturwaldreservaten für die Zecken prädestiniert ist.

Viele Stiche auch im Siedlungsgebiet

Dies zeigt sich auch an der Gefahrenkarte der App «Zecke», die das Zeckengefahrenpotenzial für die komplette Schweiz kleinräumig auf einer fünfstufigen Skala einordnet. Als «Sehr gross» – die höchste Risikostufe – wird etwa die Gefahr entlang des Rheins zwischen Etzgen und Rheinsulz eingestuft. Gleiches gilt für den Rheinuferweg zwischen Möhlin und Rheinfelden. Aber auch die kompletten Waldungen zwischen Wallbach und Möhlin leuchten rot.

Doch längst nicht nur in Waldungen und entlang von Feuchtgebieten lauert im Fricktal die – zumeist – unsichtbare Gefahr. Gleich sechs Zeckenstich-Stellen zeigt die App im Siedlungsgebiet von Möhlin oder zumindest in dessen unmittelbarer Nähe an; in Magden etwa sind es vier und in Gipf-Oberfrick deren drei.

Katrin Ellgehausen, Inhaberin der Rheinfelder Kapuziner-Apotheken an der Baslerstrasse und am Stadtweg, sagt, dass ab und an Kundinnen und Kunden vorbeikämen, denen sie eine Zecke entfernen müsse – nicht nur, nachdem die Leute im Wald waren. Sie sagt:

«Manchmal reicht es schon aus, wenn man an einer Hecke vorbeigeht.»

Gegen FSME impfen auch die beiden Rheinfelder Kapuziner-Apotheken. Oftmals seien es Wanderer, Bikerinnen oder aber auch Mitarbeitende der Stadt, die zur Impfung vorbeikämen. Die Zahl der FSME-Impfwilligen bewege sich etwa zwischen fünf und zehn pro Monat, steige dann aber im Frühling, wenn es warm wird, stark an. Die zwei FSME-Impfdosen werden in einem Abstand von rund zwei Wochen verabreicht. «Nach der zweiten Impfung besteht dann schon ein recht guter Schutz», sagt Ellgehausen.

311 FSME-Fälle wurden 2022 gemeldet

Auch Ellgehausen befürwortet im Einklang mit der Empfehlung des Bundes eine FSME-Impfung. So ist die Zecke seit Jahren auf dem Vormarsch. Denn während sich die jährlich gemeldeten FSME-Fälle – im Zeitraum von Januar bis August – noch vor 2017 stets unter der 200er-Marke bewegten, liegen sie seitdem immer darüber.

So wurden bis Ende August des laufenden Jahres 311 Fälle gemeldet. Das sind bereits 32 Fälle mehr als im Vorjahr, aber gleichzeitig weniger als 2020, in dem mit 397 Fällen ein trauriger Rekord aufgestellt wurde.