Madame Frigo

Gemüse, Joghurt und Brot: Foodsharing-Station in Rheinfelden läuft gut an

Ein Blick in «Madame Frigo» in Rheinfelden Mitte Juli.

Ein Blick in «Madame Frigo» in Rheinfelden Mitte Juli.

Die Foodsharing-Station in einer leerstehenden Telefonzelle in Rheinfelden ist gut angelaufen. Bislang musste nichts weggeworfen werden.

Madame Frigo hat gehörig Hunger. Das freut Béa Bieber. «Die Foodsharing-Station ist sehr gut angelaufen», erklärt die Mitinitiantin des Projekts. Zusammen mit vier weiteren Stationspaten aus dem Kreis der GLP Rheinfelden/Fricktal betreut sie die Station, die Anfang Juni in einer ausgedienten Telefonzelle am Bahnhof in Rheinfelden eingerichtet wurde. «Der Standort ist ideal, denn der Bahnhof ist viel frequentiert», so Bieber.

Das Konzept ist simpel: Wer Lebensmittel hat, die er nicht braucht, bringt sie vorbei und legt sie in den Kühlschrank oder auf das Gestell. Und wer etwas will, kann es mitnehmen. Es ist ein Geben und Nehmen, von dem alle drei profitieren: der Geber, der Nehmer und die Umwelt. Es sei nicht in erster Linie ein soziales Projekt, sagt Bieber, sondern ein Projekt gegen Foodwaste. «Wenn es zugleich einen sozialen Zweck erfüllt, ist das umso besser.»

Die ersten sieben Wochen zeigen: An Madame Frigo übergeben werden in erster Linie Gemüse, Joghurt und Brot. «Gerade Brot kaufen viele Leute mehr als sie brauchen», hat Bieber festgestellt. Sie lacht. «Manchmal sind die Augen wohl einfach grösser als der Magen.»

Im Schnitt sind Kühlschrank und Gestell etwa zu einem Viertel gefüllt, sagt Bieber. «Gerade nach Feierabend ist es aber auch schon vorgekommen, dass nichts mehr im Kühlschrank lag.» Ein gutes Zeichen, findet sie. Was sie vor allem freut: «Wir mussten noch nie etwas wegwerfen.» Auch von Vandalismus blieb die Foodsharing-Station bislang verschont.

Mehr im Kühlschrank bei Ferienbeginn

Der Kühlschrank wird vom GLP-Team täglich kontrolliert und bei Bedarf gereinigt. «Bis jetzt gab es keine Probleme», sagt Bieber. Sie ist selber jeweils gespannt, was im Kühlschrank liegt. «Mit etwas Kombiniergeist hätte man schon die tollsten Menus auf den Tisch zaubern können.» Wer den Kühlschrank nutzt, lässt sich laut Bieber nur schwer abschätzen. Da gibt es die Gib-und-nimm-Fraktion, also jene, die etwas in den Kühlschrank legen und gleichgleichzeitig etwas anderes herausnehmen. «Meist ist aber wohl so, dass man entweder etwas bringt oder etwas holt», glaubt Bieber.

Gemerkt hat das Team auch den Ferienbeginn. «Dann haben viele zu Hause ihren Kühlschrank gelehrt und das nicht mehr Benötigte vorbeigebracht.» Die Regeln dabei sind klar: In die Station hinein dürfen Obst, Gemüse, Backwaren, verpackte und verschlossene Produkte. Draussen bleiben müssen Alkohol, Fleisch, Fisch, selbst Gekochtes und schon Geöffnetes. Willkommen ist auch selbst Gepflücktes. «Gefreut habe ich mich, als eines Tages selbst gepflückte Kirschen in der Telefonzelle standen», so Béa Bieber. «Es ist toll, wenn man das, was man selber nicht braucht, anderen zur Verfügung stellt.»

Gefreut haben sie auch die vielen positiven Rückmeldungen  – auch von den SBB, die der GLP die Telefonzelle vermieten. «Das Projekt hat sich gelohnt, ist Bieber überzeugt. Sie wünscht sich, dass noch mehr Leute das Angebot nutzen, damit es in Rheinfelden auch in Zukunft heisst: Bei Anruf, Madame Frigo.

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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