Gemeindefinanzen
Rheinfelden und Frick trennen Welten: Die Stadt hat ein volles Kässeli, die Zentrumsgemeinde einen Schuldenberg

Den Fricktaler Gemeinden geht es finanziell mehrheitlich gut. Das zeigt ein Blick in deren Kässeli. Allerdings gibt es grosse Unterschiede zwischen dem oberen und dem unteren Fricktal, wie auch zwischen einzelnen Gemeinden. Während Frick mittlerweile auf einem Schuldenberg von 12 Millionen Franken sitzt, hat Rheinfelden sein Vermögen fast vervierfacht.

Thomas Wehrli
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Die reichste Gemeinde in Fricktal: Rheinfelden hat ein Vermögen von 98 Millionen Franken.

Die reichste Gemeinde in Fricktal: Rheinfelden hat ein Vermögen von 98 Millionen Franken.

Hans Christof Wagner (11. Februar 2021)

Den Fricktaler Gemeinden geht es – insgesamt – blendend. Zusammen verfügen die 32 Gemeinden in den Bezirken Laufenburg und Rheinfelden über Vermögen von gut 208,6 Millionen Franken. 26 Gemeinden weisen dabei ein Vermögen aus, nur sechs haben Schulden. Dies zeigt eine Auswertung der Gemeindefinanzstatistik 2021.

So hat sich das Vermögen der Fricktaler Gemeinden verändert

Gemeinde* Nettoschuld 2021 in Mio,* Nettoschuld 2011 in Mio,* Veränderung 2011-2021**
Rheinfelden–98–28,6–69,4
Kaiseraugst–26,54,7–31,1
Stein–23,21,4–24,6
Sisseln–17,5–9,6–7,9
Magden–13,6–2,4–11,2
Zeiningen–9,50,5–10
Möhlin–9,215,4–24,6
Herznach–6,21,9–8,1
Wallbach–5,95,8–11,7
Oeschgen–4,9–0,8–4,1
Hornussen–3,71,3–5

Dass dabei 31 Fricktaler Gemeinden durchaus etwas neidisch auf eine Gemeinde blicken, hat einen nachvollziehbaren Grund: Fast die Hälfte des Fricktaler Vermögens, nämlich satte 98 Millionen Franken, hortet diese eine Gemeinde – Rheinfelden. Stadtschreiber Roger Erdin sagt:

Roger Erdin, Stadtschreiber Rheinfelden.

Roger Erdin, Stadtschreiber Rheinfelden.

Claus Pfisterer/Zvg
«Rheinfelden hat in den vergangenen Jahren einen steten und qualitativ hochstehenden Wohnungsbau und damit ein kontinuierliches entsprechendes Bevölkerungswachstum erfahren.»

Dies hat dazu geführt, dass der Pro-Kopf-Steuerertrag erheblich gesteigert werden konnte. «Gleichzeitig führte eine umsichtige Finanzpolitik zur heute stabilen und komfortablen Ausgangslage für bevorstehende Investitionen», so Erdin weiter. Und die sind ansehnlich: Der Stadtrat rechnet in den nächsten zehn Jahren mit Investitionen von rund 150 Millionen Franken – unter anderem für die Entwicklung des Bahnhofareals.

Profitiert haben von der komfortablen Situation in Rheinfelden auch die Einwohnerinnen und Einwohner. Der Steuerfuss sank seit 2009 in vier Etappen von 110 auf 90 Prozent.

Im unteren Fricktal ist der Finanzhimmel blauer

Ebenfalls mehr als 20 Millionen Franken haben Kaiseraugst und Stein auf der hohen Kante. Generell fällt auf: Die Finanzsonne scheint im unteren Fricktal doch um einiges kräftiger. Die 14 Gemeinden im Bezirk Rheinfelden kommen zusammen auf Vermögenswerte von 190,6 Millionen, die 18 im oberen nur auf 18,1 Millionen Franken.

Das deutlich schlechtere Abschneiden liegt zum einen daran, dass es im oberen Fricktal keine superreiche Gemeinde gibt – mit Ausnahme von Sisseln, das auf ein Vermögen von 17,5 Millionen Franken kommt. Zum anderen liegt es auch daran, dass die beiden Gemeinden mit der höchsten Verschuldung, Frick und Laufenburg, im oberen Fricktal liegen – und dies sich negativ auf die Vermögensbilanz des Bezirks auswirkt.

Schlusslicht in Sachen Vermögen ist Frick: Die Zentrumsgemeinde im oberen Fricktal hatte Ende 2021 12,2 Millionen Franken Schulden (siehe Interview unten).

«Eine Steuerfusserhöhung ist nicht vom Tisch»

Frick hat aktuell 12,2 Millionen Franken Schulden. Nur acht Gemeinden im ganzen Kanton haben höhere Schulden. Woran liegt’s? Gemeindeammann Daniel Suter nimmt Stellung.

Weshalb ist die Verschuldung in Frick so hoch?

Daniel Suter: Die Verschuldung ist in Frick seit Jahren vergleichsweise hoch. Hintergrund dafür ist hauptsächlich eine zu tiefe Selbstfinanzierung im Vergleich zu den getätigten Investitionen. Im Gegenzug profitierte die Bevölkerung jahrelang von einem vergleichsweise tiefen Steuerfuss.

Frick ist ein regionales Zentrum. Hat auch dies Auswirkungen auf die Finanzen?

Dank der zahlreichen regionalen Aufgaben und Zentrumsfunktionen verfügt die Gemeinde über eine umfangreiche Infrastruktur, die es zu erhalten gilt. Dazu zählen der regionale Oberstufenstandort mit Sporthallen und Aussenanlagen, das Hallen- und Freibad wie auch das Feuerwehrmagazin der Stützpunktfeuerwehr und das Polizeigebäude, das einen Posten der Kantonspolizei und der Polizei Oberes Fricktal beherbergt. Um diese Anlagen in gutem Zustand erhalten zu können, waren und sind regelmässig Instandhaltungsinvestitionen erforderlich.

Daniel Suter, Gemeindeammann Frick.

Daniel Suter, Gemeindeammann Frick.

Zvg / Aargauer Zeitung

Ist eine so hohe Verschuldung nicht besorgniserregend?

Die Schulden haben sich in den letzten Jahren nicht stark erhöht. Bei der Kennzahl der Verschuldung pro Kopf werden zudem nur die Steuererträge herangezogen, die Schulgelder und weiteren Abgeltungen für die vielfältigen Leistungen für die Gemeinden der Region dagegen nicht. Insofern ist die Bedeutung dieser Kennzahl für die Zentrumsgemeinde Frick zu relativieren. Dass diese Beiträge in unserer Erfolgsrechnung von grosser Bedeutung sind, zeigt sich am Jahresumsatz von rund 35 Millionen, wobei die Steuererträge davon nur rund 15 Millionen ausmachen.

Muss nicht auch die Selbstfinanzierung erhöht werden?

Doch, um einen starken Anstieg der Verschuldung vermeiden zu können, muss mittelfristig eine höhere Selbstfinanzierung aus der Erfolgsrechnung erzielt werden können, damit ein grösserer Teil der Investitionen aus eigenen Mitteln gedeckt werden kann. Angesichts der Zinswende erhält dieses Anliegen zusätzliches Gewicht.

Was tut die Gemeinde, um die Verschuldung zu senken?

Im Rahmen der Budgetierung wie auch bei der Finanz- und Investitionsplanung wird noch mehr als sonst schon zwischen notwendigen und wünschbaren Aufgaben unterschieden. Das Sparpotenzial ist jedoch eng begrenzt, zumal der grösste Teil der Ausgaben einer Gemeinde gebunden ist und in den vergangenen Jahren Kostensteigerungen insbesondere bei solchen Ausgaben zu verzeichnen waren. Aus diesem Grund ist auch in den nächsten Jahren das Thema einer Steuerfusserhöhung nicht vom Tisch. 

Mit anderen Worten: Zwischen Frick und Rheinfelden klafft ein Loch von satten 110 Millionen Franken. Das Schlusslicht abgeben kann Frick, wenn man die Vermögenswerte in Bezug zur Zahl der Einwohnenden setzt.

Mit einer Verschuldung von 2128 Franken pro Kopf liegt die Gemeinde hier «nur» auf dem fünftletzten Rang; höhere Schulden pro Kopf haben Schwaderloch, Münchwilen, Hellikon und Laufenburg. Spitzenreiter hier ist Sisseln mit einem Pro-Kopf-Vermögen von 10346 Franken, gefolgt von Rheinfelden mit 7144 Franken.

Vermögen gegenüber 2011 deutlich gesteigert

Vergleicht man die Verschuldung der Gemeinden mit jener von 2011, so fällt auf: Nur fünf Gemeinden – Schwaderloch, Hellikon, Frick, Münchwilen und Laufenburg – haben weniger Vermögen respektive höhere Schulden als vor zehn Jahren. Am stärksten fiel die Zunahme in Laufenburg mit einem Plus von 9,9 Millionen Franken aus.

Die Stadt hat aber in diesem Zeitraum auch ein Investitionspaket von 20 Millionen Franken geschnürt, um gezielt Liegenschaften in der Altstadt zu kaufen und zu sanieren. So will die Stadt das Steuersubstrat erhöhen. Stadtammann Herbert Weiss zog erst kürzlich Zwischenbilanz:

Herbert Weiss, Stadtammann Laufenburg.

Herbert Weiss, Stadtammann Laufenburg.

Zvg / Aargauer Zeitung
«Wir haben eine spürbare Dämpfung bei den Sozialhilfebezügern erreicht sowie eine Steigerung der natürlichen Steuereinnahmen.»

Insgesamt konnten die 32 Fricktaler Gemeinden zwischen 2011 und 2021 ihre Vermögenswerte um 242,2 Millionen Franken verbessern. Im oberen Fricktal liegt der Vermögenszuwachs bei 39,5 Millionen Franken, im unteren bei 202,7 Millionen Franken.

Auch in diesem Vergleich hat, man ahnt es, Rheinfelden die Nase vorn – und das um Kilometer: Das Vermögen in Rheinfelden stieg seit 2011 um 69,4 Millionen Franken an – mehr als doppelt so stark wie bei Kaiseraugst, der Nummer zwei im Vermögens-Hochspringen. Die Pharmagemeinde kommt auf ein Plus von 31,1 Millionen, gefolgt von Stein und Möhlin mit einem Vermögenszuwachs von je 24,6 Millionen.

Entsprechend hat sich auch die Nettoverschuldung pro Einwohnerin und Einwohner in den letzten zehn Jahren positiv entwickelt. 2011 wies der Bezirk Rheinfelden gesamthaft eine Verschuldung pro Kopf von 275 Franken aus, aktuell ist es ein Vermögen von 3917 Franken. Im Bezirk Laufenburg verwandelte sich das Minus von 715 Franken pro Kopf in ein Plus, also ein Vermögen, von 536 Franken pro Kopf.