Gansingen
Ein rätselhafter Stollen wird zum neuen Domizil für den Feuersalamander

Nach über einem halben Jahrhundert lässt der Naturschutzverein einen Schacht wieder öffnen, auf den ein Landwirt 1965 aus reinem Zufall stiess. In der Höhle sollen Amphibien, Reptilien und allenfalls Fledermäuse überwintern. Menschen haben aus Sicherheitsgründen keinen Zugang.

Dennis Kalt
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Ein neues Bauprojekt des Naturschutzvereins Gansingen kommt unter anderem dem Feuersalamander zugute.

Ein neues Bauprojekt des Naturschutzvereins Gansingen kommt unter anderem dem Feuersalamander zugute.

Arterra / Universal Images Group Editorial

Der Naturschutzverein öffnet in den Gansinger Hängen einen Stollen, der über ein halbes Jahrhundert lang verschlossen war. Hintergrund ist, dass nördlich des Bürensteigs ein neues Winterquartier für Amphibien, Reptilien und allenfalls Fledermäuse entstehen soll. Hierfür wird zunächst ein Bagger den überwachsenen Zugang freilegen.

Der Eingang des Stollens, so Meinrad Bärtschi vom Naturschutzverein, wird etwa ein Meter hoch und breit werden. Verlegt wird in den Stollen eine acht Meter lange Röhre mit einem Gitterabschluss am Eingang. Bärtschi sagt:

«Aus Sicherheitsgründen wird der Stollen für Menschen nicht zugänglich sein.»

Der Stollen würde etwa für den Feuersalamander eine typische Überwinterungsmöglichkeit bieten. So sind denn bereits bei einem Weiher des Naturschutzvereins ganz in der Nähe Feuersalamanderlarven domiziliert. Neben dem Eingang errichtet der Naturschutzverein zwei Mauern aus Natursteinen, die den Reptilien und Amphibien weiteren Lebensraum bieten.

Über die Jahresringe herausfinden, wie alt der Stollen ist

Wie alt der Stollen ist und zu welchem Zweck er dort angelegt wurde, ist für Bärtschi ein Rätsel. Da der Schacht teilweise mit Holz abgestützt ist, hat er vor, einen Querschnitt aus solch einem Stützbalken für eine dendrochronologische Untersuchung entnehmen zu lassen. «Über die Jahresringe im Holz könnte man herausfinden, wie alt der Stollen ist», sagt Bärtschi.

Aus zwei Artikeln im «Aargauer Volksblatt» von Mai 1965 geht hervor, dass die Entdeckung «des 62 Meter langen, stellenweise mannshohen Ganges» dem Zufall geschuldet war. So hatte sich damals ein Landwirt entschlossen, oberhalb des Dorfes eine Siedlung zu bauen und hierfür nach einer eigenen Wasserversorgung Ausschau zu halten. Mit einem Schaufelbagger wollte er eine Quelle fassen.

Damals wie heute kann über den Stollen nur spekuliert werden

«Als die Schaufel der Baumaschine gegen Felsmaterial vorstiess, öffnete sich plötzlich ein Spalt. Neues Wasser quoll hervor, man grub ihm nach und stand bald vor einer grösseren Höhlenöffnung. Der Gang führte in den Berg», schrieb der Redaktor damals. «Das rätselhafte an dem Fund ist, dass bis jetzt die Existenz des Stollens weder im Dorf bekannt noch im Gemeindearchiv etwas darüber zu finden war», heisst es weiter. Damals wie heute konnte über den Zweck des Stollens nur spekuliert werden.

Nach der Fassung der Quelle im Inneren des Stollens wurde der Eingang wieder zugeschüttet und blieb bis heute verschlossen. Geöffnet werden wird der Eingang zum ersten Mal wieder diesen Herbst. Bärtschi sagt:

«Dann beginnen die Bauarbeiten, damit die Amphibien sich schon allenfalls diesen Winter dort zurückziehen können.»

Bärtschi geht jedoch davon aus, dass es eine gewisse Zeit brauche, bis sich die Tiere in dem Stollen dereinst zu Dutzenden einfinden.