Wittnau
Für einen guten Essig brauchts wie beim Schnaps frische Produkte

Es ist Tradition, Dorfrundgänge in Juraparkgemeinden durchzuführen. Am Samstag konnte Parkpräsident Thomas Vetter in Wittnau rund zwei Dutzend Interessierte begrüssen.

Peter Bircher
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Joe Bründler (l.) präsentierte seine Fruchtessigproduktion. bi

Joe Bründler (l.) präsentierte seine Fruchtessigproduktion. bi

Peter Bircher

Die Rundtour durch Wittnau nahm Gemeindeammann Werner Müller beim Gemeindehaus zum Anlass, das Dorf vorzustellen. Es hat knapp über 1200 Einwohner und will eine gute Grundstruktur mit Schule, KMU im Dorf, Dorfladen und breitem Wohnungsangebot fördern und erhalten. Gemeindeleiter Christoph Küng stellte anschliessend den Interessierten die markanten, geschichtsträchtigen Gebäude, genau in der «Mitte zu den Oberen und Unteren» vor, das Pfarrhaus und die Kirche St. Martin.

Pfarrhaus war einst Propstei

Das historische Pfarrhaus, erbaut vom Kloster Mariastein, ist eigentlich eine Propstei, welche für die frühere Landgüterverwaltung gebaut wurde, aber auch für Mönche Altersdomizil war. Die Verbindungen zum Kloster sind noch heute eng, aber einen jähen Abbruch gab es 1870, als aufgrund des radikalen Zeitgeistes der letzte Benediktiner Wittnau verlassen musste. In der Kirche wurde die Baugeschichte aufschlussreich dargelegt. «Wittnau hat hier eine grosse Orgel, aber auch eine sehr gesangsfreudige Gemeinde», erklärte Küng.

Die Tour führte dann zu zwei Herstellern und Vermarktern von Regionalprodukten. Im «Kürbisland» von Familie Martin Hort-Graf beeindruckte die Vielfalt der Farben und Formen von Zier- und Speisekürbissen. Gegen 250 Sorten, klein und gross, in allen nur denkbaren Varianten sind ausgebreitet. Hier wird selbst vermarktet im Hofladen und in einer Verkaufsstation an der Talstrasse.

Direkt in der Obstanlage haben Joe und Astrid Bründler-Egli im Lagerschuppen die Produktionsanlage für sechs verschiedene Fruchtessigsorten aufgebaut. Sie haben mutig Neuland betreten und offensichtlich auch eine Marktlücke entdeckt. Zwei Produkte haben das Juraparklabel erhalten und der Obstbauhof konnte auch bei einem Grossverteiler einsteigen. «Es ist eigentlich wie bei Wein oder Schnaps. Für einen qualitativ guten Essig müssen wir hochwertige, frische Produkte einbringen. Mit irgendwelchem Rand- oder gar halbwegs Abfallprodukt hat dieser Fruchtessig rein gar nichts am Hut», betonte Bründler.

Staunen über Bodenfunde

Reinhard Henz ist seit 30 Jahren Fossiliensammler und in Wittnau immer wieder bei Wegböschungen oder Hangrutschungen fündig geworden. Was er am Rundgang präsentieren konnte, löste Staunen und Verwunderung aus. Vor allem der präsentierte Querschnitt eines grossen Ammoniten, aus der mittleren Jurazeit (brauner Jura) vor rund 165 Millionen Jahren stammend, warf ein kleines Blitzlicht in die gewaltigen Dimensionen der Erdgeschichte.

Den Abschluss bildet ein Einblick in die Altbachmühle, die in der achten Generation von der Familie Tschudi betrieben wird. Die Mühle ist heute Lieferant von sieben Bäckereien und 19 Verkaufsstellen für das beliebte Juraparkbrot, welches unter den Spezialsorten einen Spitzenrang erreicht hat. Im Gasthof Krone schloss die Runde bei einem Zobigteller, welcher die Gastro-Qualitäten mit Regionalprodukten im besten Lichte erscheinen liess.