Petition

«Frühere Inbetriebnahme ist nicht möglich»: Flugzug fährt erst im Dezember wieder

In Frick hält derzeit nur ein Schnellzug pro Stunde in beide Richtungen; der Flugzug Basel–Zürich Flughafen fällt bis Dezember aus.

In Frick hält derzeit nur ein Schnellzug pro Stunde in beide Richtungen; der Flugzug Basel–Zürich Flughafen fällt bis Dezember aus.

SBB-CEO Vincent Ducrot hat die Petition aus dem Fricktal beantwortet. Er bedauert die temporäre Streichung, hält aber daran fest.

Der Flugzug, der stündlich zwischen Basel und Zürich Flughafen verkehrt, ist den Fricktalern vor gut einem Monat davongeflogen. Der Grund: Die SBB hat zu wenig Lokführer und musste mehrere Verbindungen temporär bis zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember streichen. Darunter der IR36, besser bekannt als Flugzug.

Herbeigeflogen kam SBB-CEO Vincent Ducrot deshalb eine Petition aus dem Fricktal, die von 665 Personen unterzeichnet wurde. Die Forderung in der Petition, welche die beiden SP-Bezirksparteien auf petitio.ch, der Plattform der «Aargauer Zeitung», lanciert hatten, war eindeutig: Für die personellen Engpässe bei den Lokführern sei eine gerechte und zeitlich begrenzte Lösung ohne den Wegfall ganzer Zugverbindungen zu finden.

SBB muss diese Tür nutzen

«Es ist nicht fair, eine ganze Region dafür zu strafen», hielten die Initianten um Bezirkspräsident Rolf Schmid fest – umso mehr, als dass der Mangel «ein Resultat der jahrelangen Fehlplanung der SBB» sei. Eine Zeit-Tür öffneten die Petitionäre der SBB dabei: Spätestens mit dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember sei der Halbstunden im Fricktal wieder ohne Einschränkungen zu betreiben.

Diese Tür muss die SBB nutzen. Gemäss heutigem Planungsstand könne die SBB ab dem Fahrplanwechsel das Angebot in der Region Mitte inklusive dem Flugzug wieder vollumfänglich anbieten, schreibt Ducrot in seiner Antwort. Aber: «Eine frühere Inbetriebnahme des IR36 (Flugzug) ist leider nicht möglich. Dies würde Lokführerleistungen beanspruchen, die momentan nicht vorhanden sind», schreibt er weiter.

«Die Coronakrise hat die Situation verschärft»

Der SBB-CEO spricht von einer grossen Betroffenheit über die Situation und spricht die Fehler auch offen an. Ursache für den Unterbestand von gut 200 Lokführern seien «eine zu restriktive Ressourcendimensionierung der vergangenen Jahre und eine ungenügende Nachwuchsausbildung».

Diesen Planungsfehlern sei die SBB mit einer intensivierten Rekrutierung sowie der Anpassung der Klassenplanung für das Lokpersonal begegnet. «Die Coronakrise hat die Situation jedoch zusätzlich verschärft, da viele Weiter- und Ausbildungskurse während längerer Zeit nicht durchgeführt werden konnten.» Folglich würden sich der Abschluss der laufenden Ausbildungsklassen um zwei bis vier Monate verschieben.

Auswahl der Reduktion nach verschiedenen Kriterien

Und eben: Bis sich die Lage entspannt hat, geht es nicht ohne Einschränkungen im Fahrplan. «Jede Angebotsreduktion ist unerfreulich und wir verstehen Ihren Unmut bezüglich dieser Massnahme, insbesondere aufgrund der Fahrzeitverlängerung», schreibt Ducrot.

Doch weshalb fiel ausgerechnet der Flugzug der Ausdünnung des Fahrplans zum Opfer? Die Auswahl der Angebotsreduktionen erfolgte laut Ducrot nach verschiedenen Kriterien. «Ausdünnungen im Bahnangebot werden primär dort eingeleitet, wo der Personalbestand am kritischsten ist.» In der Region Mitte seien insbesondere die Lokpersonal-Standorte Olten, Aarau und Basel von den Unterbeständen betroffen.

Petitionäre sind nur halb zufrieden mit Antwort

Rolf Schmid ist mit der Antwort halb zufrieden. Positiv sei, dass sich Ducrot die Zeit genommen habe, die Petition zu beantworten. Leider sei ein frühzeitiger Betrieb des Halbstundentaktes nicht möglich. «Dies war jedoch zu erwarten, da sich personelle Probleme nicht in Luft auflösen.» Was Schmid stört: «Dass die Pandemiesituation als weitere Begründung dient, ist nicht neu, wohl aber auch einfach zweckdienlich.»

Positiv findet Schmid, dass die Rückmeldung durchaus selbstkritisch sei, auch in Bezug auf die Massnahmen und Tätigkeiten in der jüngeren Vergangenheit. Die Antwort bestätigt Schmid indirekt «unsere generelle Kritik am Abbau beim Service public beziehungsweise den Druck auf die bundesnahen Betriebe».

Eine Frage bleibt für Schmid für die Zukunft offen: «Wie die SBB sich auch zukünftig um die Attraktivität des Berufsstandes der Lokführer kümmern will.»

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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