Rheinfelden
Fricktaler Museum zeigt Stickereien einer Nonne, die einst begehrt waren

Im Fricktaler Museum in Rheinfelden sind neu blumenverzierte Paramente von Maria Scholastica An der Allmend zu sehen. Die Nonne, die im 18. Jahrhundert lebte, stickte auch auf Bestellungen – eine ganze Reihe von Klöstern wollte ihre Stickereien.

Cornelia Thürlemann
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In Olsberg (hier die Kirche und das ehemalige Kloster) sind die Meisterwerke von Maria Scholastica entstanden.

In Olsberg (hier die Kirche und das ehemalige Kloster) sind die Meisterwerke von Maria Scholastica entstanden.

«Die Namen der Nonnen, die Paramente gestickt haben, sind meistens unbekannt», berichtet Kathrin Schöb Rohner, Kuratorin des Fricktaler Museums in Rheinfelden. Dies, weil es den Stickerinnen streng untersagt war, ihre Werke zu signieren. Die Arbeit in den Nähstuben sollte einzig der Gemeinschaft und dem Lobe Gottes dienen.

Kloster Olsberg: Ort der Bildung

Das Kloster «Hortus Dei» (Garten Gottes) in Olsberg, gegründet 1246/47, ist das erste Zisterzienserinnenkloster im Gebiet der heutigen Schweiz. Die Zisterzienser waren ein Erneuerungsorden, der die ursprünglichen Ordensregeln von Benedikt von Nursia wieder einhalten wollte: ein Leben in Einfachheit. Die Zisterzienser bauten ihre Klöster meist in abgelegenen, unwirtlichen Gebieten, abseits der Städte. Maria Scholastica trat nach dem Dreissigjährigen Krieg in einer Phase des Wiederaufbaus ins Kloster Olsberg ein. 1790 wurde das Kloster in ein weltliches Damenstift umgewandelt, heute dienen die Räumlichkeiten als Schulheim.
Das Fricktaler Museum an der Marktgasse in Rheinfelden hat dienstags, samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. (cth)

War eine Nonne besonders begabt, sollte sie ihr Handwerk in Demut ausüben. Bei der Ordensvisitation von 1669 im Kloster Olsberg wurde ein weiteres Mal verboten, Stickereien mit Namen oder Familienwappen zu versehen. Da war Maria Scholastica bereits ins Kloster Olsberg eingetreten. Umso überraschender also, dass einige Werke eindeutig der Nonne zugeschrieben werden können.

An der Handschrift erkannt

Durch genaues Hinschauen und sorgfältige Recherche gelang es Robert Ludwig Suter (1912–1995) jedoch, eine Reihe kunstvoller Paramente einer bestimmten Nonne zuzuordnen: der Zisterzienserin Maria Scholastica An der Allmend aus dem Kloster «Hortus Dei» in Olsberg (1647–1722).

Suter war früher Pfarrer im Chorherrenstift Beromünster, später Archivar und Custor. Die Kabinettausstellung «Blüte & Blatt» im Fricktaler Museum zeigt nun vier kunstvolle Stickereien von Maria Scholastica – alles Leihgaben der Rheinfelder Stadtkirche.

Paramente sind Textilien, die während der Liturgie verwendet werden. Dazu gehören die Kasel (Messgewand des Priesters), Palla, Bursa, Velum und andere mehr – Bezeichnungen, die heute kaum mehr gebräuchlich sind. Die Stadtkirche St. Martin in Rheinfelden verfügt über einen äusserst grossen Schatz historischer Paramente, nur schon über 60 Messgewänder.

Kunstvoll bestickte Kasel (Messgewand) aus dem Barock, ein Werk der Olsberger Nonne Maria Scholastica.

Kunstvoll bestickte Kasel (Messgewand) aus dem Barock, ein Werk der Olsberger Nonne Maria Scholastica.

cth

Maria Scholastica An der Allmend entstammte einer Luzerner Patrizierfamilie, ihre Mutter hingegen war Französin. Ihr Vater hatte seine Gattin während seines Gardedienstes für den lothringischen Herzog in Frankreich kennen gelernt.

Die Familie zog wegen der Kriegswirren viel umher, darum ist der genaue Geburtsort des Mädchens unbekannt, ebenso ihr Taufname. Scholastica hatte sechs Geschwister, vier Brüder und zwei Schwestern. Als das Mädchen sieben Jahre alt war, kehrte die Familie nach Luzern zurück.

Bestellungen anderer Klöster

Maria Scholastica muss die französische Herkunft ihrer Mutter bewundert haben, denn in einem Brief schrieb sie: «mir duett Leid das ich kein französin bin von denen man mer Liberalitates, höflichkeit und fründlichkeit zue gewerten hate als von einer Schwytzin.»

Scholastica war also des Lesens und Schreibens kundig, was für eine Frau in der damaligen Zeit sehr ungewöhnlich war. Robert Suter vermutete, dass sie als Kind die Schule der Ursulinen am «Weggis» oder eine Klosterschule in Luzern besucht hatte. Dort hätte sie sich auch die Kenntnisse über die Paramentenstickerei aneignen können.

Scholastica erhielt mit 20 Jahren die Profess im Kloster Olsberg und wurde darauf zur Custorin, zur Hüterin des
Kirchenschatzes, ernannt. Zu ihren Aufgaben gehörte die Inventarisierung des Kirchenschatzes. Doch dieser war nach den Überfällen und Plünderungen während des Dreissigjährigen Krieges in einem desolaten Zustand. Scholastica hielt fest: «nit viel bsunders mehr», «schon zimmlich schmauslig» oder «ist zerrissen».

Doch dabei liess sie es nicht bewenden, sondern sie begann mit Geschick, neue Paramente zu sticken. Diese waren so schön und kunstvoll, dass Bestellungen von anderen Klöstern eintrafen, von Lützel, St. Urban, Gnadenthal, Muri, Hermetschwil, Maria Opferung in Zug oder den Chorherrenstiften Beromünster und Rheinfelden.

Vereinfacht und stilisiert

Maria Scholastica verwendete Silber- und Goldfäden, dazu Glasperlen und bunte Steine. Sie stickte Rosen, Pfingstrosen, Blätter und Ranken, nicht in naturalistischer Form, sondern vereinfacht und stilisiert. Die Blütenformen sind meist symmetrisch angeordnet. Die Vielzahl ihrer Werke lässt vermuten, dass Scholastica zeitweise ihre Entwürfe anderen zur Ausführung übergab.

Beim Sticken brauchte es Tageslicht, und die Zeit zwischen Sonnenauf- und -untergang und zwischen den Gebetszeiten war kurz bemessen. Weil ihre Stickereien so beliebt waren, durfte Scholastica in andere Klöster reisen, um dort Anleitungen für die Ausführung zu geben. Maria Scholastica starb 1722 im Alter von 75 Jahren im Kloster Olsberg – ihre Stickereien beeindrucken bis heute.

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