Fricktal
Wenn trotz Knappheit der Rasensprenger weiter sprüht: Appelle zum Wassersparen werden immer eindringlicher

Die Aufrufe an die Einwohnerinnen und Einwohner, Trinkwasser zu sparen, werden im Ton immer deutlicher. Ganz bewusst auf eine dramatische Tonalität hat jetzt die Gemeinde Wegenstetten gesetzt. Denn dort stossen die wiederholten Aufrufe noch immer längst nicht bei allen auf Gehör. Aber auf Einsicht müssen die Gemeinden bauen, denn zum Wassersparen zwingen können sie nicht.

Hans Christof Wagner
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Aufs Rasensprengen, fordern Gemeinden, sollten die Einwohnerinnen und Einwohner aktuell verzichten, aber manche tun es weiterhin.

Aufs Rasensprengen, fordern Gemeinden, sollten die Einwohnerinnen und Einwohner aktuell verzichten, aber manche tun es weiterhin.

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Der aktuelle Appell des Gemeinderats Wegenstetten lässt es an Deutlichkeit nicht fehlen. Er schreibt an die Einwohnerinnen und Einwohner des Dorfes:

«Die seit langem anhaltende Hitze und Trockenheit hat unsere Wasserreserven enorm verringert. Die Fördermenge ist im Vergleich zum April um satte 75 Prozent zurückgegangen.»

Hätten im April noch 827 Kubikmeter Wasser pro Tag aus den gemeindeeigenen Trinkwasserquellen gesprudelt, seien es im Juli nur 283 Kubikmeter gewesen. Und aktuell lieferten die Quellen gerade einmal noch 205 Kubikmeter pro Tag – Tendenz weiter fallend.

Und auch der Blick in die nahe Zukunft verspricht nichts Gutes: «Nachdem keine anhaltenden Regenfälle in Sicht sind, wird sich die Lage zuspitzen und die Möglichkeit zur Quellwasserbeschaffung werden weiter schrumpfen», schreibt der Gemeinderat.

Felix Wendelspiess ist Gemeindeammann von Wegenstetten.

Felix Wendelspiess ist Gemeindeammann von Wegenstetten.

zvg

Laut Gemeindeammann Felix Wendelspiess ist der aktuelle Aufruf des Gemeinderates zum Wassersparen 2022 nicht der erste, sondern der dritte. Er sagt:

«Wir haben schon im Juli zwei Aufrufe gemacht und die haben auch sehr gut gefruchtet. Der Verbrauch ist deutlich zurückgegangen. Aber manche scheren sich einfach nicht darum.»

Sie liessen weiterhin über Stunden ihre Rasensprenger laufen oder füllten sich ihre Pools mit dem derzeit so kostbaren und raren Nass. Immer wieder beobachteten das besorgte Anwohnende, meldeten es der Gemeinde und fragten, ob man die Wasserfrevler nicht büssen könne. Kann man wohl nicht. Aber die Gemeinde lässt gerade beim Kanton abklären., wie die Möglichkeiten sind.

So bleibt kaum mehr, als auf die Einsicht der Leute zu hoffen. Wenn der Verbrauch nicht sinke, könne es auch zu Problemen bei der Bekämpfung von Branden führen, warnt der Gemeinderat.

Grundwasser dient in Wegenstetten als Reserve

Nun will Wendelspiess bei den Einwohnerinnen und Einwohnern keine Ängste schüren, dass die Feuerwehr bald nicht mehr löschen kann und aus den Hähnen nichts mehr fliesst. Grundwasser stehe als Reserve bereit, niemand werde auf dem Trockenen sitzen. Aber: «Das Grundwasser haben wir jetzt schon anzapfen müssen, davon zehren wir aktuell schon.»

Für Wendelspiess hat das Thema Trinkwasser eine politische Dimension. Er verweist auf das Gemeindeseminar des Fricktal Regio Planungsverbands im Mai. Dort hatte Irina Nüesch, Leiterin der Sektion Trink- und Badewasser im Department Gesundheit und Soziales des Kantons, im Kampf gegen die Trockenheit für eine regionale Zusammenarbeit plädiert. Gemeinden mit viel Wasser sollten denen abgeben, die weniger haben. Aber Voraussetzung sei der Bau von Verbindungsleitungen und das sei teuer.

Kritische Marke im Pumpwerk Blackimatt erreicht

Auch Herznach-Ueken schlägt Alarm. In der Fusionsgemeinde hat der Wasserstand im Pumpwerk Blackimatt laut einer Meldung des Gemeinderates die kritische Marke von 368 Meter über Meer erreicht. Und das löst automatisch Appelle an die Bevölkerung zum Wassersparen aus: Sie sollte darauf verzichten, Gärten zu bewässern, Pools zu füllen oder Autos zu waschen.