Fricktal
«Viele Schwächen und schon von Beginn weg zum Scheitern verurteilt»: Die SP hält nichts von einer Buslösung

Die Regierung setzt auf Busse statt den Ausbau der S1 nach Laufenburg – für die SP ist dies zum Scheitern verurteilt. Sie ist davon überzeigt: Erst das entsprechende Angebot schafft die Nachfrage. Statt immer nur über Kosten und Finanzen zu sprechen, müsse mehr der Nutzen für Klima und Umwelt in den Vordergrund rücken.

Thomas Wehrli
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Für die SP Aargau und die SP Bezirk Laufenburg kommt nur der Halbstundentakt auf dem S1-Ast zwischen Laufenburg und Stein in Frage.

Für die SP Aargau und die SP Bezirk Laufenburg kommt nur der Halbstundentakt auf dem S1-Ast zwischen Laufenburg und Stein in Frage.

Andrea Worthmann

Die Stellungnahme der SP Aargau zum Vorschlag der Regierung, statt dem Halbstundentakt auf dem S1-Ast zwischen Laufenburg und Stein einen zusätzlichen Schnellbus einzusetzen, lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: «Das vorgeschlagene Buskonzept des Regierungsrats birgt viele Schwächen und ist schon von Beginn weg zum Scheitern verurteilt», schreibt die Partei in ihrer Medienmitteilung zur Anhörung.

Nach Ansicht der SP bringt nur ein Halbstundentakt wirklich Entlastung, es brauche nun den «Mut zum Ausbau». Diesen möchte die Regierung lieber vertagen – so lange, bis der Ausbau der Bahnstrecke vom Bund finanziert wird. Dies dürfte frühestens im Ausbauschritt mit dem «Zielhorizont 2050» der Fall sein, wobei der Horizont bis dahin das Fricktaler Ziel wieder aus den Augen verlieren könnte.

Tiefe Pendlerzahlen für die SP Bezirk Laufenburg kein Argument

Denn Voraussetzung für den Halbstundentakt sind derzeit 2000 Passagiere pro Tag – aktuell sind es etwa halb so viele. Als Argument können die aktuell tiefen Pendlerzahlen für die SP Bezirk Laufenburg nicht in die Waagschale geworfen werden. Denn: «Auch in der Verkehrsplanung gilt grundsätzlich, dass erst das Angebot die Nachfrage schafft», schreibt SP-Bezirkspräsident Rolf Schmid in einer Mitteilung zur Anhörung. «Konkret steigen erst dann mehr Menschen auf die öffentlichen Verkehrsmittel um, wenn das Angebot eine attraktive Alternative zum Auto darstellt.»

Support von Ammännern ist «historischer Moment»

Sauer stösst ihm auch die zögerliche Haltung der Regierung auf. Schliesslich habe der Grosse Rat den Halbstundentakt auf dem S1-Ast bereits mehrmals bestätigt. «Ausserdem haben sich alle Fricktaler Gemeindeammänner in einem Schreiben an den Regierungsrat gewendet und das Anliegen unterstützt», sagt Schmid und wertet dies als «einen historischen Moment».

Nicht verstehen kann die SP Aargau, dass der Bund 200 Millionen Franken für drei grenzüberschreitende Projekte ausgibt – unter anderem beteiligt er sich am Viertelstundentakt zwischen Lörrach und Wiesental –, im eigenen Land aber auf die Sparbremse tritt. «Es scheint, dass in der Schweiz nur für einen Halbstundentakt kein Geld vorhanden ist», wird Grossrat Martin Brügger in der Medienmitteilung zur Anhörung zitiert.

Für Colette Basler, SP-Grossrätin und Co-Fraktionspräsidentin, ist derweil klar:

«Wenn der Regierungsrat einen Busbetrieb auf dieser Strecke einführen will, zeigt er, wie wenig Ahnung er von der aktuellen und künftigen Verkehrssituation hat.»

Ein Busbetrieb könne auf dieser Strecke niemals die zeitgerechten Anschlüsse in Stein auf die Bahn garantieren. «Zu viele Kreise und Lichtsignale und der enorme Berufs- und Pendlerverkehr machen dies unmöglich», sagt Basler und ist überzeugt:

«Ohne Attraktivitätssteigerung wird das Angebot nicht benutzt.»

Abgesehen davon habe ein Busangebot keinen ökologischen Mehrnutzen. Dieser ist auch deshalb zu schaffen, da mit dem Sisslerfeld, so es denn einmal überbaut ist, mehrere tausend neue Arbeitsplätze entstehen. Prognosen zeigen, dass vermutlich viele mit dem Auto zur Arbeit fahren werden. «Diese Prognose ist wenig verwunderlich, wenn die Beteiligten nicht alles daransetzen, dass die Anfahrt mit dem öffentlichen Verkehr oder mit dem Fahrrad praktischer und kostengünstiger ist», sagt Schmid.

Zusätzlicher Bahnhof auf dem Sisslerfeld

Dazu gehöre auch die Planung eines zusätzlichen Bahnhofs auf dem Sisslerfeld. Für die SP Bezirk Laufenburg ist deshalb klar: «Um dem wachsenden Mobilitätsbedürfnis von Mensch und Wirtschaft gerecht zu werden, die bestehende Infrastruktur und vor allem die Umwelt nicht zusätzlich mit Lärm und Emissionen zu belasten, darf der Kanton keine Kosten und Mühen scheuen.»

Für Schmid wird der Klimaschutz in den Diskussionen um Kosten-Nutzen «leider immer noch verhängnisvoll ausgeblendet». Die SP hat nachgerechnet: «Wörter wie Kosten oder Finanzen kommen im Bericht denn auch über 150-mal vor, Klima und Umwelt gerade einmal zwölfmal.»

Halbstundentakt als ­Shuttlebetrieb

Ein Wort, darin sind sich Bezirks- und Kantonalpartei einig, muss dereinst auf der Botschaft der Regierung an den Grossen Rat stehen: Halbstundentakt. Dabei kann durchaus die von der Regierung präferierte «Variante 4» umgesetzt werden. Der Shuttlebetrieb ist mit 61 Millionen Franken deutlich günstiger als ein Vollausbau, gewährleistet den direkten Anschluss an die S-Bahn in Stein jedoch immer nur in eine Richtung; am Morgen in Richtung Basel, am Nachmittag in die Gegenrichtung.

Das macht aus Sicht der SP Bezirk Laufenburg «durchaus Sinn». Das Fazit der SP Aargau ist eindeutig:

«Nur ein Halbstundentakt mit der Bahn kann eine wirkliche Entlastung bringen.»

Die Zeit dränge, Verzögerungen könnten aufgrund der Vorlaufzeit bei Bahnprojekten nicht riskiert werden. «Entwicklung und Erschliessung des Sisslerfelds lassen nicht mehr lange auf sich warten. Dazu gehört die Bahn – mindestens im Halbstundentakt», schreibt die Partei.

Aber auch mit dem Halbstundentakt, so mahnt Schmid, sei die Verkehrsproblematik im Fricktal noch längst nicht behoben. Mit der Mittelschule in Stein, die im Sommer 2029 aufgeht, ist die nächste verkehrstechnische Herausforderung bereits im Anflug und auch das heutige Sisslerfeld sei noch zu schlecht mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar.

Zudem würde der grenzüberschreitende Bahn-, Bus- und Fahrradverkehr sowie die ländlichen Gebiete «in der längerfristigen Planung nur eine sehr spärliche Rolle spielen. Hier ist die Anbindung aktuell ungenügend oder inexistent.» Dies müsse sich ändern. Schmid:

«Damit in 20 oder 30 Jahren tatsächlich eine Mehrheit der Menschen ohne Auto zur Arbeit fahren muss, bedarf es heute Nägel mit Köpfen.»