Sie hat ihr spezielles Hobby zum Beruf gemacht: die 23-jährige Marina Wieser aus Frick erstellt und vertreibt «Reborn Babys», das sind verblüffend lebensecht gestaltete Künstlerpuppen, gefertigt aus einzelnen Vinylteilen. Der Trend zum «Reborn Baby» kommt ursprünglich aus Amerika. Aus einem Bausatz bestehend aus Kopf, Armen, Beinen und einem Stoffkörper wird das Baby zusammengestellt, bemalt und zum Schluss eingekleidet.

Wie das Reborn Baby aussehen soll, ist ganz dem Kunden überlassen. Es gibt unzählige verschiedene Bausätze: lachende und weinende Gesichter, schlafende Babys, mit grossem oder mit kleinem Kopf, sogar Frühchen oder Kleinkinder stehen im Angebot. Oberste Prämisse für die Reborn-Künstler ist, dass das gefertigte Baby möglichst lebensecht aussehen soll.

Ein eigener Online Shop

Schon als Kind war Marina Wieser von Puppen begeistert. «Ich habe viel mit Puppen gespielt - je lebensechter, desto besser», lacht die sympathische junge Frau. Durch einen Beitrag in den Medien wurde sie auf die Reborn Babys aufmerksam. «Daraufhin habe ich mich erkundigt, wo man die Materialien zur Fertigung eines Babys erhält und wurde in Deutschland fündig», so Marina Wieser. Sie bestellte einen Bausatz, fertigte ihr erstes Reborn Baby und war begeistert.

Da die Materialbeschaffung aufwändig und immer mit hohen Zollgebühren verbunden war, kam ihr die Idee, einen eigenen Shop aufzubauen, um die anderen «Rebornerinnen» in der Schweiz mit allen benötigten Teilen und dem erforderlichen Zubehör zur Erstellung der Babys zu versorgen. Seit August letzten Jahres ist ihr Online Shop (www.rebornshop.ch) nun in Betrieb. «Kaum hatte ich die Webseite aufgeschaltet, kamen auch schon die ersten Anfragen, ob ich nicht auch Kurse im Erstellen von Reborn Babys geben oder fertige Babys verkaufen würde», sagt die Künstlerin. Heute verkauft sie neben Anfänger-Sets, verschiedenen Bausätzen und Zubehör auch Babykleider.

Bis zu hundert Stunden Arbeit

Bis zu hundert Stunden kann es dauern, bis ein Reborn Baby fertiggestellt ist. Marina Wieser erfüllt hier auch ganz spezielle Kundenwünsche. «Über ein Formular auf meiner Website können die Kunden ihre individuelle Bestellung platzieren. Sie wählen den Bausatz, die Haarfarbe, die Augenfarbe und die Kleidchen aus, danach erstelle ich das Reborn Baby», erklärt die Künstlerin. Es kommt zudem vor, dass Kunden ihr Bilder der eigenen Babys zustellen, welche sie möglichst originalgetreu nachbilden soll.

Eine kreative Tätigkeit

An ihrer Arbeit liebt Marina Wieser neben der Freude an Puppen vor allem den kreativen Aspekt. «Ich male und zeichne sehr gerne und hatte schon immer Spass am Basteln», sagt sie. Und obwohl sie selbst findet, ein aussergewöhnliches Hobby zum Beruf gemacht zu haben, sieht sie nichts Skurriles an ihrer Tätigkeit. «Es gibt immer Menschen, die Kritik üben», weiss sie, «eigentlich ist es ein ganz normales Hobby wie jedes andere.

Beim Zusammenbauen einer Modelleisenbahn geht es ja auch darum, dass das Modell möglichst echt aussieht, einfach in kleinerem Massstab.» Zurzeit ist die Künstlerin sehr gut ausgelastet, die Wartezeit für ein bestelltes Reborn Baby kann bis zu drei Monate betragen. Ihren erlernten Beruf als Betreuerin in einer Wohngruppe mit erwachsenen, behinderten Menschen übt sie deshalb nur noch aushilfsweise aus. Solange es mit den Reborn Babys so gut läuft und die Arbeit Spass macht, wird dies wohl auch so bleiben.