Frick
Firmenvorstellung per Video, direktes Feedback von den Chefs – das erwartet die Generation Z von den Lehrbetrieben

Der Netzwerkanlass des Gewerbevereins Region Frick-Laufenburg befasste sich mit den Möglichkeiten, Jugendliche für eine Berufslehre begeistern zu können. Das Problem: Handwerksberufe sind wenig gefragt. Derzeit sind 4300 Lehrverträge unterzeichnet, berichtete Bildungsdirektor Alex Hürzeler. Es gibt noch Luft nach oben.

Peter Schütz
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Motivieren, flexibel bleiben, eingehen auf die Jugendlichen: Lothar Kühne (von links), Urs Wyss, Colin Herzog, Andrea Obrist, Stephanie Amstad und Regierungsrat Alex Hürzeler diskutierten darüber, wie Unternehmen Lehrlinge gewinnen können.

Motivieren, flexibel bleiben, eingehen auf die Jugendlichen: Lothar Kühne (von links), Urs Wyss, Colin Herzog, Andrea Obrist, Stephanie Amstad und Regierungsrat Alex Hürzeler diskutierten darüber, wie Unternehmen Lehrlinge gewinnen können.

Peter Schütz

Motivieren, flexibel bleiben, eingehen auf die Jugendlichen: Mit diesen Tipps fasste Landammann und Bildungsdirektor Alex Hürzeler den Ansatz, Jugendliche zu einer Berufslehre zu bewegen, zusammen. Hürzeler nahm auf Einladung des Gewerbevereins Region Frick-Laufenburg am Netzwerkanlass am Donnerstagabend teil. Thema: «Zukunft beginnt heute – wie gewinne ich junge Arbeitnehmende für mein Unternehmen?».

Schon die Örtlichkeit war ungewöhnlich: Die Gastgeber nutzten das Zelt des Zirkus Monti, um die Thematik der Berufslehre zu vertiefen. Ungewöhnlich war auch das Referat von Stephanie Amstad von Neoviso, einem Unternehmen, das nach eigenen Angaben Arbeitgeber, Marken und Unternehmen mit der jungen Generation verknüpfen will.

Stephanie Amstad.

Stephanie Amstad.

Peter Schütz

Amstad brachte einen Köcher voller Daten und Fakten mit – ausserdem die Erkenntnis, dass die sozialen Medien in der Generation Z (Jahrgänge 1995 bis 2010) nicht mehr wegzudenken seien. 60 Prozent würden drei Stunden und mehr täglich am Smartphone verbringen. Was einen Einfluss auf die beruflichen Vorstellungen hat: Die Jugendlichen würden sich direktes Feedback und Flexibilität der Ausbildenden erhoffen.

Bedürfnis nach Selbstverwirklichung

Die Ansprüche des Nachwuchses an die Arbeit brachte sie so auf den Punkt: Bedürfnis nach Selbstverwirklichung, Streben nach Sinn, Wunsch nach räumlicher und gerätespezifischer Unabhängigkeit. Amstad stellte klar:

«Sie wollen etwas bewegen und sich mit ihren Ausbildern auf Augenhöhe bewegen.»

Der Wunsch nach einem hohen Lohn würde nicht an erster Stelle stehen, berichtete sie, sondern «ein kollegiales, aber professionelles Arbeitsumfeld, ein gutes Verhältnis im Team, interessante Arbeit und ein sicherer Arbeitsplatz».

Firmen sollen sich mittels Videos vorstellen

Mit Blick auf das mediale Verhalten der Jugendlichen sah Stephanie Amstad auch die Arbeitgeber in der Pflicht, sich entsprechend zu verhalten, indem sie sich mittels Videos vorstellen. Konkret: «Man soll die Abteilung, das Team und sich als vorgesetzte Person zeigen», so Amstad, das komme besser an als Text und schaffe Vertrauen.«Es geht darum, dass man effektiv kommuniziert und dass man als Coach auftritt», sagte sie. Ihr Stichwort:

«Klarheit in der Kommunikation.»

Franziska Bircher, Präsidentin von Gewerbe Region Frick-Laufenburg, bezeichnete das Bestreben, künftige Arbeitskräfte gewinnen und ausbilden zu können, als eine «immer grössere Herausforderung». Denn:

«Die Themen bei den Jungen haben sich verändert, aber die Veränderung müssen auch die Ausbilder kennen und verstehen.»

Alex Hürzeler erachtete die Ausgangslage im Kanton Aargau als gut. 240 Berufslehren werden derzeit angeboten, vor einigen Jahren waren es 200. «Es ist ein Zeichen der Zeit, dass es mehr Varianten gibt», fand Hürzeler. Er erkannte jedoch auch «ein Problem für die Jugendlichen, den Überblick zu haben».

Bislang sind 4300 Lehrverträge unterzeichnet

Pro Jahr würden im Aargau rund 6000 Lehrverträge unterzeichnet, derzeit seien es 4300, so Hürzeler. «Es fehlt noch deutlich etwas bis August», berichtete er, «die Zahl ist aber immer noch höher als im Vorjahr zur gleichen Zeit.»

Im von Andrea Obrist moderierten Podiumsgespräch kam unter anderem der Stellenwert der handwerklichen Berufe zur Sprache. Hier müsse mit dem Vorurteil aufgeräumt werden, dass man sich die Hände «dreckig» macht, sagte Stephanie Amstad.

Urs Wyss, Lehrlingsverantwortlicher der Roche, stellte fest: «Die Jungen von heute haben keine Ahnung vom Handwerk.» Ähnlich Lothar Kühne, Schulleiter Oberstufe Frick: «Handwerksberufe kommen bei den Jungen gar nicht vor, sie haben keinen Zugang, das macht es schwierig.» Noch ein Tipp vom Informatiker Colin Herzog zum Umgang mit der Generation Z:

«Zeigt den Jungen, dass sie wertvoll sind.»