Wirtschaft
«Die Digitalisierung gibt mehr Raum und Zeit zum Denken» – Unternehmen beschäftigen sich mit Industrie 4.0

Kaum ein anderes Thema hält die Unternehmen derzeit so auf Trab wie die digitale Transformation. Die Herausforderung: angesichts der grossen Vielfalt an Möglichkeiten den Überblick über die Chancen und Risiken der neuen Technologie zu behalten. Die Industrie 4.0 stand nun an einer Veranstaltung bei Jehle AG in Etzgen im Fokus.

Peter Schütz
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Die Referenten, Workshopleiter und Gastgeber: (von links) Thomas Helbling, Christoph Brunschwiler, Dieter Matter, Bernhard Isenschmid, Raphael Jehle und Sandra Traxler.

Die Referenten, Workshopleiter und Gastgeber: (von links) Thomas Helbling, Christoph Brunschwiler, Dieter Matter, Bernhard Isenschmid, Raphael Jehle und Sandra Traxler.

Peter Schütz/Aargauer Zeitung

Digitalisierung der Wirtschaft – Segen oder Fluch? Dieser Frage ging eine Veranstaltung im Betriebsgebäude der Firma Jehle AG in Etzgen nach. Eingeladen hatten die Regionalgruppen Fricktal und Zurzibiet von der Aargauischen Industrie- und Handelskammer (AIHK). Das Teilnehmerfeld bestand aus 22 Personen inklusive Referenten und Workshopleitern.

«Wir beschreiten mit dem Anlass neue Wege», erklärte Sandra Traxler, Präsidentin der Regionalgruppe Zurzibiet. Die Gastgeber seien sich einig gewesen, «etwas zu bieten, das mitgenommen werden kann», fügte sie hinzu. Und:

«Wir haben uns an das Digitale herangewagt, weil es ein grosses Thema und auch verwirrend ist.»

Kaum ein anderes Thema als die digitale Transformation halte die Unternehmen derzeit auf Trab, so Sandra Traxler. Doch die grosse Vielfalt an Möglichkeiten mache es zunehmend schwieriger, den Überblick über die Chancen und Risiken der neuen Technologie zu behalten. Dies betreffe insbesondere die kleinen und mittleren Unternehmen, die ihre Prozesse, Produkte oder Dienstleistungen bislang nicht oder nicht vollständig auf digitale Werkzeuge und Abläufe umstellen konnten.

Der Faktor Mensch spielt eine wichtige Rolle

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung mit dem Titel «Durch Digitalisierung langfristig erfolgreich bleiben» hatten die Möglichkeit, die Materie in einem praxisbezogenen Impuls-Workshop zu vertiefen – wovon rege Nutzen gemacht wurde.

Den Einstieg machte Raphael Jehle, Geschäftsführer und Mitinhaber der Jehle AG sowie Präsident der AIHK-Regionalgruppe Fricktal, mit einer Vorstellung des Familienunternehmens. In dessen Produktion spielt die Digitalisierung von Arbeitsprozessen eine wichtige Rolle. Ähnlich die Schilderung von Dieter Matter, CEO der Algra-Group, eines Unternehmens mit Sitz in Merenschwand, das auf die Fertigung von Schildern, Fronten und Tastaturen spezialisiert ist.

Dieter Matter beim Referat über die Digitalisierung seines Unternehmens.

Dieter Matter beim Referat über die Digitalisierung seines Unternehmens.

Peter Schütz/Aargauer Zeitung

«Wir haben auf konventionellem Weg mit Siebdruck begonnen», berichtete Matter. Die langen Arbeitsläufe und der administrative Bereich seien durch digitale Prozesse erheblich verkürzt und verbessert worden, «im Sinn der Industrie, die es immer kundenspezifischer und schneller will». Dieter Matter weiter:

«Die Digitalisierung technisch umzusetzen, war kein Problem, aber die Mitarbeiter abzuholen, war eines. Wir mussten sie überzeugen.»

Der Faktor Mensch spielte auch beim anschliessenden Workshop eine Rolle, hauptsächlich beim Thema Prozessautomatisierung, in dem Bernhard Isenschmid klarmachte, dass es sehr wohl Möglichkeiten gibt, den Mitarbeitenden Perspektiven aufzuzeigen.

Digitalisierung bringt mehr Raum für Innovation

Die Digitalisierung von Unternehmen könne zwar mit Abbau verbunden sein, sagte Isenschmid, «das Personal hat aber die Chance von Um- und sogar Ausbau». Noch ein Plus, von Sandra Traxler eingebracht: «Die Digitalisierung gibt mehr Raum und Zeit zum Denken.» Bedeutet: mehr Platz für Entwicklung und Innovation. Bernhard Isenschmid berichtete, dass die Mehrheit von Unternehmen, die auf die Digitalisierung umgestellt hätten, gewachsen sei.

Im Vorfeld der Veranstaltung bestand die Möglichkeit, einen Fragebogen vom Hightech Zentrum Aargau auszufüllen. Dieser sollte erste Anhaltspunkte geben, wie weit das Thema Industrie 4.0 bereits umgesetzt wird. In einem zweiten Schritt konnte in persönlichen Gesprächen die Ausgangslage im Rahmen einer Erstberatung vertieft analysiert werden.

Danach waren spezifische Handlungsempfehlungen möglich, die die jeweiligen Unternehmen umsetzen können – auf Wunsch auch mit weiterer Unterstützung des Hightech Zentrums Aargau. Mit dabei war Thomas Helbling von der Fachhochschule Nordwestschweiz in Windisch.