Möhlin
Erster Weltkrieg: Gemeinde will Familie abschieben – wegen der bettelnden Kinder

Kämpfe gab es im Fricktal während des Ersten Weltkriegs keine. Aber gelitten haben die Menschen trotzdem. Das zeigt jetzt eine neue Ausstellung im Möhliner Dorfmuseum Melihus. Am Sonntag war die gut besuchte Eröffnung.

Hans Christof Wagner
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Die Ausstellung im Melihus Möhlin stiess am Sonntag auf vielfaches Interesse

Die Ausstellung im Melihus Möhlin stiess am Sonntag auf vielfaches Interesse

Hans Christof Wagner

2014 jährt sich der Beginn des Ersten Weltkriegs zum 100 Mal. Das war auch für den Museumsverein Möhlin Grund genug, das Thema aufzugreifen und darzustellen, welche Auswirkungen dieser Krieg fernab der Fronten hatte – in einem neutralen Land wie der Schweiz, in einer Region in unmittelbarer Nachbarschaft zum Krieg führenden Deutschland.

«In diesen Tagen werde die Zufuhr von Kartoffeln aus Deutschland beginnen, an Behörden und Fürsorgecommissionen, werden diese Kartoffeln in ganzen Waggon zum Preise von Frs. 12.- per Kg. Franco Empfangsstation abgegeben; solange der Vorrath reicht.» So heisst es im Gemeinderatsprotokoll von Möhlin, datiert am 12. Oktober 1917.

Es ist Walter Hohler vom Kultur- und Standortmarketing zu verdanken, dass die Ausstellungsbesucher detailliert nachlesen können, was die Gemeinde vor 100 Jahren beschäftigte. Für den heutigen Leser mitunter Kurioses ist da festgehalten.

Am 20. Dezember 1917 ist von einer Frau Müller die Rede, aus Schupfart stammend und wohnhaft in Möhlin. Deren Kinder würden «das Dorf mit Bettelbriefen durchziehen». Am 23. Februar 1918 wird der Gemeinde die Bettelei schliesslich zu viel, sie will die Familie abschieben lassen – zurück nach Schupfart.

Der Erste Weltkrieg

Der Erste Weltkrieg, die Ausstellung zeigt es auf, machte sich vor allem im Mangel von Nahrungsmitteln und steigender Preise bemerkbar. Butter war 1918 fast doppelt so teuer wie 1914. Die Preise für Schweineschmalz und Erbsen stiegen um 271 und 418 Prozent.

Obwohl: Wenn ein «Speisezettel für das Feld» als Gericht «Spatz mit Fleischsuppe» empfahl, dann waren unsere Vorfahren wohl auch recht erfinderisch im Umgang mit der Not. Ein «Speisezettel für die fleischlosen Tage» beinhaltete Maccaroni mit Dörrobst, Weisse Bohnen mit Tomatensauce und Polenta mit Birnen.

Militärzeit vor 100 Jahren

Neben den schriftlichen Dokumenten, die Möhlin und das Fricktal betreffen, stehen in der Ausstellung im Melihus auch Exponate, beispielhaft für das soldatische Leben in der Zeit vor 100 Jahren: Waffen, Geräte, Werkzeuge, Uniformen und Kochgeschirr.

Der Museumsverein hatte für solche Stücke zunächst im Schweizerischen Militärmuseum Full angefragt, was aber erfolglos blieb. Dann kam der Kontakt zu einem Sammer im Tessin zustande. Theres Soder vom Vorstand fuhr eigens dorthin, um die Stücke abzuholen. Diese kann der Museumsverein bis zum Ende der Ausstellung im Oktober im Melihus zeigen, ohne dafür bezahlen zu müssen.

Dorfmuseum Melihus Möhlin, Bachstrasse 20, geöffnet an jedem ersten Sonntag im Monat von 14 bis 16 Uhr.

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