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Endlich wieder anpacken: Findet das Schupfart-Festival 2021 trotz Corona statt?

Nach der Verschiebung im letzten Jahr hoffen die Organisatoren, dass es 2021 wieder ein Schupfart Festival gibt. Sämtliche Künstler, die 2020 aufgetreten wären, konnten für die – hoffentlich stattfindende – Ausgabe 2021 engagiert werden.

Nadine Böni
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Das Schupfart-Festival lockt Tausende Besucher an – und ist das Highlight Vereinsleben des Velo-Moto-Clubs.

Das Schupfart-Festival lockt Tausende Besucher an – und ist das Highlight Vereinsleben des Velo-Moto-Clubs.

Ingrid Arndt

Anpacken und etwas auf die Beine stellen – das ist die Spezialität des Velo-Moto-Clubs Schupfart. 1917 gegründet, hat sich der Verein über die Jahrzehnte einen Namen gemacht als Organisator diverser Grossveranstaltungen. So etwa von Etappenankünften der «Tour de Suisse» und der «Tour der France», von Motocrossevents und in den letzten Jahren vor allem des Schupfart Festivals.

Jedes Jahr lockt das dreitägige Festival über 10000 Besucherinnen und Besucher ins 700-Seelen-Dorf. Es ist auch für die Vereinsmitglieder das unumstrittene Jahreshighlight. Ein Jahr ohne Festival ist eigentlich kaum vorstellbar. Bis zur Coronapandemie.

«Es hat sich so angefühlt wie das ganze Jahr – einfach komisch», sagt Doris Müller, Präsidentin des Vereins und des Organisationskomitees, rückblickend. Im Juli hatte der VMC entschieden, das Festival abzusagen. So blieb es Ende September ruhig auf dem Schupfarter Flugplatz, dem Festivalgelände – von den Flugzeugmotoren mal abgesehen. Kein Festzelt wurde aufgestellt, keine Bühne gebaut, keine Musikanlage in­stalliert.

Ohne Festival fehlt dem Verein das Lebenselixier

Gegen 50 Helfer/-innen stemmen den Auf- und Abbau der gesamten Festivalinfrastruktur sonst jeweils. Viele nehmen dafür sogar extra Ferien. «Der Zusammenhalt ist riesig», sagt Müller. Nur: Das Vereinsleben des VMC dreht sich fast komplett um die Veranstaltungen. Regelmässige Proben oder Trainings wie in Musik- oder Sportvereinen gibt es nicht. Ohne Festival fehlte dem Verein also quasi sein Lebenselixier. «Wir haben uns im vergangenen Jahr kaum einmal persönlich gesehen», sagt Müller.

«Dieser Kontakt fehlt uns, wie vielen anderen Menschen auch.» Trotzdem bleibt Doris Müller zuversichtlich. «Wir können an der Situation nichts ändern. Es hilft nicht, sich ständig Sorgen zu machen. Wir müssen vorwärtsschauen.» Dabei hilft eine Nachricht: Sämtliche Künstler, die 2020 aufgetreten wären, konnten für die Ausgabe 2021 engagiert werden. Ergänzt wird das Line-up mit Vincent Gross, mit dem man als einzigem bereits einen fixen Vertrag für 2021 abgeschlossen hatte.

Das bringt auch eine finanzielle Entlastung für den Verein. Über Gagen, allfällige Entschädigungen oder Ausfallhonorare spricht Müller zwar nicht. Klar ist aber: Mit allen Künstlern konnte eine einvernehmliche Lösung gefunden werden. «Sonst würden sie nicht zum Programm 2021 gehören.»

«Dass alle Künstler nun dieses Jahr nach Schupfart kommen, freut uns wirklich wahnsinnig. Das ist nicht selbstverständlich», sagt Müller. Es spricht für das Verhandlungs­geschick der Schupfarter. Und: «Etwas Glück gehört auch dazu. Schliesslich muss das Festival ja auch in den Tourplan der Künstler passen», so Müller.

Niemand wollte sein Geld zurück

Das Festival wurde also eigentlich nicht abgesagt, sondern verschoben. Auch die zum Zeitpunkt der Verschiebung bereits verkauften Tickets – eine Anzahl im niederen vierstelligen Bereich – behielten ihre Gültigkeit. Monate später kann Müller sagen: «Bisher wollte niemand sein Ticket zurückgeben.» Sie sieht darin auch ein Zeichen der Solidarität und der Wertschätzung gegenüber dem Festival. «Das freut uns sehr und tut in diesen Zeiten gut», sagt Müller.

Die Nachfrage nach Tickets ist derzeit praktisch auf Null gesunken. Für Doris Müller ist das nur verständlich, angesichts der grossen Unsicherheiten in Zusammenhang mit der Pandemie und deren Eindämmung. «Da ist es klar, dass die Leute erst abwarten und schauen, wie sich die Situation entwickelt.»

Die Verschiebung hat den Organisatoren einige Arbeit abgenommen. «Wir hatten also etwas mehr Zeit für anderes», sagt Müller. Ausgedehnte Velotouren etwa, oder aktuell: «Schneeschaufeln», wie sie lachend anfügt. Das macht sie zwar nicht ungern – viel lieber wäre ihr aber, wenn sie bald wieder mehr für das Schupfart Festival arbeiten könnte. Endlich wieder anpacken und etwas auf die Beine stellen. «Wir geben alles dafür, damit wir bereit sind, falls ein Festival in diesem Herbst wieder möglich ist», sagt Müller. «Momentan bleibt uns nur, das Beste zu hoffen.»