Frick

«Endlich kann ich wieder arbeiten»: Marktfahrer Rolf Senger ist erleichtert

«Mein Geschäft lebt von der Demonstration der Geräte»: Rolf Senger am Fricker Martinimarkt vor zwei Jahren.

«Mein Geschäft lebt von der Demonstration der Geräte»: Rolf Senger am Fricker Martinimarkt vor zwei Jahren.

Der Martinimarkt in Frick findet statt. Fricktaler Marktfahrer sind erleichtert – und denken an die Kollegen, bei denen es um die Existenz geht. Zudem geht es derzeit um nichts weniger als um das Überleben einer alten Tradition.

Die Erleichterung ist ihm anzuhören: «Das sind Emotionen pur», sagt Rolf Senger am Telefon. «Endlich kann ich wieder arbeiten. Ich freue mich riesig.»

Rolf Senger ist Marktfahrer. Ihn und seine Berufskollegen hat die Coronakrise besonders hart getroffen. Seit dem Lockdown Mitte März gab es lange kaum Märkte – auch nicht, als dies mit Schutzkonzepten theoretisch wieder möglich war.

Nun entscheiden sich immer mehr Gemeinden dafür, die Märkte mit Schutzkonzepten wieder durchzuführen. Darunter auch Frick. Der Gemeinderat hat sich am Montag für die Durchführung des Martinimarktes am 9. November ausgesprochen. «Zum Glück», sagt Senger.

Die Marktatmosphäre fehlt ihm

Einziger Wermutstropfen: Besucher wie Marktfahrer müssen Masken tragen. «Das ist halb so wild», so Senger, der die Devise der Gemeinde Frick teilt: lieber ein Markt mit Maskenpflicht als gar kein Markt.

Die Coronazeit hat Senger als «tragisch und schlimm» erlebt. «Nicht arbeiten zu dürfen, ist hart.» Der 56-Jährige konzentrierte sich in den letzten Monaten auf seinen Webshop. Er produzierte Videos, um die Kundinnen und Kunden von seinen Küchenutensilien zu überzeugen. «Mein Geschäft lebt von der Demonstration der Geräte», sagt Senger.

Dank der Videos konnte er den Verkauf im Webshop zwar verdreifachen. «Es ist aber gleichwohl nur ein Tropfen auf den heissen Stein.» Vor allem fehlten ihm die Begegnungen mit Menschen, die Gespräche mit Kunden und Marktfahrerkollegen, kurz: die Marktatmosphäre, für die er seit bald 20 Jahren lebt. «Ich habe viele Stammkunden, gerade auch am Markt in Frick.» Diese im November wiederzusehen, «ist irrsinnig».

Schausteller leiden ­besonders

In diesem Jahr konnte Senger erst an rund einem Dutzend Märkte teilnehmen. Er ist froh um jeden, der hinzukommt. Und denkt dabei auch an all die Kollegen, die es noch härter trifft als ihn: die Schausteller. Ihr Geschäft ist total eingebrochen, und eine Besserung ist nicht in Sicht. «Hier geht es um Existenzen», sagt Senger, der aus Gesprächen weiss: Einige haben den Bettel notgedrungen bereits hingeworfen, andere überlegen sich, diesen Schritt zu tun und aufzuhören. «Das ist tragisch.»

Senger hat denn auch wenig Verständnis für die Klimaaktivisten, die den Bundesplatz diese Woche besetzt hatten. «Sie behinderten die Marktfahrer», ereifert er sich. «Während die Aktivisten nach der Demo wieder in ihren Job zurück können, stehen bei den Marktfahrern Existenzen auf dem Spiel.»

Auch Claudio Meier weiss: Vielen Marktfahrern und vor allem Schaustellern geht es gar nicht gut. Meier selber verkauft seine Produkte ebenfalls auf den Märkten in der Region, hat daneben aber noch einen Laden in Rheinfelden. «Ich bin froh, dass ich neben den Märkten noch ein zweites Standbein habe.» Dies habe das Loch in der Kasse zumindest etwas gestopft, so Meier. Er ist denn auch erleichtert über den Entscheid des ­Fricker Gemeinderates, den Markt im November durchzuführen. «Endlich kann ich wieder Marktluft schnuppern.»

Markttage sind «eine Art Familienfest»

Besonders freut sich Meier auf die Begegnungen mit den Kunden und den anderen Marktfahrern. «Wir sind wie eine Familie», sagt der Rheinfelder. «Die Markttage sind für mich eine Art Familienfest.»

Nicht alle Gemeinden entscheiden gleich wie Frick oder Reigoldswil BL, wo am Wochenende der Herbstmarkt stattfindet. «Es wird mein allererster Markt in diesem Jahr sein», so Meier. «Das wird ein ganz besonderer Moment.»

Andere Gemeinden sagen ihre Märkte nach wie vor wegen Covid-19 ab. «Das finde ich sehr schade», sagt Meier. Er ist überzeugt: «Mit einem guten Schutzkonzept kann ein Markt durchaus durchgeführt werden.» Jeder Markt, der durchgeführt werde, trage dazu bei, dass die Markttradition nicht aussterbe.

Es geht derzeit um nichts weniger als um das Überleben einer alten Tradition.

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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