Budget
Einbussen von 3 Prozent: Corona lässt die Steuereinnahmen der Fricktaler Gemeinden sinken

Die vorherrschende Coronapandemie wirkt sich auch auf die Budgets der 32 Fricktaler Gemeinden negativ aus. Sie rechnen mit bis zu drei Prozent weniger Einnahmen. Dies erschwert die Budgetierung.

Thomas Wehrli
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Noch sind die Auswirkungen der Pandemie nicht absehbar. Klar ist aber, dass die Situation einen Einfluss auf die Budgets der Gemeinden hat.

Noch sind die Auswirkungen der Pandemie nicht absehbar. Klar ist aber, dass die Situation einen Einfluss auf die Budgets der Gemeinden hat.

KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER

Die Coronapandemie hinterlässt auch in den Budgets 2021 der Gemeinden ihre Spuren. Dies zeigt eine Umfrage der AZ unter den 32 Gemeinden in den Bezirken Laufenburg und Rheinfelden. 29 Gemeinden haben die Fragen beantwortet, drei – Kaiseraugst, Sisseln und Rheinfelden – verwiesen auf die baldige Präsentation der Budgets respektive der Traktanden der Gemeindeversammlung.

«Die Auswirkungen der Coronapandemie sind sehr schwierig abzuschätzen», sagt Manuel Corpataux, Verwaltungsleiter in Kaisten. Diese Einschätzung teilt Gianni Profico, Gemeindeschreiber in Zeihen. «Die Auswirkungen sind noch nicht absehbar. Sie werden mit zeitlicher Verzögerung spürbar, wenn die Steuererträge zurückgehen, weil Arbeitnehmende ihre Stelle verlieren und arbeitslos werden oder ausgesteuerte Personen in die Sozialhilfe abrutschen.»

Bereits für das kommende Jahr budgetieren die meisten Gemeinden die Steuereinnahmen– wie vom Kanton empfohlen – vorsichtig respektive rechnen mit einem Rückgang. Zuzgen geht für das nächste Jahr laut Laura Cangeri, Leiterin Finanzen, mit einem leichten Rückgang bei den Steuereinnahmen der natürlichen Personen aus. «Entscheidend sind jedoch die nächsten zwei bis drei Jahre.»

Der Schaden wird sich in einem erträglichen Rahmen halten

Auch Herznach erwartet einen Steuerrückgang bei den natürlichen Personen; das Budget 2021 wurde deshalb laut Marcel Käufeler, Leiter Finanzen, wesentlich tiefer angesetzt als die Hochrechnung 2020. «Insgesamt gehen wir aber davon aus, dass sich der Schaden für Herznach in einem erträglichen Rahmen halten wird, da die Steuerpflichtigen mit Kurzarbeitsentschädigungen und Ähnlichem unterstützt wurden, welche ebenfalls versteuert werden müssen.»

Gipf-Oberfrick rechnet mit einer sinkenden Steuerkraft von geschätzt 3,6 Prozent pro Kopf.

Die Covid-Situation wird zu Ertragseinbussen zumindest in den Jahren 2021 und 2022 führen, ohne dass die Ausgaben tiefer ausfallen», skizziert Urs Treier, Gemeindeschreiber von Gipf-Oberfrick, die Herausforderung.

Weil die Finanzlage in Gipf-Oberfrick stabil bleibt, kürzt die Gemeinde die vorgesehenen Investitionen nicht. «Mit diesem antizyklischen Verhalten soll auch das Gewerbe in der ­momentan schwierigen Situation unterstützt werden», sagt ­Treier. Mittel- bis langfristig sei jedoch entscheidend, wie rasch und nachhaltig sich die Covid-­Situation normalisiert.

Coronapandemie hat auch Einfluss auf andere Budgetposten

Ähnlich tönt es in Frick. Trotz Bevölkerungswachstum geht man hier von stagnierenden Steuererträgen aus. «Bei etlichen Positionen, wo sich die Pandemie direkt auswirkt, stehen Mindererträgen auch Minderausgaben gegenüber», sagt der Fricker Gemeindeschreiber Michael Widmer. Als Beispiele nennt er kulturelle Anlässe oder den Markt.

Mindereinnahmen gab es in diesem Sommer auch beim Freibad. Allerdings, so Widmer, hätte ein verregneter Sommer grössere Auswirkungen auf die Einnahmen aus Eintritten, als es die kurzzeitige Schliessung hatte.

Einfluss hat die Coronapandemie aber auch auf andere Budgetposten. «Die Mieteinnahmen von Gemeindegebäude – der Turnhalle – für Anlässe sinkt oder ist gleich null», sagt Melanie Huber, Gemeindeschreiberin von Gansingen. «Der Umsatz vom Mittagstisch für die Schulkinder sinkt ebenfalls.»

Höhere Ausgaben für die Reinigung

Wie sich die Einnahmen im nächsten Jahr entwickeln werden, muss sich weisen. Auch, wie hoch die Mehrausgaben aufgrund der Coronapandemie sind. In Laufenburg beispielsweise hat man im Budget 2021 den Posten für Reinigungs- und Schutzmaterial erhöht. Zudem rechnet die Stadt laut Stadtschreiber-Stellvertreter Ivan Brigante mit einem höheren Stundenaufwand für die Reinigung.

Noch keine grösseren Auswirkungen hatte die Coronakrise in Frick, wie vielerorts, auf die der Sozialhilfe. «Es ist jedoch denkbar, dass diese erst verzögert eintreten, zumal vor dem Bezug von Sozialhilfe in der Regel Anspruch auf andere Sozialversicherungen wie die Kurzarbeitsentschädigung oder Arbeitslosentaggelder besteht», sagt Widmer.

Die Situation fordert die Gemeinden zusätzlich heraus

Eine Auswirkung auf die Sozialkosten halten auch andere Gemeindeschreiber für möglich bis wahrscheinlich. Münchwilen etwa hat einen Mehraufwand im Sozialdienst in das Budget 2021 eingerechnet.

Klar ist: Die Coronasituation fordert die Gemeinden bei der Budgetierung zusätzlich heraus. «Der finanzielle Druck auf die Gemeinden nimmt stetig zu», sagt Renate Kaufmann, Gemeindeschreiberin ad interim in Schupfart. «Vermehrt musste sich der Gemeinderat an der diesjährigen Budgetsitzung mit dem Thema Sparen auseinandersetzen und geeignete Sparmassnahmen anwenden.»

Daran dürfte sich auch in den kommenden Jahren nichts ändern. Auch ohne Corona.