Coronakrise

Drei Frauen nähen im Fricktal Mundmasken im Akkord – und verschenken sie

Hat Nerven gekostet: An der Sonderedition mit Spitzen hat Rebecca Zimmermann gepröbelt.

Hat Nerven gekostet: An der Sonderedition mit Spitzen hat Rebecca Zimmermann gepröbelt.

Sie haben den richtigen Namen: die drei Masken-Engel. Seit drei Wochen produzieren Rebecca Zimmermann, Antonella Straumann und eine Kollegin, die namentlich nicht erwähnt werden möchte, im Akkord Mundmasken. 300 haben sie in ihren Wohnungen bereits genäht und versandt; für 300 weitere liegen Bestellungen vor. Aus der Schweiz, Deutschland und Spanien.

Gerne würden sie ihre Masken auch in das von der Coronakrise besonders gebeutelte Italien liefern; doch das verhindern die Bestimmungen. Sie haben deshalb ein kurzes Video mit einer Nähanleitung auf italienisch produziert und dieses an Bekannte in Italien geschickt.

Wie es sich für echte Engel gehört, wollen die drei Frauen damit kein Geld verdienen, sondern den Menschen in der aktuellen Coronakrise helfen. «Wir verkaufen die Masken nicht, sondern verschenken sie», sagt Zimmermann. Das einzige, was die Kunden übernehmen müssen, ist das Porto. Wer wolle, könne etwas spenden.

Das gespendete Geld setzen die Frauen für Material wie Stoff oder Gummibänder ein. Was übrig bleibt, spenden sie an die Kinderkrebshilfe, eine Tier­schutz­organisation in Spanien sowie «an jemanden, den wir damit überraschen wollen», sagt Zimmermann. «Wir selber wollen nichts daran verdienen.»

Andere mit ihren Masken offensichtlich schon. Es sei leider schon vorgekommen, dass jemand die Masken bestellen wollte, um sie dann weiterzuverkaufen», sagt Zimmermann. Das ärgert sie und macht sie traurig. «Wenn wir feststellen, dass jemand unsere Masken weiterverkauft, zeigen wir ihn an. Da kennen wir kein Pardon.»

«Du spinnst, das schaffen wir nicht»

Auf die Idee, Masken zu nähen, kam Zimmermann, weil sie als Hochrisikopatientin die Wohnung nicht verlassen darf. «Ich wollte etwas sinnvolles mit der Zeit machen und gleichzeitig etwas Gutes tun», erzählt die Kaiseraugsterin am Telefon. Da sei ihr Blick auf die Schutzmasken auf ihrem Esstisch gefallen. Sie lacht. «Als ich meiner Kollegin erzählte, dass wir Masken nähen könnten, sagte sie zuerst: ‹Du spinnst, das schaffen wir nicht.›» Zimmermann setzte sich durch – und nun sind beide voller Elan dabei.

Dieser Elan lässt Zimmermann und ihre Kolleginnen bisweilen die Zeit vergessen. «Einmal war ich 21 Stunden am Stück am Produzieren», sagt die 39-Jährige und fügt hinzu: «Das Nähen ist eben mein grosses Hobby.»

Für die ersten Masken brauchten die Näherinnen noch eine Stunde pro Maske. «Es war ein Auspröbeln», sagt Zimmermann. Inzwischen haben sie Routine und sind deutlich schneller. Der Tagesrekord liegt aktuell bei 80 Masken.

Jede Maske wird einzeln und steril verpackt

Hergestellt werden die Masken aus reiner Baumwolle; sie lassen sich somit bei 60 Grad waschen. «Es sind keine chirurgischen Masken und sie bieten keinen gleichwertigen Schutz», betont Zimmermann. Transparenz ist ihr wichtig. Aber, davon ist sie überzeugt, eine Hilfe sind die doppellagigen Masken dennoch.

Die drei Frauen achten bei der Herstellung auf die Hygiene. Sie tragen selber eine Maske und desinfizieren die Hände regelmässig. Wieder lacht Zimmermann. «Man sieht das unseren Händen auch an.» Jede Maske wird anschliessend einzeln und steril verpackt. Dies übernimmt für das Piercing- und Tattoo-Studio «Dome Basel» für sie.

Jede Maske ist ein Unikat. Und manche sind auch für die geübte Näherin eine Herausforderung. An einer Sonderedition mit Spitzen hat Zimmermann lange getüftelt. «Das hat mich zwei Stunden Nerven gekostet», erzählt Zimmermann. Aufgeben kam nicht infrage – und die Sonderedition gelang.

Wer will, kann den Frauen auch seinen Lieblingsstoff liefern – und bekommt die Masken frei Haus zugeschickt. Erreichbar sind sie über die Facebook -Seite «Die 3 Masken-Engel». Auch hier gilt: «Die Masken verschenken wir; das einzige, was die Leute übernehmen müssen, ist das Porto.» Denn: «Gerade jetzt ist Menschlichkeit gefragt.»

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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