Kinoerfolg

«Die göttliche Ordnung»: Schweizer Film schlägt alle Blockbuster

Persönlich freut sich Philipp Weiss besonders auf «Lucky», eine Hommage an Harry Dean Stanton, der kurz nach Drehende 91-jährig verstorben ist.

Persönlich freut sich Philipp Weiss besonders auf «Lucky», eine Hommage an Harry Dean Stanton, der kurz nach Drehende 91-jährig verstorben ist.

«Die göttliche Ordnung» lockte am meisten Zuschauer in Fricks Monti. Insgesamt kamen für den Film in der Schweiz 340 000 Besucher ins Kino. Für dieses gilt: 2018 wird das Jahr der Fortsetzungen.

Ein Schweizer Film schlug alle Hollywood-Blockbuster: «Die göttliche Ordnung» war in Fricks Monti der mit Abstand beliebteste Film. 13 Prozent der Fricker Kinobesucher wollten im letzten Jahr den Film rund um den Kampf der Frauen für ihr Stimmrecht sehen – doppelt so viele wie die Nummer 2 in Fricks Monti, «Despicable Me 3» (siehe Box). Insgesamt zeigte Weiss 69 Filme.

Schweizweit landete «Die göttliche Ordnung» mit gut 340 000 Besuchern auf Rang vier. Die nationale Hitliste führt «Despicable Me 3» mit fast einer halben Millionen Besuchern an. Wie viele Zuschauer den Film in Fricks Monti sahen, bleibt offen; Philipp Weiss publiziert keine Zuschauerzahlen. Gesamthaft verzeichnete Weiss im letzten Jahr gleich viele Kinoeintritte wie 2016.

Der Erfolg der «göttlichen Ordnung» überrascht den Fricker Kinobetreiber indes nicht. «Der Film ist gut gemacht und nimmt ein Thema auf, das ein wichtiges Stück Schweizer Geschichte zeigt.» Zudem: «Schweizer Filme laufen bei mir stets gut.» Ebenso Familienfilme.
Ein Blick auf die Hitliste zeigt noch eine andere Tendenz: Bei vielen Filmen, die im letzten Jahr liefen, handelte es sich um Fortsetzungen.

Dieser Trend wird sich in diesem Jahr noch akzentuieren. Bei den grossen Filmen, die ins Kino kommen, haben die Zuschauer oft ein Déjà-vu: Star Wars, Jurassic World, Ocean’s, Jonny English, The Incredibles – alles war schon zumindest einmal da. «Es fehlen etwas die neuen Ideen», bilanziert Weiss, der selber jede Woche zwei bis drei der gut zehn Streifen visioniert, die wöchentlich auf den Markt kommen.

Trailer zum Film:

Allerdings, so schränkt er ein, funktioniere dieses Konzept auch. Weiss scrollt auf dem Smartphone durch die Filmdatenbank und zieht als Beispiel «Despicable Me» heraus. Den ersten Teil wollten 2010 schweizweit 311 000 Zuschauer sehen, den zweiten Streifen sahen sich 2013 408 000 Leute an und den dritten im letzten Jahr 472 000. Fortsetzung folgt.

Fusball-WM hat Auswirkungen

Weiss blättert das Programm durch. Angesichts der Filme, die anlaufen, erwartet er ein «eher durchzogenes Jahr» – so, wie es auch 2017 war. Ein zusätzliches Handicap ist in diesem Jahr die Fussball-WM von Mitte Juni bis Mitte Juli. «Solche sportlichen Grossereignisse haben einen Einfluss auf die Besucherzahlen», sagt er, lacht. «Vielleicht zeigen wir in dieser Zeit mehr Filme, die Frauen ansprechen.»

Gewandelt hat sich auch das Kundenverhalten, insbesondere bei Actionfilmen, die ein junges Publikum ansprechen. Früher wartete man, bis ein Film in der Region lief. Heute wollen die Jungen den Film sofort sehen, wenn er anläuft. «Wenn die gewünschte Vorstellung ausverkauft ist, schaut man sich den Film eben in einem Kino in Basel, Aarau oder Zürich an», sagt Weiss. Die heutige Mobilität mache dies problemlos möglich.

Die Entwicklung hat Folgen für die Programmplanung. Immer mehr Filme laufen in den ersten beiden Wochen super, brechen aber dann ein. «Die Zeiten sind vorbei, in denen man einen Film einkaufen und ihn vier Wochen laufen lassen konnte.»

Darauf gelte es ebenso zu reagieren wie auf unerwartete Tops und Flops. Zu ersterer Kategorie zählte Anfang Jahr «C’est la vie». Weiss wollte die Komödie zuerst gar nicht zeigen, nahm sie dann aber ins Programm auf, als sie schweizweit «überraschend gut» lief. Wie er die Filme auswähle, wiederholt Weiss die Frage, schmunzelt, tippt auf die Nase. «Es gibt nur ein Rezept: Die Nase in den Wind halten und Trends rechtzeitig erkennen.» Dabei gelte es, regionale Besonderheiten und Bedürfnisse mit zu berücksichtigen.

«Coco» zog nicht wie erwartet

Den richtigen Riecher zu haben, ist bei einem Kino wie Fricks Monti, das nur über eine Leinwand verfügt, doppelt wichtig. Hier ortet Weiss auch eine Herausforderung, die zunimmt. «Es kommen immer häufiger Filme, die ein spezifisches Kundensegment bedienen, ins Kino.» Ein Kino mit mehreren Sälen sei hier im Vorteil.

Es gibt aber auch Filme, von denen Weiss überzeugt ist – und die dann eher floppen. «Coco», ein Animationsfilm für Kinder, war ein solcher Fall. «Es ist eine Super-Geschichte und sie ist toll umgesetzt», ist Weiss nach wie vor überzeugt. Eine Erklärung, weshalb der Film dennoch unter den Erwartungen blieb, hat er nicht. «Vielleicht schreckte das Thema, der Tod, ab», mutmasst er.

Das Kinojahr 2018 verspricht mit seinen Fortsetzungen – die erste, die anläuft, ist «Fifty Shades of Grey 3» am 7. Februar – «ein solides Jahr» zu werden. Selber freut sich Philipp Weiss auf einen Film am meisten, den er am kommenden Wochenende zeigt: «Lucky» mit Harry Dean Stanton. «Es ist sein Vermächtnis», sagt Weiss, denn kurz nach Abschluss der Dreharbeiten starb Stanton 91-jährig. Der Film sei «eine Perle für alle Liebhaber des alten Films», ist er überzeugt.

Ebenfalls gespannt ist Weiss auf zwei Schweizer Produktionen: Auf die «Köhlernächte», die ab Sonntag laufen, und auf «Fearless Journey», einen Film, den der 29-jährige Fricktaler Sandro Schreiber zusammen mit einem Kollegen gedreht hat und der das Leben der Liechtensteiner Stuntfrau Simone Bargetze beleuchtet. In diesem Sinne: Ton ab, Kamera läuft und Action.

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