Sisseln/Stein

Das Wasser ist ihr liebstes Element

An den diesjährigen Nachwuchs-Schweizer-Meisterschaften in Schaffhausen konnte Sonja Meyer (Dritte v.l.) beachtliche Erfolge feiern.zvg

An den diesjährigen Nachwuchs-Schweizer-Meisterschaften in Schaffhausen konnte Sonja Meyer (Dritte v.l.) beachtliche Erfolge feiern.zvg

Sonja Meyer aus Sisseln hat eine Sportlehre angetreten und verbindet die berufliche Laufbahn mit ihrer Passion. Dass sie nun viel weniger Freizeit hat, stört sie nicht. «Das Schwimmen ist mir sehr wichtig.»

«Ich fühle mich frei im Wasser.» Die Augen von Sonja Meyer leuchten vor Begeisterung, wenn sie von ihrer grossen Leidenschaft spricht: dem Schwimmen. Die talentierte junge Frau aus Sisseln hat im August eine Sportlehre angetreten, die es ihr erlaubt, die berufliche Laufbahn als angehende Kauffrau mit der professionell betriebenen Passion zu verbinden.

Wegweisendes Schlüsselerlebnis

Eigentlich deutete nicht viel auf diese Entwicklung hin. «Der Anfang war nicht sonderlich erfolgreich», blickt Sonja Meyer auf die Anfänge ihrer Karriere zurück und erinnert sich mit einem Schmunzeln an ihren Wassergewöhnungskurs, den sie im Alter von vier Jahren im dritten Anlauf endlich bestanden hatte. Jahre später kam es schliesslich unerwartet zum wegweisenden Schlüsselerlebnis. An einem Wettkampf ihres Coucousins, der nationalen Schwimmgrösse Dominik Meichtry, wich sie keine Minute vom Beckenrand und beobachtete wie gebannt drei Tage lang das Geschehen auf den Bahnen. «Von da an wusste ich, dass Schwimmen genau das ist, was ich will.»

Heute ist Sonja Meyer Mitglied im Regionalkader vom SC Fricktal, schwimmt in 18 Trainingsstunden pro Woche unvorstellbare 48 Kilometer, feilt unermüdlich an den Techniken der verschiedenen Stile und optimiert im Kraftraum an Fitnessgeräten ihre Kondition, den Blick auf ein zwischenzeitliches Ziel gerichtet: die Nationalkaderlimite.

Schulalltag in der Sportlehre

«Alles unter einen Hut zu bringen, ist ziemlich heftig», kommentiert Sonja Meyer ihren dicht gedrängten Terminkalender. An einem Schultag in Aarau steht sie in den frühen Morgenstunden auf und fährt mit dem Bus um 5.45 Uhr in die Kantonshauptstadt, wo sie den regulären Schulstoff für die Ausbildung zur Kauffrau pauken muss, bevor es ab ins Training im Freibad Schachen oder in der Halle im Telli geht.

Nach drei Jahren stehen an der Handelsschule KV für überdurchschnittlich leistungsstarke Nachwuchstalente die Abschlussprüfungen auf dem Programm, auf die ein zusätzliches Jahr rein praktischer Arbeit im Lehrbetrieb folgt, um die trainingsbedingten Absenzen auf der Gemeindekanzlei in Stein aufzuarbeiten. Die Bewältigung des vorgeschriebenen Leistungskontingents der Sportlehre wäre kaum machbar, wenn nicht die Möglichkeit bestünde, die Bürozeiten gelegentlich zu verkürzen, um den umfangreichen Trainingsaufwand unter Woche zu meistern.

Kulanter Lehrbetrieb

Zwingende Voraussetzung für den Antritt einer Sportlehre ist letztendlich ein flexibler Betrieb, der sich gegenüber den Nachwuchstalenten kulant zeigt. «Die Suche nach einer Lehrstelle hätte nicht besser verlaufen können. Ich musste glücklicherweise nur zwei Bewerbungen schreiben und bekam nach den Schnuppertagen eine Zusage von der Gemeinde Stein», freut sich Sonja Meyer. Hinter dem nötigen Quäntchen Glück für die Grundsteinlegung einer erfolgreichen Karriere im Sport verbirgt sich Sonja Meyers unbändiger Wille zum Erfolg. «Ich möchte meine Zeiten immer verbessern und später einmal an Olympischen Spielen teilnehmen.»

Zwischen Verzicht und Erfolg

Dass neben Schulalltag, Trainingsbetrieb und der Lehre nicht viel Zeit übrig bleibt, bedarf keiner grossen Rechenkünste und so verwundert es nicht, dass der Weg an die Spitze über den Verzicht führt: «An wenig Freizeit habe ich mich bereits während meiner Bezirksschulzeit gewöhnt. Jetzt ist es natürlich noch weniger geworden. Da mir aber das Schwimmen sehr wichtig ist, kann ich mit der wenigen Freizeit gut leben», erklärt Sonja Meyer das Opfer, das sie für den Erfolg im Sport darbringen muss. Dafür kommt Sonja Meyer durch die vielen Wettkämpfe und Trainingslager weitherum. Nicht nur Deutschland, Frankreich, Sizilien und Mallorca hat sie bereist, auch hierzulande ist sie permanent unterwegs: «Ich kenne praktisch alle Hallenbäder in der Schweiz», erklärt das Nachwuchstalent mit einem Augenzwinkern.

Die Resultate in den Ernstkämpfen der laufenden Saison stimmen durchwegs zuversichtlich. An den Nachwuchs-Schweizermeisterschaften in Schaffhausen erreichte Sonja Meyer diesen Sommer in sämtlichen Disziplinen – ausser im Rücken über 100 m – über die verschiedenen Distanzen den Final und schwamm durchwegs gute Zeiten. Ihr grosses Talent und unbedingter Ehrgeiz dürften auch in Zukunft für Erfolge sorgen.

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