Laufenburg

Das Spital soll auch in Zukunft akut behandeln: So reagiert die Politik auf den Entscheid

Das Spital Laufenburg (Bild) gehört zum Gesundheitszentrum Fricktal.

Das Spital Laufenburg (Bild) gehört zum Gesundheitszentrum Fricktal.

Das Spital Laufenburg bleibt voraussichtlich ein Akutspital. Die Reaktionen reichen von «eine verpasste Chance» bis zu «ein guter Entscheid».

Offiziell ist es zwar noch nicht. Doch die Aussagen von Katharina Hirt, Verwaltungsratspräsidentin des Gesundheitszentrums Fricktal (GZF), an der Generalversammlung des GZF-Fördervereins lassen keinen anderen Schluss zu: Das GZF wird Szenario 1 umsetzen (siehe Artikel oben). Damit bleibt Laufenburg ein Akutspital – wenn auch ohne stationäre Chirurgie. Diese wird in Rheinfelden konzentriert. Neben der stationären Medizin verbleiben in Laufenburg das Pflegeheim, die ambulanten Sprechstunden und wohl auch die Notfallstation.

Die AZ will genauer wissen, was Hirt da vor dem Förderverein angedeutet hat, und stellt dem GZF gestern 14 Fragen. Etwa: Was hat die GZF-Leitung dazu bewogen, sich für Szenario 1 zu entscheiden? Oder: Welchen Einfluss hatten die klaren Bekenntnisse aus dem oberen Fricktal zum Standort Laufenburg? Oder: Was bedeutet Szenario 1 konkret? Oder: Ist es nur ein Zwischenschritt zur Besänftigung und mittelfristig wird Szenario 2 – damit wäre der Standort Laufenburg als Akutspital Geschichte – umgesetzt? Die Antwort von GZF-Sprecherin Miriam Crespo kommt prompt – und sibyllinisch: «Wir werden, wie bereits erwähnt, nicht kommunizieren, bis der Verwaltungsrat entscheidet.»

Die AZ weiss: Der Grundsatzentscheid wird in den nächsten Tagen fallen. Die GZF-Leitung hat auf nächsten Donnerstag eine Mitarbeiterinformation in Rheinfelden anberaumt. In Laufenburg wurden die Mitarbeiter kürzlich bereits über den Zwischenstand orientiert. Auch hier sprach sich die GZFLeitung laut einer gut unterrichteten Quelle für Szenario 1 aus. Dieses umzusetzen, setze allerdings voraus, dass es zu keinen weiteren Abgängen komme.

Die Reaktionen auf den (mutmasslichen) Entscheid, das Spital Laufenburg reduziert weiter zu betreiben, fallen unterschiedlich aus. Für Gertrud Häseli (Grüne) ist es «eine verpasste Chance», wenn man nicht Szenario 2 umsetzt. Für sie ist klar: «Mittelfristig hat das Spital Laufenburg keine Zukunft und wird als Akutspital geschlossen.» Es habe heute zu wenige Patienten – «und daran wird sich nichts ändern». Die Zukunft von Laufenburg sieht sie im Wohnen und Betreuen von Senioren. «Die Lage am Rhein ist herrlich», sagt sie, «da lassen sich auch schöne Loft-Wohnungen einrichten.»

Wie beim Dorfladen

Ganz ähnlich sieht es Roland Agustoni (GLP). Wenn Szenario 1 wirklich umgesetzt werde, habe die GZF-Leitung wohl dem Druck aus dem oberen Fricktal nachgegeben, mutmasst er. Für nachhaltig hält er das nicht. «Die Voraussetzungen für ein Akutspital sind in Laufenburg nicht mehr gegeben.» Agustoni vergleicht es mit einem Dorfladen: «Jeder will ihn erhalten – aber kaum jemand kauft dann dort ein.» Die Zukunft sieht er, ähnlich wie Häseli, in einem Kompetenzzentrum für Pflege. Dabei richtet er den Fokus nicht nur auf Senioren. «Laufenburg könnte zum Zentrum werden, wo man sich gesund pflegen lässt.» Eine schönere Umgebung könne man sich kaum wünschen.

Für ihn wie für Häseli ist Szenario 1 nicht mehr als ein Zwischenschritt. Während sich Häseli lieber «ein Ende mit Schrecken als einen Schrecken ohne Ende» wünscht, denkt Agustoni auch an die Mitarbeitenden. «Auch für sie wäre es wichtig, Klarheit zu bekommen, wohin die Reise mittelfristig geht.» So aber bleibe eine Unsicherheit. Dies werde Auswirkungen auf die Personalsituation haben, ist Agustoni überzeugt. «Denn wenn die Stelle unsicher ist, sucht man sich einen neuen Arbeitgeber.»

Ganz anders beurteilt es Herbert Weiss, Stadtammann von Laufenburg. Für ihn ist Szenario 1 «das Minimalszenario, das ich erwartet habe». Szenario 2 kommt für ihn nicht infrage. Er sei zwar nicht erfreut, dass die chirurgische Abteilung in Laufenburg bei Szenario 1 geschlossen werde, «aber damit müssen wir wohl leben».

Dass die Umsetzung von Szenario 1 nur ein taktischer Schritt ist, um dann in einigen Monaten das Spital doch zu schliessen, wie böse Zungen behaupten, mag Weiss nicht glauben. «Ich habe Vertrauen darauf, dass die Geschäftsleitung und der Verwaltungsrat den jetzigen Schritt nicht als Zwischenschritt auf dem Weg zur Schliessung machen.» Was für Weiss aber ebenfalls klar ist: «Es darf keinen Stillstand geben.» Die GZF-Leitung sei gefordert, «Möglichkeiten und Visionen zu entwickeln, um den Standort Laufenburg zu sichern».

«Pflock eingeschlagen»

Als «Pflock, der nun eingeschlagen wird» wertet Rudolf Lüscher, langjähriger Stadtammann von Laufenburg und Präsident des GZF-Fördervereins die erwartete Umsetzung von Szenario 1. Für ihn ist es «eine positive Nachricht». Wichtig findet er, dass auch die Notfallstation erhalten bleibt. «Es braucht eine Anlaufstelle in der Nähe», ist er überzeugt. Mit dem Entscheid für eines der Szenarien ist auch für ihn der Prozess nicht abgeschlossen. «Zur Sicherung des Standortes braucht es weitere, kreative Massnahmen.»

Und es braucht vor allem Patienten. Dies machte die GZF-Leitung an einem Informationsabend im April selber deutlich. (Zu) viele Fricktaler lassen sich in einem anderen Spital – etwa in Aarau oder Basel – behandeln. «Es braucht Solidarität», sagt Lüscher. Er ist optimistisch: Wenn die Qualität stimme, kämen die Patienten auch. «Die beste Werbung ist noch immer die Mundpropaganda.»

Dass es sich beim Szenario 1 nur um einen taktischen Zwischenschritt handelt, glaubt auch Lüscher nicht. «Ich höre seit Jahrzehnten: ‹Das Spital Laufenburg geht zu.› Es ist nach wie vor in Betrieb.»

Christoph Riner (SVP), der das Szenario 1 ebenfalls «für klar besser» hält, mag ebenfalls nicht daran glauben, dass das GZF «eine Salamitaktik fährt». «Es wäre schlechter Stil, den Leuten vorzugaukeln, man setze Szenario 1 um, um dann in ein, zwei Jahren auf Szenario 2 umzuschwenken.» Aber auch für ihn ist klar: «Stehenbleiben darf das GZF nicht.» Riner spricht von «einer Verschnaufpause». Es müsse in den nächsten Monaten aufgezeigt werden, wie der Standort Laufenburg gestärkt werden kann – «nicht, dass wir in einem Jahr bereits wieder über eine Redimensionierung reden müssen».

Entscheid gibt Luft

Der Entscheid gebe «etwas Luft», sagt Elisabeth Burgener (SP). Sie vermutet, dass der Druck aus dem oberen Fricktal mitgeholfen hat, dass Laufenburg wohl ein Akutspital bleibt. «Es ist ein Zeichen, dass das GZF das obere Fricktal ernst nimmt.» Aber auch für sie ist klar: «Es ist nur ein Zwischenschritt.» Es brauche eine längerfristige Perspektive. Wo diese liegt, kann Burgener nicht sagen. «Vielleicht ist ein medizinisches Zentrum, wie es in Brugg betrieben wird, die Zukunft.» Sie wünscht sich, dass «alle Player am selben Strick ziehen» – für die Zukunft des GZF. Und sie wünscht sich «Klarheit in den Verantwortlichkeiten und Bewilligungsverfahren». Dazu reicht sie zusammen mit fünf weiteren Grossräten aus dem oberen Fricktal am Dienstag im Grossen Rat eine Interpellation ein (siehe Artikel oben rechts).

Die Kreativität habe ihm bislang etwas gefehlt, sagt Werner Müller (CVP). Dass nun wohl das Szenario 1 umgesetzt wird, wertet er als «positive Nachricht für die Region». Die Reise müsse aber weitergehen. Denn: «Das ganze Gesundheitswesen ist im Fluss. Wer da stehen bleibt, verliert.»

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