Der Unmut ist Harry Wilhelm, Gemeindeschreiber von Herznach, anzuhören. «Das ist einfach nur ärgerlich», sagt er. Was Wilhelm damit meint: die vielen Plakate vor allem entlang der Hauptstrasse durch das Dorf. «Seit Jahren stellen wir immer wieder fest, dass dort eine ganze Flut von Plakaten gestellt wird», sagt Wilhelm. Diese stünden teilweise an unerlaubten Orten oder würden nicht mehr abgeräumt – manchmal auch beides.

«Dabei gibt es klare Richtlinien», sagt Wilhelm. Sieben Seiten umfasst das Dokument «Richtlinie über Strassenreklamen» des Kantons, zusätzlich gibt es ein Merkblatt für Wahl- und Abstimmungsplakate. Die Gemeinde hat die Dokumente auf der eigenen Homepage verlinkt. Darin ist exakt festgehalten, wo welche Plakate aufgestellt werden dürfen.

So findet sich in den Richtlinien unter anderem folgender Hinweis: «Fahrzeuglenkende dürfen nicht über eine längere Strecke permanent der Einwirkung von Reklamen unterworfen sein, da sonst eine übermässige, verkehrsgefährdende Ablenkung möglich ist.» Deshalb seien Strassenreklamen untersagt, wenn sie die Verkehrssicherheit beeinträchtigen können – etwa in Sichtzonen vor Kreuzungen, bei Kreiseln, in unmittelbarer Nähe von Verkehrstafeln oder bei Fussgängerstreifen.

Es droht eine Ordnungsbusse

Herznach ist mit dem Problem allerdings nicht allein. «Wir hören auch von anderen Gemeinden, die damit kämpfen», sagt Wilhelm. «Es kommt ab und zu vor, dass wir mit Plakaten und Werbetafeln konfrontiert sind, die an unerlaubten Orten aufgestellt wurden», sagt denn auch Werner Bertschi, Chef der Regionalpolizei Oberes Fricktal.

Vom Problem betroffen sind dabei vor allem die Strassen «mit hohem Verkehrsaufkommen, wo die gewünschte Werbewirkung auch am grössten ist», so Bertschi. In der Regel also die Kantonsstrassen, wie jene in Herznach. «Problematisch ist es dort, wo die Verkehrssicherheit beeinträchtigt wird. Insbesondere im Bereich von Fussgängerstreifen und Strassenverzweigungen.»

Plakate, welche die Verkehrssicherheit beeinträchtigen, werden deshalb von der Polizei entfernt und die Verursacher anschliessend kontaktiert. «Gemäss dem Polizeireglement Oberes Fricktal haben wir die Möglichkeit, Verantwortliche mit einer Ordnungsbusse von 100 Franken zu sanktionieren», sagt Bertschi. Falls die Plakate die Verkehrssicherheit tangieren, komme die Bestimmung der Signalisationsverordnung zum Tragen, was eine Anzeige an die zuständige Staatsanwaltschaft zur Folge hat.

Die Plakate-Flut war in Herznach bereits mehrmals Thema. Unter anderem an Gemeindeversammlungen, wo sich auch Einwohner genervt gezeigt hätten, sagt Harry Wilhelm. Die Gemeinde prüfte in der Vergangenheit deshalb verschiedene Massnahmen. Nun wird eine Idee umgesetzt: Die Gemeinde duldet in Zukunft nur noch temporäre Werbetafeln und Reklamen, die von einheimischen Vereinen und Organisationen aufgestellt werden.

Als «einheimisch» gelten dabei Vereine und Organisationen aus dem Staffeleggtal. Sämtliche anderen Plakate und Schilder werden in Zukunft vom Bauamt entfernt. «Wir hoffen, dass wir die Flut so etwas eindämmen können», sagt Wilhelm. «Gleichzeitig möchten wir den Vereinen und Institutionen aus dem Tal weiterhin die Möglichkeit bieten, für ihren Anlass zu werben.»