Die Sprengung des Hotels Solbad im Beitrag der Sendung «Antenne» des Schweizer Fernsehens.

SRF Archiv

Damals im Aargau
«Eine Bilderbuchsprengung»: Als das Laufenburger Hotel Solbad in die Luft flog

Vor 50 Jahren zog die Sprengung des Hotels Solbad in Laufenburg zahlreiche Neugierige an. So viele, dass Schülerinnen und Schüler gar «Eintrittsgeld» verlangen konnten.

Simone Morger
Drucken

Samstagmorgen, 6. November 1971, 10.55 Uhr: Es knallt in Laufenburg – und wie. Als sich der Staub legt, ist das Hotel Solbad nicht mehr als ein Schutthaufen, aus dem noch Gebälk und wenige Mauern ragen.

Von einer «Bilderbuchsprengung» spricht der Kommentator des Beitrags des Schweizer Fernsehens, der am 8. November 1971 in der Sendung «Antenne» ausgestrahlt worden ist. Das Ereignis lockte zahlreiche Menschen an.

In wenigen Augenblicken war das Hotel Solbad nur noch Schutt und Staub.
3 Bilder

In wenigen Augenblicken war das Hotel Solbad nur noch Schutt und Staub.

Keystone/Walter Keller

Spendenaktion

Das nutzten Laufenburger Schülerinnen und Schüler clever aus: Sie sammelten im Publikum Geld für die Glückskette. 1571 Franken sind laut dem TV-Beitrag für bengalische Flüchtlingskinder zusammengekommen. 1971 erkämpfte sich Ostpakistan, das heutige Bangladesch, in einem blutigen Krieg die Unabhängigkeit.

Dieser Krieg, der erst im Dezember 1971 enden sollte, führte nicht nur zu zahlreichen Flüchtlingen, sondern auch zu einem regelrechten Massaker an der Zivilbevölkerung. Schweizweit kam es damals zu Spendenaktionen für Ostpakistan und seine Flüchtlinge.

Das «vergammelte» Hotel

Bei seiner Sprengung an diesem Samstagmorgen 1971 war das Hotel Solbad noch nicht alt, aber bereits in desolatem Zustand – «vergammelt», wie Hannes Burger, Präsident des Laufenburger Museumsvereins, sagt. «Schon lange dem Abbruch geweiht» sei das Hotel gewesen, heisst es auch im Beitrag des Schweizer Fernsehens.

1847 ist laut Burger das Stadttor Bären oder Marktplatztor abgebrochen worden. «Eine Begründung war, dass mehr Licht in das Städtchen und auf den Marktplatz komme. Aber den Ostwind, der nun immer ganz heftig ins Städtchen blies, hat man nicht berücksichtigt», sagt Hannes Burger. Und so kam an seiner Stelle ein Hotel mit Solbad zu stehen.

Die Sole kam aus Rheinfelden und in Laufenburg wollte man so wohl auch vom Kurtourismus profitieren. Anfangs habe das auch funktioniert, doch irgendwann war das Hotel nicht mehr gefragt. «Es ist auch nicht mehr renoviert worden», so Hannes Burger.

Schon lange kein Hotel mehr: Der ehemalige «Rote Löwen» vom Marktplatz aus gesehen.

Schon lange kein Hotel mehr: Der ehemalige «Rote Löwen» vom Marktplatz aus gesehen.

Marc Fischer, August 2014

Mit der Sprengung machte man Platz für ein neues Konzept: das Hotel Roter Löwe. Einige Jahre später erbaut, ereilte auch dieses Hotel ein ähnliches Schicksal: 2006 gingen Hotel und Restaurant Konkurs, zurück blieb das rote Haus, das bis heute nie mehr ein Hotel werden sollte.

Bis 2018 fungierte die Altstadtliegenschaft als Bezirksgefängnis, beherbergte zwischenzeitlich Kantonspolizei, den Kindes- und Erwachsenenschutzdienst oder das Grundbuchamt. Heute ist das «Haus Rheinblick» ein Alters- und Pflegeheim mit Rheinsicht.

Aktuelle Nachrichten