Weihnachtsgottesdienste
Corona macht die Kirchen kreativ

Auch für die Fricktaler Gemeinden werden Gottesdienste unter Pandemie-Bedingungen zur Herausforderung. Die einen sagen die Gottesdienste ab und organisieren ein Konzert, andere übertragen die Predigten per Video live oder verlegen alles nach draussen.

Hans Christof Wagner
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An Heiligabend bleiben die Fricktaler Kirchen zum Teil leer.

An Heiligabend bleiben die Fricktaler Kirchen zum Teil leer.

zvg

Heiligabend und Weihnachten – das ist die Zeit, in der die Kirchengemeinden sich normalerweise über leere Bänke nicht beklagen müssen. Das Bedürfnis nach Gottesdiensten, Krippenspielen und Lichteraktionen ist gross. «Wir hatten in den Vorjahren an Heiligabend immer rund 400 Leute in der Kirche», berichtet Edith Keller von der römisch-katholischen Kirchenpflege Möhlin. Aktuell dürfen sie nur 50 reinlassen. Nicht machbar, befand die Gemeinde und sagte sämtliche Gottesdienste über die Festtage ab. Lediglich am 25. Dezember können sich Gläubige in der katholischen Kirche versammeln – zu Kirchenkonzerten mit einer Sopranistin und Streichern auf der Empore. Auch hier ist bei 50 Besuchern Schluss. Ein Türdienst wacht darüber, dass nicht mehr zusammenkommen.

Bei den Reformierten wird indes niemand nach Hause geschickt, wenn die Obergrenze erreicht ist. In Möhlin wird der Familiengottesdienst an Heiligabend nachmittags mit Kameras aufgezeichnet und live in den Kirchgemeindesaal übertragen. «Wer Bedenken hat und erst gar nicht kommen möchte, kann sich das auch im Internet zuhause auf dem Bildschirm ansehen», sagt Pfarrerin Claudia Speiser.

Frick: Profis in Sachen Video und Audio

Schon fast Profis in Sachen Video und Audio sind die Fricker Reformierten, die anstelle des traditionellen Krippenspiels am vierten Adventssonntag einen «Weihnachtsrundgang digital» anbieten – mit Live-Bildern aus dem Kirchgemeindehaus, zuvor aufgenommenen Filmszenen und der Moderation von Pfarrer Matthias Jäggi und Sozialdiakonin Nadine Brauchli. An Weihnachten selbst plant die Gemeinde ebenfalls ein Live-Streaming-Angebot. «Das für den Fall, dass zwei Tage vor dem 24. Dezember feststeht, dass die Obergrenze von 50 Gottesdienst-Besuchern überschritten sein wird», wie Jäggi ankündigt.

Neue Wege, die Weihnachtsbotschaft unter Pandemiebedingungen unter die Leute zu bringen, geht auch der Seelsorgeverband Eiken-Stein. Bei den zwei Familiengottesdiensten an Heiligabend in Stein, für die Anmeldepflicht besteht, ersetzt ein zuvor aufgezeichnetes Krippenspiel die reale Aufführung vor Ort in der Kirche. In Eiken steht die Pfarrkirche am Nachmittag einfach offen. Um sich dann, um 22 Uhr, zur Christmette, mit Besuchern zu füllen. Laut Pfarreiseelsorgerin Christina Kessler gibt es hierfür keine Anmeldung und auch kein Streaming in andere Kirchenräume. Sind 50 drin, heisst es für alle weiteren, die rein wollen: Pech gehabt.

Wird die Obergrenze wirklich zum Problem?

Unklar bleibt, wie stark der Andrang mit Maskenpflicht, Gesangsverbot und dem Ansteckungsrisiko tatsächlich ausfällt. Keine Zweifel, dass er trotz allem gross sein wird, hat Edith Keller aus Möhlin. Sie sagt: «Wir mussten auch schon zuvor, an normalen Sonntagen regelmässig Leute heimschicken.» Jäggi ist sich nicht so sicher, ob die 50 wirklich zum Problem werden. «Es verzichten sicher viele und bleiben zuhause. Weil ihnen der Aufwand oder das Risiko als zu hoch erscheinen», schätzt der reformierte Pfarrer. Kessler geht davon aus, dass sie mit dem zweiten Familiengottesdienst in Stein und dem Konzept offene Kirche in Eiken den traditionell an Heiligabend grössten Run abfedern können. «Im schlimmsten Fall müssen wir die Leute eben heimschicken.» Man könne froh sein, dass die Obergrenze nicht bei weniger als den 50 liege wie in anderen Kantonen.

So setzen die Kirchgemeinden im Fricktal im Corona-­Weihnachten mehr denn je auf offene, kurze und unverbindliche Angebote, auch im Freien, so auch in Möhlin, wo die drei Dorfkirchen zu einem ökumenischen Weihnachtsrundgang einladen, der aus sieben Stationen besteht.