Betrüger
Er suchte die grosse Liebe und verlor sein gesamtes Vermögen – jetzt wurde der Mann auch noch verurteilt

Ein 49-jähriger Aargauer musste sich wegen Geldwäscherei und Urkundenfälschung vor dem Rheinfelder Bezirksgericht verantworten: Unbekannte hatten über seine Konten Geld nach Afrika geschafft – wobei der Beschuldigte tatkräftig mithalf. Allerdings behauptete er, von den kriminellen Machenschaften nichts gewusst zu haben. Vielmehr sei auch er ein Opfer der Internetbetrüger.

Nadine Böni
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Ein Aargauer überwies sein gesamtes Vermögen nach Afrika – und wurde anschliessend noch weiter betrogen.

Ein Aargauer überwies sein gesamtes Vermögen nach Afrika – und wurde anschliessend noch weiter betrogen.

Symbolbild/Keystone

Er suchte im Internet die grosse Liebe – und geriet an Betrüger, die ihn gnadenlos ausnahmen. Und die ihn, zumindest indirekt, vor das Bezirksgericht Rheinfelden brachten. Dort nämlich musste sich der 49-jährige Aargauer am Freitag wegen Urkundenfälschung und mehreren Fällen der Geldwäscherei verantworten.

Angefangen hatte alles im Sommer 2017. Der Beschuldigte, gerade frisch geschieden, lernte damals über eine Datingapp eine Frau kennen. Er verliebte sich, schickte ihr bald einmal Geld nach Afrika. Vor Gericht schildert er:

«Sie sagte, ich könne in ihr Textilunternehmen einsteigen.»

Später waren es angebliche Goldgeschäfte. Das Resultat: Der Mann überwies praktisch sein gesamtes Vermögen nach Afrika, insgesamt über 100'000 Franken und nahm sogar Kredite auf – natürlich ohne je an einem Textilunternehmen oder Goldverkäufen beteiligt zu werden.

Statt eines Darlehens bekam er Geldwäscher-Aufträge

Durch diese Abzocke in arge finanzielle Schwierigkeiten geraten, suchte sich der Mann im Frühsommer 2018 Hilfe im Internet – in Form eines privaten Darlehens, weil «mir die Banken keine weiteren Kredite mehr gewährten», wie er erzählt. Und er geriet erneut an Betrüger.

Ein Darlehen in Höhe von 100'000 Franken wurde ihm versprochen, unter der Bedingung, dass er für eine Versicherung dieses Betrags eine Vorleistung von 5000 Franken überweist. Das konnte er nicht, weshalb ihm die Betrüger – sie traten unter der wohl falschen Identität einer Frau auf – den Vorschlag machten, er könne stattdessen einige Zahlungen für sie abwickeln. Der Angeklagte schüttelt den Kopf, wie er vor Gericht davon erzählt:

«Ich war naiv, leichtgläubig und vermutlich auch einfach dumm.»

Die Betrüger gaukelten dem Angeklagten vor, es handle sich bei den Beträgen um Spendengelder für ein Hilfswerk in Benin – benutzten aber stattdessen seine Identität, um auf Plattformen im Internet elektronische Artikel zu verkaufen, die sie nie an die Käuferinnen und Käufer lieferten. Die eingegangenen Zahlungen überwies der Angeklagte jeweils prompt nach Afrika.

Er ging selbst zur Polizei

Mehrere Wochen ging das so. Gut zwei Dutzend Zahlungen leitete der Angeklagte in dieser Zeit weiter, insgesamt über 13'000 Franken. Währenddessen hielten die Betrüger ihn mit dem Versprechen, sein Darlehen werde demnächst überwiesen, bei der Stange:

«Die Dokumente und Verträge sahen alle sehr professionell aus, waren teilweise von Anwälten unterzeichnet oder kamen von Notariatsbüros. Ich zweifelte nie an der Echtheit.»

Und: Er habe auch nichts von der kriminellen Herkunft der angeblichen Spendengelder gewusst. Erst, als nach Wochen noch immer kein Darlehen auf seinem Konto war, wurde er misstrauisch und kontaktierte eine Frau, die gespendet hatte. Die erzählte ihm, dass sie den Betrag vielmehr für ein Smartphone überwiesen hatte. «Ich war völlig schockiert und ging sofort zur Polizei», erzählt der Mann.

Gericht spricht ihn teilweise frei

Sein Verteidiger fordert vor Gericht denn auch einen Freispruch: Sein Mandant sei lediglich ein «Mittel zum Zweck» der Betrüger gewesen und sehe sich selbst als Opfer ebendieser, so der Verteidiger, und:

«Die sorglose Naivität ist keine strafbare Handlung.»

Das Gericht teilt diese Ansicht nur partiell. Angesichts der Zahlungsgründe, welche die betrogenen Käuferinnen und Käufer bei den Überweisungen auf seine Konten teilweise angegeben hatten, hätte er «durchaus stutzig werden und sich vergewissern müssen, was es damit auf sich hat», sagt die Gerichtspräsidentin und fügt direkt an den Angeklagten gewandt hinzu:

«Sie sind in manche Falle getappt, die im Internet lauert. Natürlich können Sie sich auch in Zukunft auf Datingapps bewegen – aber zahlen Sie nie mehr auch nur einen Franken an irgendwen, den Sie nicht persönlich kennen.»

Sie spricht den Mann schliesslich vom Vorwurf der Urkundenfälschung frei, verurteilt ihn aber in zehn Fällen der Geldwäsche. Das Strafmass: eine bedingte Geldstrafe sowie eine Busse in Höhe von mehreren hundert Franken. Dies als «Mahnfinger für die Zukunft», so die Gerichtspräsidentin.