Fricktal
KV-Lehrstellen sind beliebt – die Baubranche hingegen muss am Image feilen, um Lehrlinge zu finden

Dutzende Jugendliche aus dem Fricktal beginnen nach den Sommerferien ihre Lehre. Eine Umfrage zeigt: Besonders beliebt sind KV-Stellen. Auch das Interesse an Gesundheitsberufen ist gross. Schwieriger fällt es der Baubranche, alle Lehrstellen zu besetzen. Hier müssen die Unternehmen in die Trickkiste greifen.

Hans Christof Wagner
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Wer Lernende gewinnen will, muss früh damit anfangen, wie hier bei der Berufsschau in Etzgen.

Wer Lernende gewinnen will, muss früh damit anfangen, wie hier bei der Berufsschau in Etzgen.

Ingrid Arndt
(18. März 2017)

Benjamin Nussbaum aus Densbüren ist der «Zimmermann on Tour». Im Mai und Juni besuchte der 23-Jährige mit seinem Wohnmobil Oberstufenklassen und Berufsmessen, um gegenüber den Schülerinnen und Schülern den Beruf der Zimmerleute zu promoten. Nussbaum war unter anderem bei Häring Holzbau in Eiken zu Gast.

Und die Tour zeigte Wirkung. Das erzählt Janine Felber, bei Häring Lehrlingsbetreuerin und Personalverantwortliche. Sie sagt:

«In den knapp zwei Wochen, in denen Nussbaum bei uns war, sind allein sechs Anmeldungen für Schnupperlehren für den Zimmermannsberuf eingegangen.»

So viele seien es sonst oft im ganzen Jahr. Nun heisst das nicht, dass diese sechs 2022 dann auch tatsächlich eine Berufslehre bei Häring beginnen. Aber der Grundstein sei gelegt, so Felber. Nussbaum habe das Berufsbild, unterstützt durch die sozialen Medien, gut rüber gebracht.

Handwerk verspricht den goldenen Boden

Ein Zimmermannslehrling tritt im August seine Ausbildung bei Häring an. Laut Felber wäre noch Bedarf für zwei weitere Lernende. Sie sieht auch Informationsdefizite hinter den Nachwuchssorgen in der Baubranche:

«Schüler haben oft keine Vorstellung davon, was ein Zimmermann macht.»

Es werde immer schwieriger, Leute zu finden, die den steigenden Anforderungen in diesem Beruf gewachsen sind, so Felber. Dabei verspreche das Handwerk den sprichwörtlich goldenen Boden: gute Lohnaussichten, hohe Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt und viele Weiterbildungsmöglichkeiten. Für sie steht fest: «Es muss nicht immer die KV-Lehre sein.»

KV-Lehrstellen sind begehrt

Genau die ist «sehr begehrt», wie auch Fricks Gemeindeschreiber Michael Widmer bestätigt. Er sagt: «Die Lehrstellen per August 2021 sind bei uns längst besetzt.» Auch Rheinfelden hat gemäss Stadtschreiber Roger Erdin keine Probleme, kaufmännische Lehrstellen zu besetzen. Schwieriger sei die Situation bei den handwerklichen Berufen, den Stellen im Betriebsunterhalt oder im Forstbetrieb.

Die Schützen Rheinfelden AG bietet unter ihrem Dach sechs verschiedene Berufslehren an. Auch dort sind die KV- und die Restaurantfachmann/-frau-Lehrstellen am beliebtesten, sagt Marketing-Leiterin Jana Hueber.
Für diesen Herbst gibt es noch drei Vakanzen – zwei Lehrstellen als Koch/Köchin und eine als Hotelfachmann/-frau sind aktuell offen.

Unternehmen müssen ins Image investieren

Nichts mehr offen an Lehrstellen ist hingegen am Gesundheitszentrum Fricktal (GZF). «Bei den Fachfrauen/Fachmännern Gesundheit war die Bewerberzahl wie jedes Jahr sehr hoch. Auch die Ausbildung zur Medizinischen Praxisassistentin ist stets sehr begehrt», sagt Sprecherin Miriam Crespo. Das zeige, dass das GZF ein begehrter Ausbildungsbetrieb sei.

Doch um als solcher zu gelten, «müssen Unternehmen auch etwas investieren», sagt Lorenz Obrist, Leiter Marketing und Kommunikation der Erne AG in Laufenburg. Das Laufenburger Bauunternehmen hat erst jüngst einen Lehrlingsbeauftragten eingestellt. Obrist kann vermelden: «Bis auf eine Stelle als Maurer am Standort Laufenburg sind bei uns alle Lehrstellen besetzt.»

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