Das Strömungssurfen an der Holzbrücke soll verboten werden, weil die Stadt den Rhein dort für zu gefährlich hält. Das hat Muriel Schwerdtner, Leiterin des Bad Säckinger Ordnungsamts angekündigt. Doch in der Stadt regt sich Widerstand: Das «Wellebrättli» sei ein Kulturgut, sagt Sebastian Dessecker vom Kombinat für Elastizität. Anstatt das Surfen zu verbieten, solle man lieber aufklären und gemeinschaftlich ein Konzept für die Sicherheit auf dem Rhein erarbeiten.

Schon seit Jahrzehnten sei das Strömungs- oder auch Bungee-Surfen auf Flüssen ein Kulturgut, sagt Dessecker. Besonders in der Schweiz sei es seit Jahren etabliert, dort gibt es Meisterschaften. Allerdings habe es dort auch Unfälle gegeben, auch tödliche, gibt Dessecker zu. Gemeinsam mit der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft hätten Surfer daraufhin Regeln für das Flusssurfen ausgearbeitet.

Diese Regeln befolgt und verbreitet auch das Bad Säckinger Kombinat für Elastizität. Der Zusammenschluss von Bungee-Surfern will über Risiken auf dem Rhein aufklären. In einem Handbuch haben sie Regeln für das Rheinschwimmen aufgeführt: Sich vor dem Schwimmen abkühlen, nicht zu lang in kaltem Wasser bleiben, niemals mit vollem oder leerem Magen schwimmen, sich nicht überschätzen.

Unterschriften-Sammlung gegen das drohende Verbot

Natürlich sei das Bungee-Surfen nicht ungefährlich. «Aber es ist doch besser, wir machen das öffentlich, wo viele gucken», sagt Dessecker. Ausserdem tragen die Surfer Neoprenanzüge, die Auftrieb geben. Zusätzlich seien die Surfer geübte Schwimmer und kennen den Rhein. Gegen das Verbot sammelt das Kombinat derzeit Unterschriften und werde auch von Gewerbetreibenden unterstützt, so Dessecker.

«Bad Säckingen verpasst wieder mal den Anschluss. Aufgrund von angstgesteuerten Entscheidungen verödet die Stadt», sagt Dessecker, der in Bad Säckingen zur Schule gegangen ist und schon viele Jahre hier lebt. Prävention sei wirksamer als ein Verbot: «Ein Verbotsschild hält einen betrunkenen Jugendlichen nicht davon ab, in den Rhein zu springen. Eine Gruppe Bungee-Surfer, die ihm die Gefahren erklären, vielleicht schon.»

Wenn das Verbot nicht kommt, will das Kombinat weiter aufklären und dafür sorgen, dass die Schweizer Surfregeln eingehalten werden. Man wolle die Regeln sogar aufstocken, sagt Dessecker: «In Zukunft werden wir immer Schwimmwesten tragen.» Seit einer leichten Gehirnerschütterung trage er selbst auch immer einen Helm.

Es müsse ein Konzept für die Sicherheit und Attraktivität des Rheinufers entwickelt werden, da wolle das Kombinat gern mit der Stadt, der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft und anderen Vereinen und Sportlern zusammenarbeiten. Als er jedoch beim Ordnungsamt vorsprechen wollte, habe man daran kein Interesse gezeigt, sagt Dessecker.

Schwerdtner sagt, von einer offiziellen Anfrage auf Zusammenarbeit sei ihr nichts bekannt. Es gebe Protest gegen das Verbot, allerdings seien etwa Plakate ohne Genehmigung in der Stadt aufgehängt worden. Die Stadt will die Polizeiverordnung erweitern, sodass das Springen von der Holzbrücke und das Bungee-Surfen verboten werden. An den Brückenpfeilern gebe es gefährliche Strudel, wo vor allem nicht geübte Schwimmer immer wieder in brenzlige Situationen geraten, erklärt Schwerdtner das geplante Verbot. Zudem sei die Holzbrücke, ein Denkmal in städtischem Eigentum, als Fuss- und Radweg gedacht.

Gemeinderat muss über ein Verbot entscheiden

Eine andere Nutzung bedürfe eigentlich einer Sondergenehmigung. Auch die Befestigung des Seils für das Surfen sei «nicht unbedingt sicher». Natürlich seien Surfen und Baden nicht allgemein gefährlich oder verboten – «es geht um diesen Bereich an der Holzbrücke», so Schwerdtner. Entscheiden wird über das Verbot der Gemeinderat. Dort will das Kombinat seine Argumente vorbringen.